|
~
Computer ~
"Aber dann
kommt eine Zeit, da fängt die Maschine an, einem Vorschriften zu
machen. Zum Beispiel habe ich diese wunderbare Maschine gekauft —
einen Computer. Und als der Göttersachverständige, der ich bin,
habe ich die Maschine durchschaut — sie scheint mir ein
alttestamentarischer Gott zu sein: eine Menge Regeln und keine
Gnade."
(Joseph
Campbell,
Die Kraft der
Mythen)
Maschinen erleichtern Arbeit und vernichten
Arbeitsplätze.
Computer ermöglichen es, Webseiten zu unterhalten und weltweit zu
kommunizieren. Maschinen helfen
uns, die Welt nach unserer Vorstellung zu gestalten. Und dann
beginnen sie, zunächst unmerklich, uns selbst und unser Leben zu
gestalten.
Godfrey Reggio
hat mit seinem legendären Film Koyaanisqatsi auf
bemerkenswerte Weise die Maschinenwelt, in der wir leben, in
Bildern eingefangen und auf eine Weise vorgeführt, die es uns
ermöglicht,
wenigstens zu erahnen, dass wir weniger frei sind, als wir es
gerne glauben. In einem Interview erklärte der Regisseur, dessen ungewöhnlicher
Blick auf unsere moderne westliche Welt sich auch einem vierzehnjährigen
Aufenthalt in einem Kloster verdanken mag, dass im Abschied von
der Natur als
unserem Lebensumfeld zugunsten einer technischen Umgebung möglicherweise
der einschneidendste Wandel im Laufe der gesamten Geschichte zu
sehen sei. Wir nehmen, so Reggio, nur die Oberfläche der
Zeitungen, die offensichtlichen Aspekte von Konflikten und
sozialer Ungerechtigkeiten des Marktes war. Was wir nicht
wahrnehmen, ist die Dominanz der Technik, weil wir zu weit in der
Technik befangen sind und die Perspektive fehlt — eine Weise des
Lebens, die, wie der berühmte Filmemacher feststellt, ungesehen und
unbefragt bleibt: "Nicht hinterfragtes Leben ist Leben in
einem religiösen Zustand." (Godfrey
Reggio)
Leben wir mit
Maschinen, oder haben die Maschinen bereits begonnen uns zu
beherrschen? Der indische Religionsphilosoph Raimundo Panikkar
sagt einmal, dass wir auf dem Rücken unserer Mythen leben. Wir
nehmen die Mythen der anderen als Mythen war, während wir die
Voraussetzungen unseres eigenen Denkens nicht hinterfragen, das in
seiner Dogmatik und Unbefragtheit möglicherweise längst religiöse
Züge angenommen haben mag. Leben wir auf dem Rücken eines
technisch-wissenschaftlichen Mythos, oder gar in einer
ideologischen Matrix?
Die methodische
Problematik einer solchen Argumentation besteht darin, dass wir
ihr nicht etwa aus potentiell überwindbarer Unwissenheit, sondern
vielmehr aus prinzipiellen Gründen nichts zu entgegnen vermögen.
Auf welchen unbewussten Voraussetzungen unser Denken beruht,
lässt sich weder beweisen noch widerlegen. Immerhin eignen sich die Überlegungen
eines Reggio oder Panikkar als Denkanstöße. Und zumindest muss
man wohl zugestehen, dass Campbell nicht ganz falsch lag, als er
die Auflösung mythologischer Sinnbilder und den Verlust einer
naturalen Umwelt zugunsten einer Maschinenwelt als eine der
zentralen Herausforderungen unserer Zeit betrachtete.
Dieselbe Einsicht
war es wohl, die maßgeblich dazu beitrug, dass Campbell in George
Lucas' Krieg der Sterne - Trilogie eines zeitgemäße
Umsetzung mythischer Bilder erblickte: Darth Vader, die Verkörperung
des Maschinenmenschen, dessen Innenleben verkümmert ist unter einer
technischen Maske. In eine bemerkenswerten Szene in Episode 5 kämpft
der junge Held Luke Skywalker gegen ein Traumbild seines
Erzfeindes, ohne zu wissen, dass es sich dabei um seinen
leiblichen Vater handelt. Nachdem er den Gegner erschlagen hat,
erblickt er sein eigenes Bild im Angesicht des Feindes. Die
Maschinen — wie alle Engel und Dämonen — sind Verkörperungen
unserer eigenen Wünsche und Ängste: Kräfte, die uns von der
Verwirklichung unserer "Buddha-Natur"
abhalten. Allein die Zukunft
kann zeigen, ob sich die Maschinen als Engel oder Dämonen
erweisen werden. Aber es kann nicht schaden, sich zu vergegenwärtigen,
dass sie das Potential zu Beidem in sich tragen.
___________________________________
Quellen und weiterführende Literatur:
~
Die Kraft der Mythen
~ The Hero's Journey. Joseph
Campbell on his Life and Work
|