"In der Geschichte
von Sir Galahad
stimmen die Ritter überein, sich auf eine Suche
zu begeben,
jedoch, es für ehrlos haltend in einer Gruppe auszureiten, betrat
'jeder den Wald an diesem oder jenem Punkt,
dort wo er ihnen am dichtesten erschien,
jeder jedoch
an solchen Plätzen,
wo sie keinen
Weg oder Pfad vorfanden."

Joseph Campbell, Reflections on the Art of Living (zitierend aus: Anonymus, La Queste del Saint Graal)

Mythological RoundTable® Gruppe Heidelberg

In circa 50 Mythological RoundTable® Gruppen weltweit treffen sich Mitglieder der Joseph Campbell Foundation und andere Mythologie-Interessierte, um die Symbole des Mythos nicht nur zu studieren, sondern lebendig zu halten und in den Alltag des 21. Jahrhunderts weiterzutragen.

Ein wenig vielleicht so, wie sich auch die Artusritter zur legendären Tafelrunde versammelten, um auf ihrer individuellen Reise einen Moment innezuhalten und Geschichten auszutauschen. Denn um ein Abenteuer auf würdige Weise zu bestehen, reicht es nicht, mit Schwert und Schild — aktiver und passiver Rüstung — ausgestattet zu sein; Als viel bedeutsamer noch ist die Erkenntnis der ureigensten persönlichen Aufgabe anzusehen, sowie die Entwicklung eines angemessenen Bewusstseins, um unsere Fähigkeiten in den Dienst dieser Aufgabe zu stellen, anstatt letztlich doch nur unter dem Vorwand der Selbstverwirklichung egoistische Motive zu verfolgen. Von besonderem Nutzen ist dabei die Symbolik mythologischer Erzählungen. Die Charaktere und Situationen der Mythen zeigen modellhaft Wege auf, um Probleme zu meistern, und ermöglichen uns somit, auf unserer Reise auch geistig gewappnet zu sein.

 

Die Mythological RoundTable® Gruppen
der
Joseph Campbell Foundation

Mythologische Symbole mitten im Leben: Maibaum auf dem Neuenheimer Marktplatz in Heidelberg
Mythologische Symbole mitten im Leben:
Maibaum auf dem Neuenheimer Marktplatz in Heidelberg

Jede RoundTable-Gruppe hat ihren eigenen Charakter, der geformt wird durch die unterschiedlichen Interessen und Talente seiner Mitglieder. Es gibt, abgesehen von einigen Minimalanforderungen, um als Mythological RoundTable® Gruppe der Joseph Campbell Foundation zertifiziert zu werden, kein verbindliches Programm und keine gemeinverbindlichen Vorgaben hinsichtlich Form und Ablauf. Die Idee des Mythological RoundTable ist an keine spezifischen Ideologien gebunden. Kerngedanke ist vielmehr der freie Austausch von Ideen und Erfahrungen unter Menschen, die sich für Mythologie im Sinne von Joseph Campbell begeistern. 

"Woher kommt die Idee des RoundTable? Sie stammt aus Irland. Sie kennen das Temperament der Iren - sie mögen einen Kampf, sie mögen einen richtig guten Kampf, und da gibt es zum Beispiel diese Redeweise: Ist dies ein privater Kampf, oder darf jeder mitmachen? Und jede Gelegenheit wurde als Vorwand für einen Kampf benutzt. Und in den Banketthallen der großen irischen Fürsten bestand eines der großen Probleme darin, wer am Kopf des Tisches sitzt Junge, lass uns damit aufhören, wir nehmen einen runden Tisch. Sehen Sie? So kommt die Idee des runden Tisches auf." (unveröffentlichter Vortrag)

 

Die Symbolik des runden Tisches

Im Zusammenhang mit der modernen westlichen Kultur, in der den Segnungen von Demokratie und Wohlstand die Dürftigkeit von Rationalismus und Spaßgesellschaft gegenüberstehen, verbindet sich mit dem Symbol des wüsten Landes ein verbildeter und inauthentischer Zugang zu Leben und Kunst. Campbell führte die geistige Krise des Abendlands zum Teil auf zwei Entwicklungen zurück, welche weit in die Vergangenheit reichen: Zum Einen die Deutung von spirituellen Symbolen als historische Fakten, wie sie uns in der Bibel begegnet, zum Anderen die westliche, auf Aristoteles zurückgehende Betonung des Rationalen und Kategorisierbaren. Was zum einen positiv zu Wissenschaft und Aufklärung führte, wurde mit einer Einbuße an mythisch-symbolischer Wirklichkeitserfahrung erkauft. 

So betrachtet lassen sich die mittelalterlichen Gralsgeschichten auch als ein Versuch verstehen, zu einem tieferen und harmonischeren Verhältnis zwischen Mensch und Natur gelangen. Die Welt der Gegenwart wird als ein verdorrtes Land beschrieben, das auf Erlösung wartet, welche allein durch die Erfahrung des Gral verheißen wird. 

Warum, fragt Campbell, machten sich die Heroen dieser im 12. Jahrhundert so beliebten Erzählungen auf, um den Gral zu finden, wenn doch in jeder Kirche ohne echtes eigenes Zutun das heilige Sakrament empfangen werden konnte? Die Spaltung zwischen einer Kirche, welche die Gültigkeit der Sakramente als unabhängig von der geistig-moralischen Verfassung ihrer Repräsentanten verstand, und den Verfassern der Gralsgeschichten, die mit ihrer Betonung des Wertes authentischer Erfahrung einer Dogmatisierung des Mysteriums entgegentraten, ist es, was die Menschen der Gegenwart mit denen des 12. Jahrhunderts verbindet. 

Dem Gral als heiligem Gefäß wohnt die gleiche Symbolkraft inne, die auch dem keltischen Wunderkessel oder dem Kelch des Abendmahls eigen ist: Verweisend auf den Ursprung allen Seins, den namenlosen Abgrund der Transzendenz, dem die Welt aus Zeit und Raum entströmt, eignet er sich als Meditationsobjekt, das für die Absolutheit unseres wahren Seins steht: Gral, Axis Mundi, Nabe des Rades - eine komplexe Symbolik verweist auf jenes wandellose Mysterium, das hinter den schattenhaften Erscheinungen der Erfahrungswelt steht. Allein jenes Bewusstsein, das sich im Ruhepunkt der Ewigkeit geborgen weiß, vermag es, Leid und Sterblichkeit nicht zu verdrängen, sondern zu akzeptieren in der Erkenntnis, das die Welt der Erscheinungen nicht letzte Wirklichkeit ist, jene jedoch gerade in diesen zum Ausdruck kommt. Alles ist heilig.

Der Gral gehört somit zu den zentralen Symbolen des Mythos, denen das Potential einer Versöhnung von Lebenswelt und Transzendenz, von Mensch und Natur innewohnt. Zugleich entzieht sich seine Bedeutung, gleich der aller mythischen Symbole, einer allzu starren Festschreibung. Wir kaum ein anderes Bild eignet sich das des Grals als Projektionsfläche für die verschiedenartigen Motive und Vorstellungen unserer RoundTable-Teilnehmer, von denen jeder seine eigenen Ziele und Motive verfolgt, ohne sich einem wie auch immer gearteten Programm oder gar einer Ideologie unterwerfen zu wollen.  

 

Die Mythological RoundTable® Gruppe Heidelberg


Bob (JCF Präsident Robert Walter, zweiter von rechts) mit Mitgliedern des Heidelberg RoundTable auf dem Neuenheimer Markt

Unsere Heidelberger MRT-Gruppe trifft sich in der Regel einmal pro Monatan einem Freitagabend in Ludwigshafen am Rhein oder Heidelberg, um Filme zu sehen, Texte zu diskutieren, Musik zu hören (und die ein oder andere Flasche Rotwein zu leeren). Als roter Faden dient uns dabei die Frage nach der Relevanz von Symbolen aus Mythologie und Religion für die heutige Zeit. Basierend auf der mythologischen Forschung von Autoren wie Joseph Campbell, Mircea Eliade, C. G. Jung und Heinrich Zimmer, versuchen wir, die großen Symbole und Metaphern der Vergangenheit wiederzubeleben. 

Spirituell, intellektuell und symbolisch leben wir in einer Situation, die jener der Gralsgeschichten, wie sie etwa in Wolfram von Eschenbachs Parzival erzählt wird, vergleichbar ist. Daher kommen wir, ganz gleich, ob wir uns aktuell mit zeitgenössischer oder vorgeschichtlicher Kunst, mit Ulysses oder der Unendlichen Geschichte beschäftigen, in unregelmäßigen Abständen immer wieder auf die Thematik des Gral und des wüsten Landes zurück.

Was das wüste Land bedeutet, ist uns vertraut: Dazu gehört u. a. ein verbildeter und inauthentischer Umgangs mit Kunst, Leben und Symbolen. Worin hingegen das Geheimnis des Gral liegt, mag jeder Teilnehmer für sich selbst entscheiden.

Fragen zu Joseph Campbell, zu den Mythological RoundTable® (MRT) Gruppen und dem Heidelberg MRT beantworten wir gerne telefonisch, postalisch oder ganz einfach per E-Mail. Auch haben wir nichts gegen Unterstützung bei der Gestaltung dieser Website und begrüßen jederzeit gerne neue Mitglieder. Wir freuen uns über euer Feedback!

Die Joseph Campbell Foundation

Heidelberg, Essen, Berlin (deutsch), Berlin (englisch) und München sind weit weg? Warum nicht eine eigene Gruppe gründen?

Keine Zeit? Dafür gibt es das Internet! Im deutschsprachigen Forum der Joseph Campbell Foundation könnt Ihr alle Themen rund um Mythologie, Symbolik, Naturwissenschaft, Mystik, Kunst, Psychologie (und vieles mehr) diskutieren. Dabei lernt ihr Gleichgesinnte aus dem gesamten deutschen Sprachraum kennen.

Das reicht nicht? In den englischsprachigen Foren habt Ihr die Möglichkeit, euch mit Leuten aus aller Welt auszutauschen!

Um ein Mitglied (Associate) der Joseph Campbell Foundation zu werden, braucht Ihr lediglich ein Online-Formular auszufüllen, das der Foundation als Rückmeldung dient, wieviele Menschen welcher Herkunft ihre Website besuchen. Als Mitglied könnt Ihr Texte, Audio- und Videodateien herunterladen und an den Online-Diskussionen teilnehmen. 

Unter www.jcf.org, der offiziellen Website der Joseph Campbell Foundation, findet Ihr im frei zugänglichen Bereich umfassende Informationen in englischer Sprache. Um das Forum, Downloadseite etc. nutzen zu können, müsst ihr euch jedoch anmelden. Die Mitgliedschaft ist kostenlos und verpflichtet zu nichts. Es handelt sich um eine gemeinnützige Stiftung, die keine wirtschaftlichen Interessen folgt, sondern versucht, das Lebenswerk von Joseph Campbell möglichst vielen Menschen zugänglich zu machen.

Themen der Mythological RoundTable® Gruppe Heidelberg (Auswahl):

Transformation in Märchen und Mythen
Veranstaltung im Hof der Burgruine Stolzeneck
(mit Geschichtenerzählerin Erika Deiters
, Hamburg)

The Symbol Unmoored
Vortrag im Rahmen des Symposiums Kunst und Symbol
(mit JCF Präsident Robert Walter, Kalifornien)

Helden für ein Leben
(mit Biografie-Berater und info3-Autor Walter Seyffer)

Spiritualität der Frühromantik
Geheimes Deutschland — ein Film von Rüdiger Sünner

(mit Martin Weyers)

Tarot als Einweihungweg
Die große Arkana des Tarot de Marseille
(mit Jeremy Kemp)

Auf der Suche nach der Mitte
Psychologie der Heldenreise
(mit Martin Weyers)

Krise des Mythos - Krise des Menschen
(mit Martin Weyers)

Myth and Music
(mit Rebecca Armstrong, Chicago)

Es war einmal: Hier und heute
Jean Cocteau: La Belle et la Bête
(mit Martin Weyers)

Die dunkle Nacht der Seele des Johannes vom Kreuz
(mit Martin Weyers)

Zufall und Schicksal als Gestaltungsmacht
Tom Tykwers Der Krieger und die Kaiserin
(mit Martin Weyers)

Kunst und Symbol
Symposium im Deutsch-amerikanischen Institut (dai), Heidelberg
(organisiert von Mitgliedern des Heidelberg RoundTable)

Wolfram von Eschenbachs Parzival
(mit Jeremy Kemp)

Mystik in Ost und West
(mit Martin Weyers)

Zwischen Religion und Aufklärung
Robert Wilsons La Mort de Molière
(mit Martin Weyers)

Augsburger Puppenkiste: Don Blech und der goldene Junker
(mit Martin Weyers)

James Joyce: Ulysses
(mit Connor John Fitzsimons)

Hamlet, der scheiternde Held
Mit Hamlet-Darsteller Oliver Stahlheber

Ursprünge des Monotheismus
(mit der Kunsthistorikerin und Ägyptologin Maria Lucia Weigel)

Zyklen der Zeit
Philip Glass: Akhnaten
(mit Martin Weyers und Maria Weigel)

Chronist des Terrors
War Photographer James Nachtwey
(mit Martin Weyers)

C. G. Jung und die Entdeckung des Unbewußten
(mit Martin Weyers)

Beständigkeit & Verwandlung
Archetypen & "Völkerideen"
(mit Martin Weyers)

"Dunkelheit verhüllt"
Carl Orffs Der Mond
(mit Martin Weyers)

Das Mysterium von Zeit und Zeitlosigkeit
Ewigkeit als eine "Dimension des Hier und Jetzt"
(mit Martin Weyers)

Lay around and love on you
Ray Charles und die Kunst des Minnesangs
(mit Martin Weyers)

Wüstengötter
Thomas Manns Joseph und seine Brüder
(mit Martin Weyers)

Eleonore von Aquitanien und die Kultur der Troubadour
(mit Martin Weyers)

"... und dahinter die Unendlichkeit"
Stanley Kubrick
's 2001 — A Space Odyssee
(mit Martin Weyers)

Schamanismus und die Entdeckung von LSD
(Mit Jeremy Kemp)

Mythologie im "Space Age"
Joseph Campbell's The Inner Reaches of Outer Space
(mit Martin Weyers)

Mythologie als eine "Symphonie der Menschheit"
Philip Glass’ Symphony No. 5 (Choral)
(mit Martin Weyers)

 

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