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Johann
Wolfgang von Goethe ~
"In Goethes wunderbarem Buch Wilhelm Meisters
Lehrjahre, und
dann noch einmal in Wilhelm Meisters Wanderjahre, gibt es die
Vorstellung eines unvermittelten Zusammentreffens mit Leuten und
Erfahrungen, während man umherzieht. Auf diese Weise lernt man das Leben wirklich kennen.
Nichts ist Routine, nichts wird für selbstverständlich genommen. Alles
steht für sich selbst, weil alles eine Option bietet. Alles
stellt einen Schlüssel dar, alles spricht zu dir. [...]"
(Joseph Campbell, Reflections
on the Art of Living)
Goethe war, wie James
Joyce und Thomas Mann, für Campbell eine der
zentralen Figuren im Hinblick auf eine moderne Literatur, in der
geistige Werte auf zeitgemäße Weise aufleuchten. Wilhelm Meister
scheint dabei von besonderem Gewicht für die Entwicklung der Auffassung
gewesen zu sein, nicht äußeren Ansprüchen, sondern der inneren Stimme
zu folgen, um sich dann dem Schicksal anzuvertrauen: Follow your
bliss, wie die häufig missgedeutete Kurzformel des späten Campbell
lautete.
Die Wilhelm Meister - Romane
lassen sich daher zwanglos in Tradition des Parzival-Epos von Wolfram
von Eschenbach sehen. Dieser kann in seiner präzisen Ausarbeitung
von Charakteren als Vorläufer des modernen psychologischen Romans
gelten, während die Transformation Parzivals im fortschreitenden
Verlauf seiner Abenteuer Wolframs Werk als ersten Entwicklungsroman der
Literaturgeschichte erscheinen lassen.
Die Worte mit denen Goethe seinen Faust
II enden lässt — "Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis"
— verglich Campbell gerne mit einem Ausspruch Nietzsches, der das Ewige
nur als Metapher gelten lassen will. Was auf den Blick genau Gegensätzliches zu bedeuten
scheint, weist letztlich auf die transzendente Wirklichkeit jenseits
aller Worte. Auch unsere Auffassung des Göttlichen und
Ewigen ist als
Auffassung Teil der vergänglichen Welt.
Die Wahrheit liegt jenseits von Worten. Eine Einsicht, die
in einem anderen, von Campbell gerne zitierten Ausspruch eines deutschen
Dichters zum Ausdruck kommt. Die Rede ist von Gerhard Hauptmann,
demzufolge Dichten bedeutet, "hinter Worten das Urwort erklingen zu
lassen". Ebendies haben Joyce, Mann, Goethe und Wolfram von
Eschenbach getan, jeder, wie es
sich für einen Künstler gehört, auf die ihm eigentümliche Weise und
unter Bezugnahme auf die ihn umgebende lebendige Welt.
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Quellen und weiterführende Literatur:
~ Reflections on the Art of Living. A Joseph
Campbell Companion
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Die Masken Gottes IV
— Schöpferische Mythologie
~ The Hero's Journey. Joseph
Campbell on his Life and Work
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