Kleine Joseph Campbell Enzyklopädie der Mythologie

[Abendland- [Alter-  [Bewusstsein-  [Bücher-  [Buddha-  [Computer]  [Dualismus-  [Dürckheim, Karlfried]   [Eckhart, Meister[Ewigkeit]
[
Furcht-  [Frauen -  [Geld-  [Goethe, J.W. v.]  -  [Göttin-  [Gott-  [Gral]  [Heldenreise-  [Indien-  [Jesus-  [Joyce, James-  [Jung, C.G.]     [Katastrophen [Kathedralen-  [Kindheit-  [Kitsch-  [Kunst]
[Künstler
-  [Leben]
  -  [Mann, Thomas]  -  [Maya-  [Mitleid [Monotheismus]
[
Musik-  [Mystik-  [Mythologie-  [Natur-  [
Politik-  [Raumfahrt]
[Religion -  [Rituale-  [Schamanismus -  [Sinn [Sport -  [Stille]
[Symbole
-  [Tod-  [Traum-  [Wolfram von Eschenbach-  [Zen]

[Zimmer, Heinrich-  [Zukunft]

 

~ Furcht ~

"All unsere Sorgen über Atombomben, die die Welt in die Luft sprengen. Na und? Es hat so viele Welten gegeben, und eine jede wurde von einer Atombombe in die Luft gejagt. Daher gilt es, sich mit dem Ewigen zu identifizieren, das in uns ist und in allen Dingen. Das bedeutet nicht, die Atombombe herbeizusehnen, vielmehr, dass man seine Zeit lieber nicht damit verschwendet, sich darüber sorgen zu machen."

(Joseph Campbell, Myths of Light)

Furcht - Explodierende Erdkugel als sukhavati.de LogoDie moderne Welt ist von Angst geprägt. Wir haben versucht, die Bedrohung von Krankheit und Tod, die Gefährdung durch Naturkatastrophen und zwischenmenschliche Konflikte durch Demokratisierung, Militarisierung und Technisierung in den Griff zu kriegen. Doch die Bedrohung bleibt. Hinzu kommt, dass wir, anders als die Menschen etwa des Mittelalters, die durch Willkürherrschaft, Krieg, Pest und Hungersnöte ein oftmals ungleich schwereres Los hatten, unseren Halt in religiösen oder mythischen Bildern verloren haben.  Gott ist tot, wie Nietzsche wusste, und daher scheint die Grundlage für unser Gottvertrauen verloren. Ein Naturvertrauen indes, das vielleicht an dessen Stelle hätte treten können, haben wir uns nicht anzueignen vermocht.

Was tun angesichts der Bedrohung durch Tod und Leid, Krankheit, Krieg und Gewalt? Die meisten Menschen flüchten sich in die Scheingeborgenheiten der Medienwelt. Doch das Fernsehen bringt uns täglich neue Bilder vom Tod ins Wohnzimmer, und Psychopathen scheinen nicht nur auf dunklen nächtlichen Waldwegen zu lauern, sondern, schlimmer noch, in den Regierungsämtern von Mächten und Supermächten. Wie vermag man, angesichts dieser Bedrohungen seiner Angst zu begegnen, die unversehens zu Weltangst auszuwachsen vermag? Bietet die Mythologie Hilfestellung?

Vielleicht liegt ein Teil des Problems darin begründet, dass wir nicht die richtigen Bücher lesen. Morgens die Zeitung und abends die TV-Nachrichten zu studieren, während für geistige Beschäftigung keine Zeit oder Muße bleibt, ist vermutlich der sicherste Weg, die Welt vorrangig als chaotisch, bedrohlich und sinnentlehrt zu erfahren. Würde es uns helfen, die Nachrichten des Tages besser zu verdauen, wenn wir ein auf den naturwissenschaftlichen Erkenntnissen unserer Zeit basierendes mythologisches Weltbild zu entwickeln im Stande wären? 

Die indische Mythologie kennt keine lineare Entwicklung. Sie erzählt von gigantischen Zyklen der Zeit. Jedem Niedergang folgt die Auferstehung, jeder untergegangenen Welt eine neu erstandene.

"Das erstaunliche an der indischen Mythologie ist, dass sie sich mit dem Universum vereinbaren lässt, über das wir heute sprechen. Mit den großen Zyklen der Sternenleben, den Galaxien jenseits von Galaxien, und dem Kommen und Gehen von Welten. Was dadurch bewirkt wird, ist eine Minderung der Bedeutungsgewalt des jetzigen Augenblicks." (Myths of Light)

Die Vergegenwärtigung gigantischer zeitlicher und räumlicher Dimensionen, die letztlich doch unsere Vorstellungskraft überschreiten, ist ein geeignetes Hilfsmittel, Distanz zu gewinnen von alltäglichen Sorgen und Alltagsgeschäften. Zugleich kann die Leere und Weite des Kosmos empfänglich machen für die Bedeutung des Hier und Jetzt, das der Mystiker im Ewigen geborgen weiß:

"Das Ewige vermag sich nicht zu ändern. Es ist unberührt von Zeit. Sobald es eine geschichtliche Handlung gibt, eine Bewegung, ist man in der Zeit. Die Welt der Zeit ist ein Reflex der Energie dessen, was ewig ist. Aber das Ewige ist unberührt von dem, was hier geschieht. Daher ist die Lehre von der Sünde eine falsche Lehre. Sie hat mit Zeit zu tun. Unser ewiges Wesen bleibt unberührt." (The Hero's Journey)

 

___________________________________

Quellen und weiterführende Literatur:

~ Myths of Light. Eastern Metaphors of the Eternal

~ The Hero's Journey. Joseph Campbell on his Life and Work

~ Die Kraft der Mythen

~ Reflections on the Art of Living. A Joseph Campbell Companion

 

Copyright 2004-2006 Sukhavati.de. All rights reserved