Kleine Joseph Campbell Enzyklopädie der Mythologie

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~ Frauen ~

"[Meine Schülerinnen] ließen beim Unterrichten mythologischer Stoffe nicht zu, dass ich mich in allen möglichen akademischen Belangen erging. Sie wollten immer, dass sich das Material auf sie selbst beziehen möge, auf das Leben. Und so führe ich den populären Aspekt meines Schreibens auf das Training zurück, das ich von diesen Studentinnen erhalten habe."

(Joseph Campbell, The Hero's Journey)

Frauen - Jean Erdman beim Tanzen in Halbmond PoseTraditionelle Mythen sind in der Regel aus männlicher Sicht geschrieben. Die Frau taucht darin auf als Göttin, Gefährtin und geheimnisvolle Helferin. Viele Frauen empfinden jedoch heute das Bedürfnis, die von Campbell und anderen Autoren offengelegte psychologische Struktur der Mythen auf ihr eigenes Leben anzuwenden. 

Im Prinzip lassen sich die Stationen der Heldenreise auch auf Frauen anwenden. Lediglich die Herausforderungen und Probleme sind andere, wie Campbell in Reflections on the Art of Living hervorhebt.

Auffällig ist, dass auch andere psychologische Systeme, wie beispielsweise das Tarot heute oftmals weniger männlich ausgerichtet sind, als es früher einmal der Fall war. So stellt zum Beispiel das aus dem 15. Jahrhundert stammende Tarot von Marseille die Karte der Liebenden eindeutig aus der Perspektive des Mannes dar: Der Jüngling steht zwischen seiner Mutter und seiner Geliebten, die in manchen Fällen ein noch zu erlangendes Ziel verkörpert. (Man denke etwa an die zahlreichen Märchen, in denen die Herausforderung darin besteht, eine Prinzessin zu suchen und zu befreien.) Die Karte symbolisiert Abschied von einem behütenden Elternhaus und den Beginn der Heldenreise. Auf vielen neueren Karten, wie etwa dem Rider-Waite oder Haindl-Tarot, ist die Szene dagegen neutral ausgelegt. Die Karten laden verstärkt auch die weibliche Psyche zur Kontemplation ein. Andere Decks stellen den Narren, als den Helden am Beginn seiner Reise, zweigeschlechtlich dar (Röhrig-Tarot) oder beziehen sich insgesamt eher auf feminine Traditionen (Wicca-Tarot, Goddess-Tarot).

Jean Erdman (Foto), Tänzerin im Ensemble von Martha Graham und später selbständige Choreographin, ist diejenige unter seinen Schülerinnen, die ihn am meisten inspirierte mit ihr war er ein halbes Jahrhundert lang verheiratet, bis zu seinem Tod 1987. Campbell inspirierte Jeans Choreographien, sowie umgekehrt Erdmans Einfluss auf Joes Denkweise von diesem immer wieder betont wurde. Beide gründeten zusammen mit Künstlerfreunden das Theater of the Open Eye in New York, an dem Jean neue Stücke entwickelte, während Joe Vorträge über Mythologie hielt.

Gesellschaftliche Strukturen und Geschlechterrollen waren in den letzten Jahren einem stetigen Wandel unterworfen. Die Reise der Heldin ist somit eine Geschichte, die es noch zu erforschen gilt. 

 

 

(Abb.: Foto von Julian Brian. Copyright Jean Erdman & The Joseph Campbell Foundation)

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Quellen und weiterführende Literatur:

~ Reflections on the Art of Living. A Joseph Campbell Companion

~ The Hero's Journey. Joseph Campbell on his Life and Work

~ Die Kraft der Mythen

 

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