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Kleine
Joseph Campbell
Enzyklopädie
Mythologie einmal
anders: Nicht von A wie Armageddon bis Z wie Zeus, sondern
von Alter über Göttin und Traum bis Zukunft.
Dem Mythologen Joseph Campbell war es ein lebenslanges Anliegen, die
Symbole der Mythen und Religionen nicht den Theologen und
Altertumsforschern allein zu überlassen, sondern im Hier und Heute erfahrbar
zu machen.
Die
Texte unter den einzelnen Stichworten wollen kein lexikalisches
Basiswissen liefern, sondern verstehen sich als "interaktive" Einführung in
das Denken von Joseph Campbell.
Abendland
Alter
Bewusstsein
Bücher
Buddha
Computer
Dualismus
Dürckheim,
Karlfried
Eckhart,
Meister
Ewigkeit
Frauen
Furcht
Geld
Goethe,
Johann Wolfgang von
Göttin
Gott
Gral
Heldenreise
Indien
Jesus
Joyce,
James
Jung,
C. G.
Katastrophen
Kathedralen
Kindheit
Kitsch
Kunst
Künstler
Leben
Mann,
Thomas
Maya
Mitleid
Monotheismus
Musik
Mystik
Mythologie
Natur
Raumfahrt
Religion
Rituale
Schamanismus
Sinn
Sport
Stille
Symbole
Tod
Transzendenz
Traum
Wissenschaft
Wolfram
von Eschenbach
Zeitungen
Zen
Zimmer,
Heinrich
Zukunft
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"Was der Mythos für Sie leistet,
besteht darin, über die phenomenale Welt
hinweg auf das
Transzendente
zu verweisen. Eine mythische Figur
ist wie ein Kompass, mit einem Bein
im Feld der Zeit, und mit dem anderen
im Ewigen. Das Bild eines
Gottes
mag aussehen wie eine menschliche
oder tierische Gestalt,
aber es bezieht sich
auf etwas, das diese durchdringt."
Joseph Campbell, Pathways of Bliss
"Ewigkeit
ist keine lange Zeit;
Eher handelt es sich um eine andere
Dimension. Es ist diese
Dimension,
von der uns das Zeitdenken ausschließt. Und so hat es nie eine
Schöpfung gegeben. Vielmehr findet ein kontinuierliches Erschaffen statt.
Diese Energie strömt
in
jede Zelle unseres Daseins,
eben jetzt
gerade,
in jede Wand und jeden Ziegel
des Gebäudes in dem wir uns aufhalten,
in jedes Sandkorn und jede Windböe."
Joseph
Campbell,
Myths of Light
"Das
ewige Prinzip, das niemals geboren wurde, niemals sterben wird:
Es ist in allen Dingen, es ist in Ihnen, eben jetzt gerade.
Sie sind eine Welle auf der Oberfläche des Ozeans. Wenn die
Welle vergangen ist,
ist etwa das Wasser vergangen?
Ist irgendetwas geschehen?
Nichts ist geschehen.
Es ist ein Spiel, ein Tanz."
Joseph Campbell,
Baksheesh & Brahman
"Ewigkeit
ist weder Zukunft
noch Vergangenheit.
Ewigkeit ist eine
Dimension des Jetzt.
Es handelt sich um eine Dimension
des menschlichen
Geistes
- der ewig ist. Finden Sie diese Dimension
in Ihnen selbst und Sie werden
förmlich durch die Zeit reiten,
und zwar den ganzen
Tag lang." Joseph
Campbell, Pathways of Bliss "In
Japan gelten alle Dinge
als Buddha-Dinge. Alle Dinge sind
in sich selbst wirklich. Der flüssige Aspekt
der Unbeständigkeit ist selbst
der absolute Zustand."
Joseph Campbell, Sake &
Satori
"Mach
deinen Gott transparent
für die Transzendenz, und es spielt
keine Rolle, wie sein Name lautet."
Joseph Campbell, Pathways of Bliss
"Metaphern
scheinen nur die äußere Welt
aus Zeit und Raum zu beschreiben.
Ihr wirkliches Universum ist
der spirituelle Bereich des inneren Lebens.
Das Königreich Gottes ist in Ihnen."
Joseph Campbell,
Thou Art That
"So
wie sie von den Astronauten
vom Mond aus gesehen wird,
fehlen der Erde die Linien
soziopolitischer Abtrennung,
die auf Landkarten so prominent
erscheinen. Und so wie es hier unten
aussieht, ist das Netz verflochtener
sozioökonomischer Wechselwirkungen,
das nun den Planeten umfasst,
von ein und demselben Leben.
Alles was nötig ist, ist ein allgemeiner
Wandel der Sichtweise,
um mit diesen zeitgenössischen
Fakten in Einklang zu kommen."
Joseph Campbell, The Inner
Reaches
of Outer Space
"Wir befinden uns in einem
freien Fall
in die Zukunft. Wir wissen nicht,
wohin wir gehen. Die Dinge ändern
sich zu schnell. Und wie immer,
wenn man durch einen langen Tunnel geht,
macht sich Angst breit.
Alles was Sie zu tun haben,
um Ihre Hölle in ein Paradies
zu verwandeln, ist, Ihr Fallen
in einen Willensakt zu verwandeln.
Ich meine, dabei handelt es sich
um einen sehr interessanten
Perspektivwechsel, und das ist schon alles.
Freudvolle Teilnahme
an den Sorgen [der Welt],
und alles ändert sich."
Joseph Campbell,
Sukhavati - Place of Bliss
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"Mythologien werden nicht
erfunden;
sie werden gefunden.
Sie können genausowenig vorhersagen,
wie Ihr Traum heute Nacht aussehen wird,
wie man einen Mythos erfinden kann.
Mythen kommen aus dem mystischen
Bereich wesenhafter Erfahrung." Joseph
Campbell, Myths of Light
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Wozu Symbole und Mythologie?
Unter
Mythologie
verstehen die meisten heute Göttergeschichten,
das heißt Geschichten mit deren Hilfe sich die Menschen in grauer
Vorzeit die Kräfte der Natur
zu erklären
versuchten. Mythologie als ein Relikt aus vorrationaler Zeit zu
deuten, das dem modernen rationalen Weltbild oder dem der
Weltreligionen unterlegen ist, bedeutet jedoch gründlich
misszuverstehen,
was sich hinter der Symbolwelt der Mythen verbirgt.
Mythologie ist eine Bildsprache der Seele.
Mehr
noch als äußere Beobachtungen spiegeln sich in Mythen die Kräfte
unserer Psyche. Mythen sind Spiegelbilder der Seele, in denen
psychische und, tiefer noch, metaphysische Wirklichkeiten Ausdruck finden,
die uns normalerweise verschlossen bleiben. Die Symbole
der
Mythen wollen nicht rational gedeutet werden. Sie liefern keine
Ideologien, obgleich sie als Ideologien missbraucht werden können.
Sie sind nicht irrational, obwohl sie faktisch zu deuten ein
Ausdruck von Aberglaube wäre. Sie als historische Wahrheiten
anzusehen bedeutet Aberglauben. Sie selbst als Aberglauben abzutun
führt zu Rationalismus, und damit zu einer eingeschränkten
Weltsicht, in der nur Platz für das Logische, Messbare, Prüfbare
ist. Ihre Wahrheiten sind subtiler Natur.
Als
innere Wahrheiten verstanden, öffnen sich in den Sinnbildern der
Mythologie Wahrheiten, die weit über unser gewöhnliches
Verstehen hinausgehen. Begegnet man diesen Sinnbildern mit
kontemplativer und assoziativ offener Haltung, anstatt sie
rational deuten und damit fixieren zu wollen, so führen sie uns
in einen Bereich, der jenseits begrifflichen Verständnisses
liegt. Versteht man Gott,
Götter und Dämonen als Metaphern für ein nicht verbal
erfassbares transzendentes Geheimnis hinter den sichtbaren Dingen,
dann eröffnet sich in ihnen ein Weg zu einem umfassenden, die
vorgegebenen Denkstrukturen unseres Gehirns transzendierenden
Weltsicht.
Der
Weg des mythischen Denkens führt letztlich zu einer universellen
spirituellen Welterfahrung, die der des bilderlosen Weges der
Mystik
nahesteht und mit dem modernen Weltbild der
Naturwissenschaften durchaus vereinbar ist.
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Wer war Joseph Campbell?
Zahlreiche
Gelehrte des zwanzigsten und ausgehenden neunzehnten Jahrhunderts
haben dazu beigetragen, in den Symbolen des Mythos innere
Wahrheiten zu erblicken, anstatt sie als primitive
vorwissenschaftliche Weltbilder fehlzudeuten. Dazu gehören
Autoren wie der Psychologe Carl
Gustav Jung,
der Religionswissenschaftler
Mircea Eliade, der Indologe Heinrich
Zimmer
und der Amerikaner Joseph Campbell, der als vergleichender
Mythologe seine Aufgabe und Berufung vor allem darin sah,
Gemeinsamkeiten und archetypische Parallelen in den Mythologien
und Religionen der Welt aufzuspüren, die uns weit hinter die
lokalen Glaubensformen führen. Letztere begriff
Campbell als kulturell bedingte Ausdrucksformen ein und derselben
psychologischen und metaphysischen Wahrheit.
Der
Mythenforscher Joseph Campbell, in den USA durch die Fernsehreihe Joseph
Campbell and the Power of Myth längst einem Millionenpublikum
bekannt, hat im deutschen Sprachraum noch nicht die ihm gebührende
Anerkennung erfahren. Seine Arbeit im Bereich der vergleichenden
Mythologie erhebt ihn in den Rang eines Mircea Eliade, wenngleich
sich Campbell von dem berühmten Religionswissenschaftler durch
einen persönlicheren Stil und einem zuweilen eher künstlerischen
Umgang mit den Symbolen des Mythos unterscheidet. Campbells Ansatz
ist zugleich universaler und gegenwartsbezogener, indem er
naturwissenschaftliche Erkenntnisse sowie Kunst und Literatur des
zwanzigsten Jahrhunderts (James Joyce,
Thomas Mann) einbezieht, um die
Gegenwärtigkeit der Kraft des Mythos auch in unserer Zeit
aufzuzeigen und ihrer Wirksamkeit zu erhöhen.
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Tiefenpsychologie:
"alle
Götter in uns"
...
lautet ein Kapitel von Heinrich Zimmers' Philosophie und
Religion Indiens. Der Indologe Zimmer, dessen Maßstäbe
setzende Werke aus dem Nachlass von Campbell herausgegeben wurden,
gehört zu den wichtigen Inspirationen des amerikanischen
Mythenforschers. Darüberhinaus angeregt durch die Studien eines
C. G. Jung, aber auch beeinflusst durch die Werke von James
Joyce
und Thomas
Mann,
entwickelte Campbell eine zeitgemäße Mytheninterpretation, die
sich vor allem an tiefenpsychologischen Grundmustern interessiert
zeigt.
Campbell
spürt in den Mythen der Menschheit allgemeingültigen Metaphern
nach, mit denen der Mensch seit Urzeiten seine Position im Kosmos
bestimmt hat. Dabei zeigt sich der Autor weniger an kulturellen
Besonderheiten oder gar Abgrenzungsversuchen interessiert; Das
Hauptaugenmerk gilt vielmehr der Aufspürung von Archetypen
(C. G. Jung) oder Elementargedanken (Adolph Bastian)
— Grundkonstanten symbolischer Welterfahrung also, die Mythen und
religiöse Symbole aus allen Zeiten und Kulturen miteinander
verbinden.
Die Formulierungen von Mythos
und Religion
stellen jedoch keine absoluten Wahrheiten dar, sondern können als
Projektionen unserer tiefsten psychischen Kräfte verstanden
werden. Das bedeutet keineswegs, sie zu trivialisieren. Das
eigentliche Geheimnis jedoch, so Campbell, liegt in uns selbst,
nicht in irgendwelchen angeblich historischen Ereignissen einer
fernen Vergangenheit. Die Sinnbilder des Mythos und der Religion
sind nicht als historisch-faktische Wahrheiten zu verstehen,
sondern als metaphorische Annährungen an ein Mysterium, das sich
letztlich allen Versuchen einer sinnlichen Beschreibung oder
intellektuellen Begreifbarmachung entziehen muss.
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Jenseits von Ideologien:
Transzendenz
Zu
Ende seines vierbändigen Hauptwerks
Die
Masken Gottes kommt Campbell zu dem Schluss, dass heute keiner Religion,
keiner Sekte, keiner Ideologie der Vorzug zu geben sei. Alle
Lehren und Vorstellungen von einer transzendenten Ursache hinter
den sinnlich-empirisch erfahrbaren Formen der phänomenalen Welt
sind lediglich als Maskierungen eines Mysteriums zu verstehen,
dass sich jeder Verbildlichung und Sprechbarmachung entzieht.
"Gott ist eine Metapher für ein Geheimnis, das alle
Kategorien der Vorstellung und des Denkens transzendiert
— sogar
die Kategorien von Sein und Nichtsein." (Joseph Campbell,
The
Hero's Journey)
Transzendenz weist in diesem
Sinne nicht auf eine ontologisch andere Welt. Diesseits und
Jenseits — beides sind Teile ein und derselben Welt. "Diesseitig"
und trivial ist zuweilen lediglich unsere Wahrnehmung. "Jenseits"
bedeutet jenseits von Ideologien, Kategorien, Konzepten,
konditionierten Verhaltensweisen und eingefahrenen Denkmustern. Es
gilt also, unser Bewusstsein zu verändern, um das Transzendente im
Hier und Jetzt zu erkennen. Dabei helfen Exerzitien, wie sie von
Mystikern vollzogen werden. Ein anderer Weg besteht in der
Auseinandersetzung mit den Symbolen des Mythos.
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Heldenreise
Die Aufgabe des Helden, wie sie
sich in der Heldenreise der Mythen darstellt, besteht darin, für
sich selbst und die Gesellschaft ein verlorenes Gut
wiederzubeschaffen. Dieser verlorene Schatz kann beispielsweise
als Gral (Parzival) oder Zauberring (Herr der Ringe)
Gestalt annehmen.
Dabei handelt es sich jedoch
nur um ein Bild; Das Ziel der Suche besteht eigentlich in der
Wiederherstellung eines umfassenderen, transzendenten
Bewusstseins. Die Reise des Helden durch die Unterwelt oder im
Bauch eines Wals, wie sie in den Mythen vollzogen wird, ist
letztlich eine Reise in die eigenen Innenwelten: Der Held wird aus
seinem tiefsten Unbewussten heraus wiedergeboren, und mit ihm die
Gesellschaft, aus der er hervorgegangen ist.
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Was sind Mythen?
Einem weitverbreiteten
Missverständnis zufolge handelt es sich bei Mythen um
Unwahrheiten, die bei zahlreichen Menschen nicht als solche
erkannt werden. Mythen werden oft mit Aberglauben oder Legenden
verwechselt. Tatsächlich bestehen Mythen aus phantastischen
Geschichten und Sinnbildern, deren Wahrheit nicht eine
historisch-faktische ist, sondern vielmehr eine
innerlich-mystische.
Oft halten wir die eigenen
Mythen für Fakten, die Mythen anderer Kulturen dagegen für
Ausgeburten einer irrationalen oder vorwissenschaftlichen
Phantasie, die lediglich nicht imstande ist, die harten Fakten der
Realität zu entziffern. Jedoch: Was ist real? Das was wir mit den
beschränkten Mitteln unseres Gehirns und seiner Sinnesorgane wahrnehmen? Oder
ist die Realität nicht vielmehr etwas, das sich allem rationalen Verständnis und
aller Wahrnehmung entzieht?
Mythen versuchen, Unsichtbares sichtbar zu
machen durch das Sichtbare, Undenkbares denkbar zu machen durch das Denken,
Unnennbares sprechbar zu machen durch Geschichten. Götter, Engel und Dämonen
sind letztlich nur Bilder für Realitätsbereiche und kosmische Kräfte, die sich
von unserem Verstand nicht erfassen lassen.
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Wozu
Mythen?
...
wird in unserer rationalistischen Zeit, in der
lebendige Auseinandersetzung häufig intellektuelle Rechtfertigungszwänge nach
sich zieht, gerne gefragt. Campbell zeigt auf, dass ein gesellschaftstragender Mythos vier
Funktionen erfüllt:
Mythen
verweisen auf einen transzendenten Grund, auf dem die sichtbare
Welt beruht (Mystische Funktion); Sie helfen dem
Individuum, ein positives Verhältnis zu dem Kosmos, in dem es
sich vorfindet, zu entwickeln (Kosmologische Funktion) und
helfen darüberhinaus, das Verhältnis zwischen dem Einzelnen und
der Gesellschaft zu harmonisieren (Soziologische Funktion);
Schließlich dienen die Sinnbilder des Mythos
— im Zusammenhang
mit geeigneten Ritualen - die erforderlichen
entwicklungspsychologischen Umstellungen im Angesicht neuer
Lebensstufen zu meistern (Pädagogische oder Psychologische
Funktion).
Während
Kirchen, Sekten und andere ideologische Gruppierungen das Gewicht
in der Regel auf soziale Identifikation legen, tut dem Menschen
des 21. Jahrhunderts eine Wiederherstellung der psychologischen
Wirkungsmacht des Mythos Not, vermochte dieser doch einst, ihn
durch Rituale und Sinnbilder sicher durch die verschiedenen
Lebensphasen bis hin zum Angesicht des Todes zu leiten.
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Psychologie
und Mystik
Während
sich Campbell in seinen letzten Lebensjahren in Form von Vorträgen
und Seminaren (insbesondere am Esalen Institut in
Kalifornien) um die Vermittlung mythisch-symbolischer Erfahrung
auf breiter populärer Basis bemühte, zielten die beiden ersten
Hauptwerke,
Der
Heros in tausend Gestalten
(1949) und Die Masken Gottes (1959-68) auf die Herauskristallisierung eines psychologischen und metaphysischen
Kerngehalts maßgeblicher mythologischer Überlieferung
unterschiedlichster Provenienz. Dabei werden die grundlegende
Bedeutung sowohl der mystischen, wie der psychologischen Funktion
von Mythen hervorgehoben.
Nicht
jenseits der Welt ist Gott zu finden, sondern in den Abgründen
unserer Psyche. Transzendenz bedeutet letztlich nicht ein Außerhalb
des Kosmos, sondern ein Außerhalb der Grenzen unserer Begriffe,
Wahrnehmungen und Weltbilder. Zu transzendieren ist nicht die Natur, sondern der Horizont unseres Wahrnehmungsapparates, der von
der Evolution hervorgebracht wurde und uns Orientierung und Überleben
ermöglicht, nicht aber geschaffen wurde, um Gott oder die Welt
als Ganzes zu erkennen.
Nicht
historisch gedeutet sein wollen heilige Symbole wie die des Paradieses
oder des himmlischen Jerusalem, sie wollen, als tief in
unserer Psyche schlummernde geistige Möglichkeiten, erfahren
werden. Damit stellt sich Campbell im Grunde, obgleich
unausgesprochen, in die Tradition der Mystik, die Gott nicht als
ein absolut Anderes, und nicht einmal als ein Gegenüber
ansieht, sondern in den Abgründen unseres Innern erfährt, nicht
als Teil unserer Selbst, sondern als das Ganze, als dessen Teil
unser reflektierendes Tagesbewusstsein zu betrachten ist.
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Ewigkeit
als eine
"Dimension des Hier und Jetzt"
"Eternity
is a dimension of here and now" lautet eine der zentralen
Einsichten Campbells. Spiritualität bedeutet demnach nicht
Konzentration auf eine Heilserwartung, die sich auf ein
Jenseitiges richtet, sondern eine tiefere Erfahrung der nur
vermeintlich trivialen Alltagswelt, in der sich das Ewige
zum Ausdruck bringt. Dazu beitragen können die
Symbole des Mythos
— und, wie zu hoffen ist, vielleicht auch
sukhavati.de
—
die deutschsprachige Joseph Campbell Website.
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