Die Mythological RoundTableTM
Gruppen
der Joseph Campbell Foundation

Mythologische Symbole mitten im Leben:
Maibaum auf dem Neuenheimer Marktplatz in Heidelberg |
Jede
RoundTable-Gruppe hat ihren eigenen Charakter, der geformt wird durch
die unterschiedlichen Interessen und Talente seiner Mitglieder. Es gibt,
abgesehen von einigen Minimalanforderungen, um als Mythological
RoundTable der Joseph Campbell Foundation zertifiziert zu werden,
kein verbindliches Programm und keine gemeinverbindlichen Vorgaben hinsichtlich
Form und Ablauf. Die
Idee des Mythological RoundTable ist an keine
spezifischen Ideologien gebunden. Kerngedanke ist vielmehr der freie
Austausch von Ideen und Erfahrungen unter Menschen, die sich für
Mythologie im Sinne von Joseph Campbell begeistern.
"Woher kommt
die Idee des RoundTable? Sie stammt aus Irland. Sie kennen das
Temperament der Iren - sie mögen einen Kampf, sie mögen einen richtig
guten Kampf, und da gibt es zum Beispiel diese Redeweise: Ist dies
ein privater Kampf, oder darf jeder mitmachen? Und jede Gelegenheit
wurde als Vorwand für einen Kampf benutzt. Und in den Banketthallen der
großen irischen Fürsten bestand eines der großen Probleme darin, wer
am Kopf des Tisches sitzt — Junge, lass uns damit aufhören, wir
nehmen einen runden Tisch. Sehen Sie? So kommt die Idee des runden
Tisches auf." (unveröffentlichter
Vortrag)
Die Symbolik des runden Tisches
Im Zusammenhang mit
der modernen westlichen Kultur, in der den Segnungen von Demokratie und
Wohlstand die Dürftigkeit von Rationalismus und Spaßgesellschaft
gegenüberstehen, verbindet sich mit dem Symbol des wüsten Landes ein
verbildeter und inauthentischer Zugang zu Leben und Kunst. Campbell
führte die geistige Krise des Abendlands zum Teil auf zwei
Entwicklungen zurück, welche weit in die Vergangenheit reichen: Zum
Einen die
Deutung von spirituellen Symbolen als historische Fakten, wie sie uns in
der Bibel begegnet, zum Anderen die westliche, auf Aristoteles zurückgehende
Betonung des Rationalen und Kategorisierbaren. Was zum einen positiv zu Wissenschaft und
Aufklärung führte, wurde mit einer Einbuße an mythisch-symbolischer Wirklichkeitserfahrung erkauft. So
betrachtet lassen sich die mittelalterlichen Gralsgeschichten auch als
ein Versuch verstehen, zu einem tieferen und harmonischeren Verhältnis
zwischen Mensch und Natur gelangen. Die Welt der Gegenwart wird
als ein verdorrtes Land beschrieben, das auf Erlösung wartet, welche
allein durch die Erfahrung des Gral verheißen wird. Warum, fragt
Campbell, machten sich die Heroen dieser im 12. Jahrhundert so beliebten
Erzählungen auf, um den Gral zu finden, wenn doch in jeder Kirche ohne
echtes eigenes Zutun das heilige Sakrament empfangen werden konnte? Die
Spaltung zwischen einer Kirche, welche die Gültigkeit der Sakramente
als unabhängig von der geistig-moralischen Verfassung ihrer
Repräsentanten verstand, und den Verfassern der Gralsgeschichten, die
mit ihrer Betonung des Wertes authentischer Erfahrung einer Dogmatisierung des
Mysteriums entgegentraten, ist es, was die Menschen der Gegenwart mit denen des 12.
Jahrhunderts verbindet. Dem Gral als
heiligem Gefäß wohnt die gleiche Symbolkraft inne, die auch dem keltischen
Wunderkessel oder dem Kelch des Abendmahls eigen ist: Verweisend auf den Ursprung
allen Seins, den namenlosen Abgrund der Transzendenz, dem die Welt
aus Zeit und Raum entströmt, eignet er sich als Meditationsobjekt, das
für die Absolutheit unseres wahren Seins steht: Gral, Axis Mundi, Nabe
des Rades - eine komplexe Symbolik verweist auf jenes wandellose
Mysterium, das hinter den schattenhaften Erscheinungen der
Erfahrungswelt steht. Allein jenes Bewusstsein, das sich im Ruhepunkt
der Ewigkeit geborgen weiß, vermag es, Leid und Sterblichkeit nicht zu
verdrängen, sondern zu akzeptieren — in der Erkenntnis, das die
Welt der Erscheinungen nicht letzte Wirklichkeit ist, jene jedoch gerade
in diesen zum Ausdruck kommt. Alles ist heilig.
Der Gral gehört somit zu den zentralen Symbolen des
Mythos, denen das Potential einer Versöhnung von Lebenswelt und
Transzendenz, von Mensch und Natur innewohnt. Zugleich entzieht sich
seine Bedeutung, gleich der aller mythischen Symbole, einer allzu starren
Festschreibung. Wir kaum ein anderes Bild eignet sich das des Grals als Projektionsfläche
für die verschiedenartigen Motive und Vorstellungen unserer
RoundTable-Teilnehmer, von denen jeder seine eigenen Ziele und Motive
verfolgt, ohne sich einem wie auch immer gearteten Programm oder gar
einer Ideologie unterwerfen zu wollen.
Der Heidelberg RoundTable

Bob (JCF Präsident Robert Walter, zweiter von
rechts) mit Mitgliedern des Heidelberg RoundTable auf dem
Neuenheimer Markt |
Der
Heidelberg RoundTable trifft sich einmal pro Monat (in der Regel an
einem Freitagabend),
um Filme zu sehen, Texte zu diskutieren, Musik zu hören (und die ein
oder andere Flasche Rotwein zu leeren). Als roter Faden dient uns dabei die
Frage nach der Relevanz von Symbolen aus Mythologie und Religion für
die heutige Zeit. Basierend auf der mythologischen Forschung von Autoren
wie Joseph Campbell, Mircea Eliade, C. G. Jung und
Heinrich Zimmer,
versuchen wir, die großen Symbole und Metaphern der Vergangenheit
wiederzubeleben. Spirituell,
intellektuell und symbolisch leben wir in einer Situation, die jener der
Gralsgeschichten, wie sie etwa in Wolfram von Eschenbachs Parzival
erzählt wird, vergleichbar ist. Daher kommen wir, ganz gleich, ob wir
uns aktuell mit zeitgenössischer oder vorgeschichtlicher Kunst, mit Ulysses
oder der Unendlichen Geschichte beschäftigen, in unregelmäßigen
Abständen immer wieder auf die Thematik des Gral und des wüsten
Landes zurück.
Was das wüste Land bedeutet, ist uns vertraut: Dazu gehört u. a.
ein verbildeter und inauthentischer Umgangs mit Kunst, Leben und
Symbolen. Worin hingegen das Geheimnis des Gral liegt, mag jeder
Teilnehmer für sich selbst entscheiden.
Fragen zu Joseph Campbell, den Mythological RoundTables und
dem Heidelberg RoundTable beantworten wir gerne telefonisch,
postalisch oder ganz einfach per E-Mail. Auch haben wir nichts gegen Unterstützung bei der Gestaltung dieser Website — und
begrüßen jederzeit gerne neue Mitglieder. Wir freuen uns über euer Feedback!
Die
Joseph Campbell
Foundation
Heidelberg
ist weit weg? Warum nicht einen eigenen RoundTable gründen? Keine
Zeit? Dafür gibt es das Internet! Im deutschsprachigen Forum der Joseph Campbell
Foundation könnt Ihr alle Themen rund um Mythologie, Symbolik,
Naturwissenschaft, Mystik, Kunst, Psychologie (und vieles mehr)
diskutieren. Dabei lernt ihr Gleichgesinnte aus dem gesamten deutschen
Sprachraum kennen. Das reicht
nicht? In den englischsprachigen
Foren habt Ihr die Möglichkeit, euch mit Leuten aus aller Welt
auszutauschen! Um ein Mitglied (Associate)
der
Joseph Campbell Foundation zu werden, braucht Ihr lediglich ein
Online-Formular auszufüllen, das der Foundation als Rückmeldung dient,
wieviele Menschen welcher Herkunft ihre Website besuchen. Als Mitglied
könnt Ihr Texte, Audio- und Videodateien herunterladen und an den
Online-Diskussionen teilnehmen.
Unter www.jcf.org,
der offiziellen Website der Joseph Campbell Foundation, findet
Ihr im
frei zugänglichen Bereich umfassende Informationen in englischer
Sprache. Um das Forum, Downloadseite etc. nutzen zu können, müsst ihr
euch jedoch anmelden. Die Mitgliedschaft ist kostenlos und verpflichtet zu nichts.
Es handelt sich um eine gemeinnützige Stiftung, die keine
wirtschaftlichen Interessen folgt, sondern versucht, das
Lebenswerk von Joseph Campbell möglichst vielen Menschen
zugänglich zu machen. Themen
des
Heidelberg RoundTable (Auswahl):
Transformation in Märchen und
Mythen
Veranstaltung im Hof der Burgruine Stolzeneck
(mit Geschichtenerzählerin Erika Deiters, Hamburg)
The Symbol Unmoored
Vortrag im Rahmen des Symposiums Kunst und Symbol
(mit JCF Präsident Robert Walter, Kalifornien)
Helden für ein Leben
(mit Biografie-Berater und info3-Autor Walter Seyffer)
Spiritualität der Frühromantik
Geheimes Deutschland — ein Film von Rüdiger Sünner
(mit Martin Weyers)
Tarot als Einweihungweg
Die große Arkana des Tarot de Marseille
(mit Jeremy Kemp)
Auf der Suche nach
der Mitte
Psychologie der Heldenreise
(mit Martin Weyers)
Krise des Mythos - Krise des Menschen
(mit Martin Weyers)
Myth and Music
(mit Rebecca Armstrong, Chicago)
Es
war einmal: Hier und heute
Jean
Cocteau: La Belle et la Bête
(mit Martin Weyers)
Die dunkle Nacht der Seele
des Johannes vom Kreuz
(mit Martin Weyers)
Zufall
und Schicksal als Gestaltungsmacht
Tom Tykwers Der Krieger und die Kaiserin
(mit Martin Weyers)
Kunst und Symbol
Symposium im Deutsch-amerikanischen Institut (dai), Heidelberg
(organisiert von Mitgliedern des Heidelberg RoundTable)
Wolfram
von Eschenbachs Parzival
(mit Jeremy Kemp)
Mystik
in Ost und West
(mit Martin Weyers)
Zwischen Religion
und Aufklärung
Robert Wilsons La Mort de Molière
(mit Martin Weyers)
Augsburger
Puppenkiste: Don Blech und der goldene Junker
(mit Martin Weyers)
James
Joyce: Ulysses
(mit Connor John Fitzsimons)
Hamlet,
der scheiternde Held
Mit Hamlet-Darsteller Oliver Stahlheber
Ursprünge
des Monotheismus
(mit der Kunsthistorikerin und Ägyptologin Maria Lucia Weigel)
Zyklen der Zeit
Philip Glass: Akhnaten
(mit Martin Weyers und
Maria Weigel)
Chronist des
Terrors
War Photographer James Nachtwey
(mit Martin Weyers)
C. G.
Jung und die Entdeckung des Unbewußten
(mit Martin Weyers)
Beständigkeit & Verwandlung
Archetypen & "Völkerideen"
(mit Martin Weyers)
"Dunkelheit verhüllt"
Carl Orffs Der Mond
(mit Martin Weyers)
Das Mysterium von Zeit
und Zeitlosigkeit
Ewigkeit als eine "Dimension des Hier und Jetzt"
(mit Martin Weyers)
Lay
around and love on you
Ray Charles und die Kunst des Minnesangs
(mit Martin Weyers)
Wüstengötter
Thomas Manns Joseph und seine Brüder
(mit Martin Weyers)
Eleonore von Aquitanien
und die Kultur der Troubadour
(mit Martin Weyers)
"... und dahinter die Unendlichkeit"
Stanley Kubrick's 2001 — A Space Odyssee
(mit Martin Weyers)
Schamanismus
und die Entdeckung von LSD
(Mit Jeremy Kemp)
Mythologie im "Space Age"
Joseph Campbell's The Inner Reaches of Outer Space
(mit Martin Weyers)
Mythologie als eine "Symphonie der Menschheit"
Philip Glass’ Symphony No. 5 (Choral)
(mit Martin Weyers)
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