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Furcht ~
"All unsere Sorgen über
Atombomben, die die Welt in die Luft sprengen. Na und? Es hat so viele
Welten gegeben, und eine jede wurde von einer Atombombe in die Luft gejagt.
Daher gilt es, sich mit dem Ewigen zu identifizieren, das in uns ist
und in allen Dingen. Das bedeutet nicht, die Atombombe herbeizusehnen,
vielmehr, dass man seine Zeit lieber nicht damit verschwendet, sich
darüber sorgen zu machen."
(Joseph
Campbell, Myths of Light)
Die
moderne Welt ist von Angst geprägt. Wir haben versucht, die
Bedrohung von Krankheit und Tod,
die Gefährdung durch Naturkatastrophen und zwischenmenschliche
Konflikte durch Demokratisierung, Militarisierung und
Technisierung in den Griff zu kriegen. Doch die Bedrohung bleibt.
Hinzu kommt, dass wir, anders als die Menschen etwa des
Mittelalters, die durch Willkürherrschaft, Krieg, Pest und
Hungersnöte ein oftmals ungleich schwereres Los hatten,
unseren Halt in religiösen
oder mythischen Bildern verloren haben.
Gott
ist tot, wie Nietzsche wusste, und daher scheint
die Grundlage für unser Gottvertrauen verloren. Ein Naturvertrauen
indes, das vielleicht an dessen Stelle hätte treten können,
haben wir uns nicht anzueignen vermocht.
Was
tun angesichts der Bedrohung durch Tod und Leid, Krankheit, Krieg
und Gewalt? Die meisten Menschen flüchten sich in die
Scheingeborgenheiten der Medienwelt. Doch das Fernsehen bringt uns
täglich neue Bilder vom Tod
ins Wohnzimmer, und
Psychopathen scheinen nicht nur auf dunklen nächtlichen Waldwegen
zu lauern, sondern, schlimmer noch, in den Regierungsämtern von Mächten
und Supermächten. Wie vermag man, angesichts dieser Bedrohungen
seiner Angst zu begegnen, die unversehens zu Weltangst
auszuwachsen vermag? Bietet
die Mythologie
Hilfestellung?
Vielleicht
liegt ein Teil des Problems darin begründet, dass wir nicht die
richtigen Bücher lesen. Morgens die Zeitung
und abends die
TV-Nachrichten zu studieren, während für geistige Beschäftigung
keine Zeit oder Muße bleibt, ist vermutlich der sicherste Weg, die
Welt vorrangig als chaotisch, bedrohlich und sinnentlehrt zu
erfahren. Würde es uns helfen, die Nachrichten des Tages besser
zu verdauen, wenn wir ein auf den naturwissenschaftlichen
Erkenntnissen unserer Zeit basierendes mythologisches Weltbild zu
entwickeln im Stande wären?
Die indische
Mythologie kennt keine lineare Entwicklung. Sie
erzählt von gigantischen Zyklen der Zeit. Jedem Niedergang folgt
die Auferstehung, jeder untergegangenen Welt eine neu erstandene.
"Das
erstaunliche an der indischen Mythologie ist, dass sie sich mit
dem Universum vereinbaren lässt, über das wir heute sprechen.
Mit den großen Zyklen der Sternenleben, den Galaxien jenseits von
Galaxien, und dem Kommen und Gehen von Welten. Was dadurch bewirkt
wird, ist eine Minderung der Bedeutungsgewalt des jetzigen Augenblicks." (Myths
of Light)
Die
Vergegenwärtigung gigantischer zeitlicher und räumlicher
Dimensionen, die letztlich doch unsere Vorstellungskraft überschreiten,
ist ein geeignetes Hilfsmittel, Distanz zu gewinnen von alltäglichen
Sorgen und Alltagsgeschäften. Zugleich kann die Leere und Weite des Kosmos empfänglich
machen für die Bedeutung des
Hier und Jetzt, das der Mystiker
im
Ewigen geborgen weiß:
"Das
Ewige vermag sich nicht zu ändern. Es ist unberührt von Zeit.
Sobald es eine geschichtliche Handlung gibt, eine Bewegung, ist
man in der Zeit. Die Welt der Zeit ist ein Reflex der Energie
dessen, was ewig ist. Aber das Ewige ist unberührt von dem, was
hier geschieht. Daher ist die Lehre von der Sünde eine falsche
Lehre. Sie hat mit Zeit zu tun. Unser ewiges Wesen bleibt unberührt." (The Hero's Journey)
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Quellen und weiterführende
Literatur:
~ Myths of Light. Eastern
Metaphors of the Eternal
~ The Hero's Journey. Joseph
Campbell on his Life and Work
~
Die Kraft der Mythen ~
Reflections on the Art of Living. A Joseph Campbell Companion
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