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Heldenreise ~
„[...] die Helden aller Zeiten sind uns vorausgegangen. Das Labyrinth
ist bestens bekannt. Wir müssen nur dem Faden des Heldenpfades folgen,
und wo wir gemeint hatten, einen Greuel zu finden, werden wir einen Gott
finden. Und wo wir gemeint hatten, einen anderen zu erschlagen, werden
wir uns selbst erschlagen. Wo wir gemeint hatten, nach außen zu fahren,
werden wir in das Zentrum unseres eigenen Daseins gelangen. Und wo wir
gemeint hatten, allein zu sein, werden wir mit der ganzen Welt sein.“ (Joseph Campbell, Der Heros in tausend Gestalten)
Der
Heros in tausend Gestalten ist kein Buch,
das je die Bestsellerlisten gestürmt hätte (um bald
darauf als Remittende abgestempelt zu werden); Eher handelt es sich um einen
Dauerbrenner, der seit seinem ersten Erscheinen vor mehr als einem halben
Jahrhundert viele Menschen inspiriert hat. Obgleich keine einfache
Lektüre, und mit der Darstellung zum Teil wenig bekannter mythologischer
Stoffe aus aller Welt scheinbar ein Nische innerhalb unserer Kultur
besetzend, gibt es doch kaum ein Buch, das von größerer Relevanz wäre
für alle, die sich im Umgang mit der Kunst oder
in
psychologischer Selbsterforschung an den Motiven der Mythen orientieren
wollen. In
Deutschland allenfalls ein Geheimtipp, gehört Der Heros in tausend
Gestalten in Hollywood längst zu den Standards für angehende
Drehbuchautoren. Neben George Lucas (Star Wars) sind zahlreiche Autoren
und Regisseure von Campbells Werk maßgeblich beeinflusst worden. Über
die Arbeit von Christopher Vogler (Die Odyssee des Drehbuchschreibers)
fand die Heldenreise nach dem Modell
Campbells sogar regulären Eingang in die großen Studios. Dabei
handelt es sich bei Campbells Erforschungen des Monomythos keineswegs um einen
bloßen Leitfaden für
publikumswirksames Schreiben. Vielmehr zeigt der Autor anhand einer
Vielzahl von Motiven aus Mythos und Märchen die Grundmotive symbolischen
Denkens in ihrer Relevanz für psychologische und spirituelle
Explorationen auf. Während der Drehbuchautor Christopher Vogler aus
Campbells Modell der Heldenreise ein pragmatisches Handbuch für Autoren
entwickelte, berührt Campbells Klassiker tiefenpsychologische
Dimensionen, die bis in die Tiefen der Mystik
reichen. Folgerichtig sind die daraus resultierenden psychologischen
Erkenntnisse von Coaches wie Paul Rebillot und Martin Weiss zu
wirkungsvollen Instrumenten des Persönlichkeitstrainings
weiterentwickelt worden. Der
mythische Archetyp des Heros ist nicht zwangsläufig eine übermenschliche Gestalt, in ihrer
Überlegenheit unerreichbar, und als literarische Figur Gegenstand eskapistischer
Sehnsüchte. Der Held, wie er in Mythen und Märchen
erscheint, bezeichnet vielmehr einen Menschen, der einen Weg der
Initiation durchläuft: Der Ruf des Schicksals oder die Erfahrung eines
Mangels oder einer Niederlage lockt oder zwingt zum Anbruch einer Reise
ins Unbekannte. Der Protagonist übertritt die Schwelle zum Unbekannten, zur Unterwelt,
einer Erfahrungssphäre, die jenseits der gesellschaftlich erforschten
und abgesegneten Bereiche liegt. Dort begegnet er gütigen und
feindseligen Gestalten, die sich in Mythen und Märchen
tiefenpsychologisch als Reflektionen seiner eigenen psychischen und
unbewussten Energien lesen lassen. Schließlich gelingt es dem Heros,
ein Elixier oder eine lebensrettende Information oder Weisheit zu
erlangen, die es nun gilt, in die Sphäre des Alltags zurückzubringen,
dahin wo die Heldenreise ihren Anfang genommen hatte. Die
archetypischen Stationen und Motive der Heldenreise lassen sich, hat man sich erst einmal darauf eingelassen, unschwer auf alltägliche
oder außergewöhnliche Lebenssituationen beziehen. Sie ermöglichen
Orientierung im Labyrinth unserer Lebenswelt, und vermögen uns,
ganz gleich ob wir nun Helden, Künstler
oder Buchhalter sind, zum Zentrum unseres eigenen Seins zu geleiten.
Heldenreisen müssen sich nicht in ferner Vergangenheit oder zwischen
den Sternen abspielen. Sie vollziehen sich in unseren Büros und auf den
Straßen unserer Städte, vielleicht hinter der Tür unseres Nachbarn.
Vielleicht sind wir selbst schon auf dem Weg, ohne es zu wissen.
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Quellen und weiterführende Literatur:
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Der
Heros in tausend Gestalten
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Die Kraft der Mythen
~ The Hero's Journey. Joseph
Campbell on his Life and Work
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