Mythic Journeys 2006 - Hyatt Regency Hotel
Für fünf Tage ein Ort mythischer Reisen: Das Hyatt Regency
Hotel in Atlanta mit seinen Highspeed-Aufzügen

"... wie eine einzige Symphonie"

Bericht von der
Mythic Journeys-
Konferenz 2006
in Atlanta

 


 


von Martin Weyers


Internet-Communities genießen vielfach den Ruf anonymer Gemeinschaften von Leuten, die lieber online kommunizieren, als mit richtigen Menschen. Ganz anders die Associates der Joseph Campbell Foundation: Während Workshops, Seminare und andere Veranstaltungen, wie sie alljährlich in Esalen stattfinden, naturgemäß nur einem beschränkten Teilnehmerkreis zugänglich sind, gibt es mit den Mythological RoundTables ein weltweites Netz von lokalen Gruppen, in denen die Symbole von Kunst, Mythologie und Religion studiert und gelebt werden können. Zudem hat das Online-Forum der JCF bereits viele Menschen real zusammengebracht: Zahlreiche Besucher aus aller Welt fanden zum Beispiel den Weg nach Deutschland, um die dortige RoundTable-Gruppe zu besuchen. Solche Begegnungen ermöglichen einen persönlichen Austausch zwischen Menschen, die ohne das Internet nie zusammengefunden hätten.


Enthusiastischer Jubel auf der Abschlussveranstaltung: Das Publikum stimmt ein, als Fred Johnson's Gesang sich zu einem versöhnlichen "Be your brother's keeper, be your sister's keeper" steigert.

 Selten jedoch ergibt sich die Gelegenheit, die meisten aktiven  Working Associates der Joseph Campbell Foundation, einer Organisation die wesentlich als Online-Community existiert, zusammenzubringen: RoundTable-Leiter, Mitgestalter der Website und Mitglieder des Board of Directors, und darüber hinaus noch ein paar hundert Mythologiebegeisterte verschiedenster Herkunft. Ein solches Treffen  von JCF Associates aus aller Welt fand dieses Jahr erstmals in Atlanta statt, wo die zweite Mythic Journeys Konferenz zelebriert wurde.

Dieser Bericht soll Einblick geben in die Mythic Journeys 2006, und die sich daraus ergebenden Begegnungen. Bei mehr als siebzig Presenters kann es sich dabei natürlich nur um einen Querschnitt durch das vielfältige und teils parallel stattfindende Programm dieser einzigartigen Konferenz handeln. Ein solcher persönlicher Bericht mag jedoch einen Eindruck von dem Potential vermitteln, das allein im freundschaftlichen Austausch von Künstlern, Psychologen, Musikern, spirituellen Lehrern, Mythologen und Schriftstellern verschiedenster Couleur zu finden ist. "Ich ändere nicht die Gesellschaft, ich ändere Menschen", pflegte Joseph Campbell zusagen, "und dies ist genau das, was getan werden muss."

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Im freundschaftlichen Austausch über kulturelle, geografische und soziale Grenzen hinweg, liegt möglicherweise mehr Sprengkraft, als im Verfassen von Manifesten. Mit den Möglichkeiten unserer Zeit, durch Internet und schnelle Flugverbindungen näher zusammenzurücken, und auf solche Weise einen geistigen Austausch zu ermöglichen, sind uns die Mittel einer gegenseitigen geistigen Befruchtung gegeben, die im Hinblick auf ein globales Zusammenwachsen der Kulturen von unschätzbarer Bedeutung sind.

Mythic Journeys 2006 - JCF Stand - David Kudler, Michaela Foster Marsh
Der Stand der Joseph Campbell Foundation als kommunikatives Zentrum, wo man Leute trifft, die immer für einen Plausch zu haben sind: Publication Director David Kudler, Sängerin und Songwriter Michaela Foster Marsh, Joyce Alexson (Leiterin des Los Angeles RoundTable), Philip Spartalis (Leiter der australischen RoundTable Gruppe) und JCF Kolumnist Steven Gerringer, Verfasser der Practical Campbell Essays.

Was verbirgt sich hinter Mythic Journeys? Die Veranstaltung, erstmals im Juni 2004 durchgeführt, geht auf die Initiative von Michael Karlin zurück, der ursprünglich den Mythological RoundTable in Atlanta leitete. Während RoundTable-Treffen in der Regel in überschaubarem Rahmen staffinden, ist Mythic Journeys eine großangelegte Veranstaltung in einem professionell ausgestatteten Konferenzcenter.

Bei den Mythic Journeys treffen mehrere hundert Besucher auf mehrere dutzend Presenters. Zu letzteren gehörten bislang so prominente Namen wie der Psychologe James Hillman und die Schriftstellerin Joyce Carol Oates, der Filmdesigner Alan Lee  (Herr der Ringe) oder der Dichter Robert Bly (der noch zu den engen Mitarbeitern und Künstlerfreunden von Joseph Campbell zählte).

Auch dieses Jahr waren wieder zahlreiche bedeutende Künstler, Musiker, Psychologen und Autoren dabei, darunter beispielsweise Wendy Froud (die Schöpferin von Yoda aus den Star Wars) , Brian Froud (Der dunkle Kristall), Caitlin und John Matthews (die zu den populärsten Autoren im Bereich keltische Mythologie und Gralsgeschichten zählen), der Hindu-Mediziner Deepak Chopra (eine der zentralen Gestalten im Bereich alternative Heilmethoden), und die Fantasy-Autorinnen Ellen Kushner, Terry Windling und Delia Sherman.

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Mythic Journeys 2006 - Deepak Chopra, Coleman Barks
Austausch zwischen Kunst und Spiritualität, Hinduismus und Islam: Deepak Chopra (links) und Coleman Barks (rechts) im musikalisch unterstützten Dialog.

Mythic Journeys 2006 - Michael Meade
Michael Meade (dritter von links) im Gespräch mit JCF folks und Kongressteilnehmern in der Hotel Lobby

Die genannten Persönlichkeiten mögen einen Eindruck von der Spannbreite der Darbietungen im Rahmen der Mythic Journeys vermitteln: Vorträge, Konzerte, Workshops und Diskussionsrunden, bei denen Künstler, Psychologen und Vertreter verschiedener Denk- und Spiritualitätsrichtungen aufeinandertreffen, ermöglichen einen Austausch weit über das übliche Wirkungspotential der einzelnen Teilnehmer hinaus. Einen Vortrag etwa von Deepak Chopra zu hören, ist etwas anderes, als dieselbe Person mit Musikern und Vertretern anderer spiritueller und künstlerischer Traditionen auf der Bühne agieren zu sehen. Die besonderen Reize einer Kommunikation ohne Scheuklappen und übertriebene Berührungsängste, vielleicht eine bemerkenswerte Eigenart der amerikanischen Kultur, konnten so eindrucksvoll erfahren werden.

Neben künstlerischen Performances fand auch das Gespräch zwischen den Vertretern unterschiedlichster Disziplinen gebührenden Raum. So etwa, als der Psychologe Steven Aizenstat mit Künstlern verschiedenster Couleur über Hearth and Heart diskutierte.

In alten Zeiten war die Feuerstelle der Platz, an dem man sich zum gemeinsamen Mahl versammelte, wo man Gelegenheit fand, den Göttern zu danken  — und um Geschichten zu erzählen. Die Feuerstelle bildet das soziales Zentrum und lässt selbst die Götter am Geschehen teilhaben, verbindet doch das Feuer die sichtbare mit der unsichtbaren Welt, während der Rauch zum Himmel aufsteigt, um sich in der Endlosigkeit des Firmaments zu verlieren. Es macht daher Sinn, Heart und Hearth, also Herz und Feuerstelle, gleichzusetzen, ist doch die Feuerstelle traditionell selbst das Herzstück menschlichen Zusammenlebens, ein Ort, an dem man sich trifft, um Leib und Seele gleichermaßen zu erwärmen.

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Mythic Journeys 2006 - John Matthews, Ari Berk, Steven Aizenstat, Brian Froud
Hearth and Heart: John Matthews, Ari Berk, Steven Aizenstat und Brian Froud im Gespräch. John und Brian gaben dabei interessante Einblicke in das Treiben ihrer Hausgeister...

Mythic Journeys 2006 - Gerald McDermott, Chungliang AL Huang
Campbell Illustrator Gerald McDermott (Mitte) und Tai Chi Experte Chungliang Al Huang (zweiter von rechts) beim gemeinsamen JCF Dinner. Zur Linken: Joyce Alexson, Leiterin des Mythological RoundTable in Los Angeles, der mit circa achzig aktiven Teilnehmern zu den größten Gruppen zählt

John Matthews und Brian Froud sind dem Storytelling auf unterschiedlichste Weise verpflichtet: Während Brian als künstlerischer Leiter bei Filmen wie Der dunkle Kristall und Labyrinth (letzterer mit David Bowie in der Hauptrolle) agierte, und für seine magischen Bildwelten berühmt ist, versteht sich Matthews in der Tradition der keltischen Geschichtenerzähler. In seinen Büchern und Performances werden die abendländischen spirituellen Traditionen vor Einbruch des Christentums zu neuem Leben erweckt. Für eine Präsentation des Lebens Merlins schlüpfte John in die Rolle des Geoffrey of Monmouth ( jenes Verfassers, dem wir dir frühesten literarischen Zeugnisse über Merlin und die Gralswelt verdanken), während seine Worte von Arik Berk und John Matthews' Partnerin Caitlin Matthews, sowie von Schauspielern wie William Todd-Jones und Toby Froud veranschaulicht wurde.

Toby ist der Sohn von Wendy und Brian Froud, der in seiner erste Rolle in Labyrinth bereits als Baby sein Talent unter Beweis stellen durfte. William Todd-Jones dagegen hat gleich in einer ganzen Reihe phantastischer Filme in sonderbarsten Verkleidungen brilliert, darunter so populäre Streifen wie Labyrinth, Die unendliche Geschichte, Tim Burton's Batman, Hitchhiker's Guide to the Galaxy, Die Chroniken von Narnia, Harry Potter and the Order of the Phoenix. Seine Kunst besteht darin, die denkwürdigsten Verkleidungen anzunehmen, ganz gleich ob es einen Wurm oder, wie in Harry Potter, einen Riesen zu spielen gilt. Die Mythic Journeys bereicherte er nicht nur durch die Teilnahme an Workshops und Diskussionen, sondern auch durch seine Auftritte in einem von Wendy Froud entworfenen Kostüm als Pan. (JCF Essayist Steven Gerringer, von Philip Spartalis (Australian RoundTable) und mir nach Mitternacht in die Hotelbar entführt, traute seinen Augen nicht, als dort zwei Satyre auftauchten, und fragte sich am nächsten Tag, ob er das alles bloß geträumt habe...)

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Mythic Journeys 2006 - William Todd-Jones, Wendy Froud
Kristen McDermott, William Todd-Jones, Honorah Foah und Wendy Froud diskutieren, wie Kleider, Masken und Kostüme unsere Vorstellungskraft und Selbsterfahrung erweitern: Second Skins: Costume and the Mythic Imagination

Spannend wird es, wenn ein Geschichtenerzähler und Gralsforscher wie John Matthews auf Künstler wie Brian Froud und Ari Berk trifft, und sich dann noch ein aufgeschlossener Psychologe hinzugesellt.

Ari Berk verbindet als Professor an der Universität von Michigan und Autor, der bereits an Buchprojekten von Brian Froud und John Matthews mitgewirkt hat, die Fähigkeit, sich mit Intellekt und Imaginationskraft gleichermaßen auf die Welt des Mythos einzulassen.

Die Künstler scheuten sich auch nicht, private Einblicke zu gewähren, so etwa wenn Brian Froud und John Matthews, beide Bewohner altehrwürdiger britischer Landhäuser, glaubhaft von Erlebnissen mit ihren Hausgeistern berichteten. Brian erzählte, dass er nur ungern seinen Landsitz verlässt, und wenn, dann nie ohne sich von seinem Hausgeist zu verabschieden — am Kamin, wie es sich gehört: Denn da Hausgeister zumeist neben dem Schornstein gesichtet werden, kommuniziert man am besten mit ihnen durch den Kamin...

Mythic Journeys 2006 - Michaela Foster Marsh
Gesangseinlage beim Dinner: Michaela Foster Marsh (links) auf der Pre-Conference. Zu den Höhepunkten des Abends gehörten auch ein Film über die Tänzerin Jean Erdman Campbell, sowie die Übergabe des Erdman Campbell Award for Contributions to the Mythopoetic Imagination an den Visionär Stewart Brand, der mit seinem The Whole Earth Catalogue daran arbeitet, relevantes Wissen allgemein zugänglich zu machen.

Einbildung oder überbordende Künstlerfantasie? Einig war man sich darüber, dass die Realität vielschichtiger ist als es uns unsere gewöhnliche Erfahrung vermittelt; Geister und andere phantastische Geschöpfe stellen eine Möglichkeit dar, über Wirklichkeitsbereiche zu sprechen, die jenseits rationaler Erfahrung liegen. Brian Froud stellte folgerichtig klar, dass er seine Entwürfe keineswegs als Fantasy-Kunst empfindet, sondern als Realismus. Wie alle ernsthaften Künstler, betont auch der Zeichner von Elfen und Kobolden, dass er die Welt letztendlich so zeigt, wie sie von ihm erfahren wird!

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Auch ein Psychologe muss mit dieser Art von Welterfahrung nicht automatisch Probleme haben: Steven Aizenstat, Leiter des Pacifica Graduate Institute und JCF Foundation Fellow, ist durch Dream Tending, eine von ihm entwickelte Methode der Auseinandersetzung mit Träumen, populär geworden. Dabei kommt es weniger als in der herkömmlichen Traumdeutung auf die Analyse erträumter Bilder an, sondern auf ein Sicheinlassen auf die Sprache der Träume, in der sich der Mythos dem Träumenden offenbart. Denn, wie Joseph Campbell lehrte, Mythen sind die Träume der Welt, während unsere eigenen wiederkehrenden Träume auf unseren ureigensten privaten Mythos verweisen: Auf jene Kraft, die, zu einem Bild geronnen, unser Leben bestimmt.

Mythic Journeys 2006 - Cyber Cafe - Manny Otto, David Kudler
Immer in elektronischem Kontakt mit der Welt: Manny Otto, der Mann hinter der JCF-Website, und David Kudler, verantwortlich für die Collected Works of Joseph Campbell und andere Publikationen

Mythic Journeys 2006 - Cyber Cafe - Robert Walter
Immer auf Achse: JCF-Präsident Robert Walter (Mitte, sitzend) zwischen Präsentationen und Presseterminen bei einer Verschnaufpause im JCF Cyber-Cafe.

In der Tradition von C. G. Jung finden sich auch laut Aizenstat in unseren Träumen nicht nur unverdaute und verdrängte Reste unseres Tagesbewusstseins. Wo Jung Archetypen am Werk sah, universale psychische Energien, die den Erlebnisbereich des Individuums weit überschreiten, spricht Aizenstat von Bereichen der Traumwelt, in denen die Grenzen des träumenden Bewusstseins überschritten werden. Nicht nur Menschen und Tiere, sondern alle Dinge träumen. Die Grenzen des Bewusstseins sind keineswegs identisch mit den Grenzen unseres Gehirns. Aizenstat steht für eine Psychologie, die versucht, transzendente und mythologische Erfahrungsbereiche einzubeziehen. Denn in unseren Träumen, so Aizenstat, treten wir in Verbindung mit den Träumen der Welt; Die Traumwelt wird somit von allen Wesen geteilt. Aufgrund eines solchen ungewohnten Blicks auf Bereiche unseres Bewusstseins, die jenseits unseres rationalen Selbstverständnisses liegen, war ein spannender Austausch mit Storytellern wie Ari Berk, John Matthews und Brian Froud garantiert.

Auf bemerkenswerte Weise wurde hier wie bei anderen Veranstaltungen im Rahmen der Mythic Journeys vorgeführt, dass es keinen Grund gibt, die phantastischen Stoffe heutiger Erzählformen, sei es nun Roman, Comic oder Film, von vornherein als oberflächliche Unterhaltung abzutun. Ist man bereit, sich auf die Metaphernsprache dieser Geschichten einzulassen, so können tiefste psychologische Ebenen berührt werden, ohne dabei zwangsläufig einer naiven animistischen Weltsicht anheimzufallen. Die Aufgeschlossenheit gegenüber populären Medien, in denen sich dieselben geheimnisvollen Phantasiewelten spiegeln, denen wir in unseren Träumen begegnen, ist für die amerikanischen Kultur kennzeichnend.

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Mythic Journeys 2006 - Manny Otto, Satyrn, Pan, William Todd-Jones
Manny Otto, der Mann hinter der JCF Website, mit Satyrn. Die Kostüme wurden von Wendy Froud entworfen. William Todd-Jones (links) ist ein bekannter Darsteller, der in vielen phantastischen Filmen von Labyrinth bis Harry Potter mitgewirkt hat

Das Gespräch über Hearth and Heart war dabei nur eine von vielen Diskussionen in intimer Runde, die im Rahmen der Mythic Journeys durchgeführt wurden. Andere denkwürdige Begegnungen fanden beispielsweise zwischen dem Religionswissenschaftler William Doty und Chungliang Al Huang statt, jenem Tai Chi Meister, mit dem gemeinsam Campbell Seminare in Esalen veranstaltete; Beide trafen in einer Veranstaltung auf Derek Beres, einem Guru der elektronischen Musik, sowie den Kampfsportexperten Alan Pittman, der die Ehre hat, auf eine Stellung als Bodyguard des Dalai Lama zurückblicken zu können. The Mothers of Myth diskutierten hingegen Göttinnen-Expertinnen wie Jean Shinoda Bolen und Sonbonfu Somé mit Power of Myth Herausgeberin Betty Sue Flowers und Sängerin Michaela Foster Marsh.

Der enge Zeitplan mit künstlerischen Performances, Diskussionen in kleinen Räumen und großen Sälen, Workshops und anderen Präsentationen, die zum Teil zeitgleich in verschiedenen Räumen stattfanden, machte die Auswahl schwer, und wohl kein JCF Associate konnte alles sehen, wonach der Sinn stand, zumal wir zwischen den Veranstaltungen die Foundation an ihrem Verkaufs- und Präsentationsstand, sowie in der JCF Cyberlounge zu repräsentieren hatten.

Im Mythic Journeys Marketplace, wo es neben einem Buchladen zahlreiche Stände von Instituten, Künstlern und Gewerbetreibenden gab, deren Arbeit im Zusammenhang mit mythologischen Themen steht, war auch die Joseph Campbell Foundation mit ihrer JCF booth vertreten. Dort wurden Bücher von Campbell und seinem Freund, dem Tai Chi Meister Chungliang Al Huang, sowie dem preisgekrönten Illustratoren Gerald McDermott (der ebenfalls mit Campbell zusammengearbeitet hat) neben anderem relevanten Material angeboten. Wichtiger als die Verkäufe von Büchern und Follow your Bliss T-Shirts  war jedoch selbstverständlich auch hier das Gespräch.

Mythic Journeys 2006 - JCF Stand - Sydney
Die Joseph Campbell Foundation von ihrer charmantesten Seite: Yoga-Lehrerin Sydney Solis (Mitte) hält die Stellung am JCF-Stand. Syd leitet den Mythological RoundTable in Colorado und moderiert das spanische Internetforum.

Mythic Journeys 2006 - Michael Fitzpatrick
Prominente Gäste: Cellist Michael Fitzpatrick studiert die am JCF-Stand angebotenen Publikationen, darunter auch die Bücher des Zeichners und Illustratoren Gerald McDermott. Auf der rechten Seite Syd im Gespräch mit Rich Schwab, RoundTable Leiter in Seattle und Koordinator der Mythological RoundTables.

Dabei wurde einvernehmlich der gute Draht zwischen den JCF Mitgliedern hervorgehoben. Bob Walter, der zusammen mit David Kudler, Manny Otto und Lynn Kaufman die Aktivitäten der JCF koordinierte, erzählte, dass er gleich von mehreren Leuten angesprochen worden sei, die sich beeindruckt von dem freundschaftlichen Umgang unter deren Mitarbeitern gezeigt hätten; Staunen war durchweg das Resultat, wenn Bob ihnen erklärte, dass die meisten von uns sich hier zum ersten mal begegnet sind (wenngleich viele von uns bereits zuvor, zum Teil seit Jahren, über das Internet in Kontakt gestanden hatten).

Ein weiterer Ort, an dem die Foundation Präsenz zeigte war die JCF Cyberlounge, wo die Joseph Campbell Foundation Laptops zur Verfügung stellte, sodass niemand fürchten musste, vor lauter realem Spaß den Anschluss an die Cyberwelt zu verlieren. Beide Orte erwiesen sich als Orte der Kommunikation, wo mancher Kontakt entstand oder vertieft werden konnte. So ließ sich auch manche verpasste Veranstaltung leicht verkraften.

Begegnungen im Namen der Spiritualität und des geistigen Austauschs, die in irgendeinem der zahllosen Konferenzcenter weltweit stattfinden, haben es im Allgemeinen schwer, sich gegen die täglichen Nachrichten zu behaupten. Was sind schon ein paar hundert inspirierte Teilnehmer, im Vergleich zu den Abertausenden, die jährlich in nationalen und internationalen Konflikten zum Opfer fallen, getötet von Bomben und Macheten, Hunger und Krankheit? Kein seriöser Kongress wird für sich in Anspruch nehmen, die Probleme der Welt lösen zu können.

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Dennoch, es gibt eine schleichende unsichtbare, nichtsdestotrotz aber wirksame Einflussnahme auf das Geschehen in der Welt, die weitgehend ohne politischen Aktivismus auskommt. Einen Menschen zu inspirieren und zu verändern bedeutet eine Kette von Inspirationen auszulösen: Jeder Einzelne, der über die Verfolgung eigener Bedürfnisse hinaus eine positive Kraft ausstrahlt, wird seinerseits weitere Menschen inspirieren. "A vital person vitalizes", wie es Campbell auf den Punkt brachte.

Mythic Journeys 2006 - Tagung der Joseph Campbell Foundation
Tagung der Joseph Campbell Foundation im Anschluss an die Mythic Journeys Konferenz

Mythic Journeys 2006 - Tagung der JCF - Robert Walter, Gerald McDermott
Robert Walter erklärt die Zukunft der JCF

Am besten fängt man damit gleich hier und jetzt an, egal wo man sich befindet, oder welcher Arbeit man nachgeht. Veranstaltungen wie die Mythic Journeys tragen jedoch dazu bei, unseren psychischen Energiehaushalt auszugleichen: Indem man sich mit Gleichgesinnten von allen Kontinenten trifft, um sich anschließend wieder in alle Winde zu zerstreuen, wird jedem Einzelnen erfahrbar, dass Helden trotz Gefahr und Einsamkeit im Grunde niemals allein sind. Denn andere sind vorausgegangen, und an vielen Orten der Welt finden vergleichbare Erfahrungen, Katastrophen und Verwandlungen statt:

 "Außerdem müssen wir das Abenteuer nicht einmal allein wagen, denn die Helden aller Zeiten sind uns vorausgegangen. Das Labyrinth ist bestens bekannt. Wir müssen nur dem Pfaden des Heldenpfades folgen, und wo wir gemeint hatten, einen Greuel zu finden, werden wir einen Gott finden. Und wo wir gemeint hatten, einen anderen zu erschlagen, werden wir uns selbst erschlagen. Wo wir gemeint hatten, nach außen zu fahren, werden wir in das Zentrum unseres eigenen Daseins gelangen. Und wo wir gemeint hatten, allein zu sein, werden wir mit der ganzen Welt sein." (Joseph Campbell in: Der Heros in tausend Gestalten).

Auf der Konferenz gab es zahlreiche Höhepunkte, die das harmonische Zusammenklingen des scheinbar Unvereinbaren mühelos zu belegen vermochten. Wenn etwa der Hindu-Arzt Deepak Chopra und der Rumi Experte Coleman Barks, musikalisch umrahmt von großartigen Musikern wie Fred Johnson und  Michael Fitzpatrick, wechselseitig Gedichte vortrugen, die aus ihrer jeweiligen Kultur hervorgegangen sind, und doch Universales berühren, dann wird die Bedeutung eines internationalen Austauschs im Sinne einer vergleichenden Kulturwissenschaft unmittelbar erfahren, ohne dass es vieler Worte bedürfte.

Nach außen zu gehen, kann ein wichtiger Anstoß für die Reise nach Innen sein, und um das Labyrinth besser kennenzulernen, können wir von einem Austausch mit denen profitieren, die es bereist haben oder immer noch darin unterwegs sind, ganz gleich, welche Sprache sie sprechen und welcher Bilder sie sich bedienen, und erst recht unabhängig davon, welche Bücher in ihrer Heimat als heilig oder maßgeblich angesehen werden. Denn letztlich klingen die Mythen und Kulturen der Menschheit, wie Campbell im Vorwort seines Hauptwerks Die Masken Gottes schrieb, zusammen, wie eine einzige große Symphonie. Man muss nur zu hören verstehen.

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Presenters bei den
Mythic Journeys 2006:

David Abram
Steve Aizenstat
David Anderson
Coleman Barks
Peter Beagle
Derek Beres
Michael Ben-Eli
Ari Berk
Charlie Bethel
Jean Shinoda Bolen
Andres Botran
Bill Bridges
Sal Brownfield
Duncan Campbell
Julia Tsitsi Chigamba
Deepak Chopra
Charles de Lint
William Doty
Carolyn Dunn
Jeff Dunn
Ekiwah
Emerald Rose
Heinz Insu Fenkl

James Flannery
Betty Sue Flowers
Honora Foah
Brian Froud
Wendy Froud
David Gonzalez
Michael Green
Andrew Greenberg
Mary Ann Harris
Lorin Hollander
Maren Tonder Hansen
Sharif Horthy
Chungliang Al Huang
Stu Jenks
William Todd Jones
Lynne Kaufman Daniel Kelly
Christopher Klaus
Sheri Kling
Ellen Kushner
Joseph Lee
Caitlin & John Matthews
Kristen McDermott
Michael Meade
O.R. Melling
Tim Murphy
Todd Murphy
Gertrud Mueller Nelson
Rabbi Yossi New
Laurie Patton
Allen Pittman
George Quasha
Arsenio Rodriguez
Gayle Ross
Cheryl Sanders-Sardello
Robert Sardello
Karen Shaffer
Anita Sharpe
Delia Sherman
Taije Silverman
Midori Snyder
Sobonfu Somé
David Spangler
Robert Swan
Three Weird Sisters
Terri Windling
Tom Blue Wolf
Charles Vess
Robert Walter
Sue Wootton

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