Kleine Joseph Campbell Enzyklopädie der Mythologie

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~ Geld ~

"Wenn du deiner Freude folgst, wirst du immer deine Freude haben, mit Geld oder ohne. Folgst du dem Geld, wirst du es vielleicht verlieren, und du wirst nichts haben."

(Joseph Campbell, Reflections on the Art of Living)

Geld - Münzen - Euro, Dollar, Franc, antike römische Münzen mit sukhavati.de LogoDas Mittelalter kennt das Symbol des Rades, in dem sich die Dynamik des Lebens spiegelt: Die Dinge ändern sich, und sobald wir uns auf dem Gipfel des Erfolgs wähnen, ist der Abstieg nicht mehr fern. Politiker und Motivationstrainer versprechen Erfolgsrezepte, die jedoch im besten Fall geeignet sind, den Lauf des Rades etwas zu beschleunigen, damit der Erfolg sich schneller einstellen möge. Wenn es dann endlich soweit ist, tauchen neue Probleme auf, und wir werden (früher oder später) vom Lebensrad wieder nach unten getragen. Es treten Niederlagen und Misserfolge auf, begleitet von Schimpf und Schande. Neben Erfolgsrezepten gilt es, eine Anleitung zu finden, mit Erfolg und Misserfolg, Ruhm und Verachtung gelassen umzugehen.

Den meisten verborgen, enthält das Bild des Rades auch einen Punkt, der unberührt bleibt von allem Wirbel. Es ist dies die Nabe des Rades, das Zentrum des Geschehens, das mitkreist, ohne sich dem Lauf der Dinge zu widersetzen, und doch stillzustehen scheint. Die Nabe des Rades ist das Bild für den zentrierten Menschen, der in sich ruhend seinen Weg fortsetzt, in seinem tiefsten Innern unberührt vom unaufhörlichen Auf und Ab.

Im Abendland, wo die Wirkung zentrierender Mythologien zurückgetreten ist zugunsten der Idee des selbstbestimmten Individuums, sehen wir uns vor das Problem gestellt, das wir Geld benötigen, um zu überleben, und Geld darüberhinaus, um unser selbstbestimmtes Leben zu verwirklichen. Dem Weg des Geldes zu folgen, birgt die Gefahr, vom Weg des Herzens (bliss) abzukommen. Folge Deiner innersten Freude ("Follow your bliss") empfahl Campbell gerne seinen Studenten. Dies bedeutet jedoch keineswegs, das wir Geld und Ökonomie verachten sollen. Sie sind Teil des Lebens, und wenn man Geld nicht als Ziel, sondern als Mittel für die richtigen Zwecke betrachtet, steht dem Willen zu seiner Vermehrung ethisch nichts entgegen:

""Geld ist gefrorene Energie, und diese freizusetzen setzt Lebensmöglichkeiten frei. Du erkennst, dass die Lebensmöglichkeiten in einer ökonomisch orientierten Gesellschaft wirklich davon abhängig sind, wieviel Geld du hast. Auf der anderen Seite hat Geld mir nie etwas bedeutet." (Reflections on the Art of Living)

Der junge Campbell beschloss, nachdem er als Saxophonspieler in einer Jazzband etwas Geld verdient hatte, fünf Jahre unter einfachsten Bedingungen lesend in einer Waldhütte zu verbringen. Anstelle einer Karriereplanung folgte er seinem inneren Ruf, der ihn einerseits eine bürgerliche Stellung als Collegelehrer annehmen ließ, andererseits eine sich langsam entwickelnde Laufbahn als Autor ermöglichte. Obwohl Campbell keine Reichtümer anhäufte, verstand er es doch, genug "gefrorene Energie" einzuhandeln, die sich auf geistige Weise gewinnbringend in Bücher und Reisen verwandeln ließ. Während die Notwendigkeit, einen Job anzunehmen, ihn ans Sarah Lawrence College in New York führte, wo er junge Frauen unterrichtete, die, wie Campbell später betonte, sein Gefühl für den praktisch-psychologischen Nutzen der Mythologie entwickeln halfen.

"Geld, erfahren als Lebensenergie, ist in der Tat eine Meditation, und es fließen zu lassen anstatt zu bunkern, ist eine Art und Weise der Beteiligung am Leben anderer. [...] Mit Geld im Tank, wie Benzin, kannst du an Plätze kommen, die dir sonst unzugänglich wären." (Reflections on the Art of Living)  

Zwischen den extremen Idealen der Besitzlosigkeit und des Reichtums gibt es die gemäßigte Möglichkeit, Geld zu erwerben und für den nächsten notwendigen Schritt einzusetzen:

"Man muss die Vorteile nutzen, die  man bereits kultiviert hat. Gibt man diese auf, wird man dagegen ein negatives Resultat erzielen, vielleicht nach zehn Jahren. Was ich meine ist, wenn Du von Schwelle zu Schwelle gehst, muss es dasselbe Du sein, das den Sprung vollzieht. Du tauchst nicht wieder unter, Du startest dort wo Du bist. Von dort aus wird dann mehr und mehr zum Erblühen gelangen." (Reflections on the Art of Living)

 

 

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Quellen und weiterführende Literatur:

~ Reflections on the Art of Living. A Joseph Campbell Companion

~ Die Kraft der Mythen

~ Pathways of Bliss

 

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