Kleine Joseph Campbell Enzyklopädie der Mythologie

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~ Meister Eckhart ~

"Jede Idee, jedes Konzept, jeder Name ist ein letztes Hindernis. Derjenige, welcher in den Kirchen gepredigt wird ist ein letztes Hindernis. Der einzige westliche Lehrer, den ich fand, der das begreift, ist Meister Eckhart, der sagt Das letzte Lassen ist das Lassen Gottes um Gottes Willen."

(Joseph Campbell, Reflections on the Art of Living)

Meister Eckhart - Wüstenlandschaft mit sukhavati.de SymbolTheologen, Wissenschaftler, Philosophen: ganz gleich, welcher Domäne zugehörig — wir kommunizieren mit Hilfe einer Fachsprache, die es uns ermöglichen soll, die Horizonte unseres Denkens zu erweitern. Wir entwickeln Konzepte, deren Zweck darin besteht, Unsagbares sagbar zu machen. Schleichend jedoch, beginnen die Konzepte an die Stelle des Gemeinten zu treten, und Worte geraten zu Ideologien. Gott ist eines dieser Konzepte, und eines das auf viele Jahrhunderte des Missbrauchs und der Ideologisierung zurückblicken darf, wie kaum ein anderes.

"Das letzte Lassen ist das Lassen Gottes um Gottes Willen." die Vorstellung eines Gottes ist (wie jede Vorstellung) eine Projektion, die uns von der Erfahrung der letzten Wirklichkeit abschneidet. Die letzte Wirklichkeit jedoch liegt jenseits dualistischer Konzepte. Lassen wir uns voll und ganz auf den Augenblick ein, wie es in der Zen-Meditation gelehrt wird, so verschwinden die Trugbilder unser Ideologien. Haben wir erst gelernt, uns der Stille zu öffnen, die gewöhnlich von unserem geschwätzigen Sprachzentrum übertönt wird, eröffnet sich die Welt des Ewigen, und die Rede von Gott wird schal.

Meister Eckhart ist wohl der berühmteste Mystiker der abendländischen Tradition. In seinen Predigten spricht er über Gott in einer Weise, die auf Erfahrung gründet, anstatt theologische Programme zu konstruieren. Von Meister Eckhart bis zu Karlfried Graf Dürckheim und Willigis Jäger verläuft eine direkte Linie der abendländischen Mystik, die der des Zen in nichts nachsteht, außer dass sie bis heute zu einem Schattendasein gezwungen ist. Dabei stellt die Mystik keinerlei Bedrohung für Religiosität dar. Allein unser Konzept von Gott ist es, was durch Erfahrung relativiert wird. Die Angst vor der Mystik ist die Angst des Menschen, sich von seiner intellektuellen Konzepten freizumachen, um sich ganz der einen transzendenten Wirklichkeit zu öffnen.

 

 

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Quellen und weiterführende Literatur:

~ Das bist Du

~ Der Flug der Wildgans

~ Die Kraft der Mythen

~ Die Masken Gottes III — Mythologie des Westens

~ Reflections on the Art of Living

 

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