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Indien ~
"Himmel und Hölle sind in uns, und alle Götter sind in uns. Das
ist die große Erkenntnis der Upanischaden Indiens im neunten
Jahrhundert v. Chr. Alle Götter, alle Himmel, alle Welten sind in uns.
Sie sind vergrößerte Träume, und Träume sind Manifestationen der
miteinander im Streit liegenden Leibesenergien in bildlicher Form. Genau
das ist der Mythos. Der Mythos ist eine Manifestation der Energien der
miteinander im Streit liegenden Leibesorgane in symbolischen Bildern,
in metaphorischen Bildern. Ein Organ will dies, ein anderes will das.
Das Gehirn ist eines der Organe."
(Joseph
Campbell, Die Kraft der Mythen)
Es liegt einige Ironie darin, wie
Campbell einmal feststellte, dass
gerade der Hinduismus, als eine stark sozial gesteuerte Religion,
Elemente enthält, die sich in besonderer Weise für eine zeitgemäße
mythologische Deutung eignen. Diese Möglichkeit eröffnet sich jedoch
erst, sobald man bereit ist, die Gottheiten, von denen der hinduistische
Mythos erzählt nicht als faktische Wesen zu begreifen, sondern als
bildhafte Darstellungen von Naturkräften.
Die Grundzüge einer solchen
mystisch-psychologischen Sichtweise findet sich in den Upanischaden. Tat
tvam asi (Das bist Du) lautet eine der zentralen Aussagen in der
Chandogya-Upanischade. Wir sind mehr, als wir glauben. Jenseits unseres
Ego, unserer Vorstellung und unseres Wissens von uns selbst, liegt unser
eigentliches Selbst. Es ist identisch mit dem Universum, denn was wir als
Ich erfahren ist lediglich eine für Leben und Überleben nützliche
Konstruktion unseres Verstandes.
Transzendenz finden wir nicht in
Tempeln und heiligen Schriften, die nur Hilfsmittel geistiger Reifung
darstellen. Das Eigentliche finden wir in uns selbst, wenn wir nur lange
genug in uns hineinschauen. Mythen können dabei hilfreich sein, wenn
sie nicht als historisch wahre oder falsche Sammlungen von faktischen
Behauptungen gedeutet werden, sondern als Spiegel der Seele.
Eine solche mystisch-psychologische Deutungsweise ist in der Neuzeit von C.G. Jung
ausgearbeitet worden. Vor ihm war bereits Schopenhauer auf einer
ähnlichen Spur, der in den Upanischaden eine seiner eigenen Philosophie
wesensverwandte Geistesströmung erkannte.
Wir stehen im Westen somit erst am Anfang der
Entdeckung unserer Innenwelt. Die Mystik ist hier heute populärer als
jemals zuvor. An zahlreichen Orten wird versucht, die östlichen Lehren
für den abendländischen Menschen nutzbar zu machen. Als Inspiration
gehören die heiligen Texte der Brahmans zu den Perlen der
Weltliteratur. In ihnen erwacht der menschliche Geist zur Reife, indem
er sich nicht länger abergläubisch einer äußeren Gottheit, sondern
den Tiefen der eigenen Innenwelt zu wendet. Und so konnte Campbell, enttäuscht von einer historisch
ausgerichteten katholischen Theologie sagen: "Was mich rettete, waren die Upanischaden."
(The
Hero's Journey)
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Quellen und weiterführende Literatur:
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Die Kraft der Mythen
~
Das
bis Du
~ Myths of Light. Metaphors of the
Eternal
~ Baksheesh and Brahman. Asian
Journals — India
~ The Hero's Journey. Joseph
Campbell on his Life and Work
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