Inhalt 

Die Kraft der Mythen
(Power of Myth)
Von der Aktualität
mythologischer Symbole

Interviews mit dem Journalisten Bill Moyers, entstanden im Rahmen der legendären Fernsehreihe Joseph Campbell and the Power of Myth. weiter>>

 

Der Heros in tausend Gestalten
(Hero with a thousand Faces)
Psychologie der Heldenfahrt

Campbells Klassiker zum Thema Heldenfahrt in den unterschiedlichen Kulturen. Anspruchsvoll zu lesen und stark geprägt von der psychologischen Deutung in der Tradition von Jung und Freud. weiter>>

 

Das bist Du 
(Thou art That)
Die Zukunft des Christentums in der Mystik

Will das Christentum heute glaubwürdig bleiben, empfiehlt sich eine Rückbesinnung auf die mystisch-psychologische Deutung von Symbolen. weiter>>

 

Die Masken Gottes
(The Masks of God)
Eine Weltgeschichte mythischer Bilder

Umfassendes und anspruchsvolles Kompendium zur Geschichte mythischer Weltbilder. weiter>>

 

Mythen der Menschheit
(Transformation of Myth through Time)
Sinnbilder im Wandel der Zeit

Die Geschichte mythischer Weltbilder in Kurzform, entstanden aus einer TV-Reihe, die auf einer Vortragsreihe Campbells basiert. weiter>>

 

Die Mitte ist überall
(The Inner Reaches of Outer Space)
Mythologie im Raumfahrtzeitalter

Essaysammlung,  in deren Mittelpunkt die veränderte Weltsicht im Zeitalter der Raumfahrt steht. weiter>>

 

Der Flug der Wildgans 
(Flight of the Wild Gander)
Essays über Sinnbilder und
Bilder ohne Sinn

Essaysammlung, die ein weites Gebiet abdeckt, von dem mythologischen Gehalt von Märchen bis hin zu den biologischen Grundlagen des Mythos und der Wirkung von Symbolen jenseits aufgesetzter Bedeutungen. weiter>>

 

Lebendiger Mythos
(Myths to live by)
Voraussetzungen einer zeitgemäßen
globalen Mythologie

Essaysammlung, die den Fokus auf die Voraussetzungen einer zeitgemäßen mythologischen Sichtweise richtet. weiter>>

Bücher in deutscher Sprache

Besprechungen aller bislang in deutscher Übersetzung erschienenen Campbell- Bücher. Vergriffene Titel können in der Regel über das Zentralverzeichnis antiquarischer Bücher (>>ZVAB) bzw. >>abebooks geordert werden.

(Bitte den rechtlichen Hinweis unten auf dieser Seite beachten!)

Mittelfristig werden auf dieser Seite auch Filme, sowie die von Campbell herausgegebenen posthumen Schriften Heinrich Zimmers vorgestellt werden. Darüberhinaus ist eine weitere Seite in Planung, auf der Bücher und Filme anderer Autoren vorgestellt werden, deren Arbeit in enger Beziehung zu der von Joseph Campbell steht.

The Collected Works of Joseph Campbell



Die >>Joseph Campbell Foundation gibt vergriffene Bücher neu heraus und fügt zudem gelegentlich vereinzelte Schriften, Vorträge und Notizen etc. zu neuen Büchern zusammen. 

 

Bisher sind als amerikanische Originalausgabe erschienen:

 

 

Baksheesh & Brahman

Asian Journals - India

 

Sake & Satori

Asian Journals - Japan

 

Flight of the Wild Gander

Explorations in the Mythological Dimension

 

The Inner Reaches of Outer Space

Metaphor as Myth and as Religion

 

The Hero's Journey

Joseph Campbell on his Life and Work

 

Thou art That*

Transforming Religious Metaphor

 

Myths of Light*

Eastern Metaphors of the Eternal

 

Mythic Worlds, Modern Words*

On the Art of James  Joyce

 

Pathways of Bliss*

Mythology and Personal Transformation

 

A Skeleton Key to Finnegans Wake**

Unlocking James Joyce's Masterwork

 

 

Bei den mit Sternchen * versehenen Titeln handelt es sich um Bücher, die posthum auf der Grundlage von Vorträgen, Interviews, Notizen und Tagebucheinträgen erstellt wurden.

 

**Co-Autor: Henry Morton Robinson

 

Die beiden Bände der Asian Journals sind ebenfalls posthum erschienen, folgen jedoch  im Wesentlichen den Aufzeichnungen in Campbells Reisetagebüchern.

 

The Hero's Journey enthält Interview und Diskussionsbeiträge: Der Band versteht sich als Begleitbuch zu dem gleichnamigen Dokumentarfilm über das Leben von Joseph Campbell.

 

Zu dem im November 2004 erschienenen Pathways of Bliss liegt auf Sukhavati.de eine Buchrezension vor.

 

Weitere Bände sind in Vorbereitung.

 

 

 

 

 

 

Die Kraft der Mythen
(The Power of Myth)

Von der Aktualität mythologischer Symbole 

Joseph Campbell and the Power of Myth ist der Titel einer Fernsehreihe, in welcher der Mythenforscher Joseph Campbell von dem amerikanischen Fernsehjournalisten Bill Moyers zu verschiedenen Themen aus Mythologie, Religion, Psychologie und Symbolkunde befragt wird. Auf der Grundlage der TV-Interviews entstand das Begleitbuch zur Serie, Die Kraft der Mythen, das den bestmöglichen Einstieg bildet, um die Sprache der Symbole für unsere Zeit neu entdecken zu lernen.

Den beiden Gesprächspartnern gelingt es zum Teil auf verblüffende Weise, die Symbole aus Mythos und Religion neu zu deuten und ihre Relevanz für die heutige Zeit aufzuzeigen. Wir erfahren, warum die geistige Krise unserer Zeit zum Teil auf dem Verlust psychologischer und metaphysischer Sinnbilder beruht, die dem archaischen Menschen eine Erfahrung von Harmonie zwischen Mensch und Kosmos ermöglichten. Die Gespräche verlieren sich jedoch nicht in nostalgischen Beschwörungen einer verlorengegangenen Welt, sondern zeigen Wege auf, hier und heute zu einer zeitgemäßen mythischen Erfahrung zu gelangen.

Mythen in erster Linie keineswegs primitive Versuche der Weltdeutung; Auch ist ihre Wahrhaftigkeit in Bezug auf historische Fakten durchaus zweitrangig. Mythen sind im wesentlichen Metaphern, die auf ein transzendentes Geheimnis deuten und - in Ritualen zu Wirksamkeit erwacht - den Menschen durchs Leben geleiten.

Die Kraft der Mythen, wenige Jahre vor Campbells Tod größtenteils auf der Skywalker Ranch von Star Wars - Schöpfer George Lucas aufgezeichnet, sind das Vermächtnis eines der bedeutendsten Mythenforscher des 20. Jahrhunderts, der mit seiner tiefenpsychologischen Deutung der Grundthemen des Mythos nicht nur Licht in das Verständnis anscheinend verworrener oder auf Magie und Aberglauben beruhender Geschichten gebracht hat, sondern darüberhinaus zu einer wichtigen Inspirationsquelle für Künstler (wie etwa George Lucas) geworden ist.

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Der Heros in tausend Gestalten
(Hero with a thousand Faces)
Psychologie der Heldenfahrt
 

Die Frage, wer oder was eigentlich ein Held sei, geistreich zu beantworten, dürften nur wenigen leicht fallen. In den Augen vieler sind dazu vor allem Hollywood-Charaktere auserlesen, während die Heldentaten des wirklichen Lebens vor allem auf den Titelseiten der Boulevardzeitungen zu finden zu sein scheinen.

Ganz anders Joseph Campbell in seinem bahnbrechenden Werk Der Heros in tausend Gestalten: Campbell untersucht darin Mythen aus aller Welt, um sie auf gemeinsame Motive und Grundstrukturen abzuklopfen. Der Heros ist ein Individuum, das außerhalb der Gesellschaft steht, und sich auf die Reise begibt, um zu suchen, woran es der Gesellschaft fehlt.

Immer geht der Heldenfahrt ein empfundener Mangel oder ein Zusammenbruch der vertrauten Lebensbedingungen hinaus. Der Heros bricht auf, um jenes Lebenselixier zu finden, durch welches das gestörte Gleichgewicht wiederhergestellt werden kann. Symbolisiert werden kann das Elixier durch einen Gegenstand - einen Ring etwa, oder, wie im Falle Jasons und der Argonauten, ein Widderfell -; Tatsächlich handelt es sich aber häufig um ein psychologisches Ziel, eine Erkenntnis oder einen Reifeprozess.

Campbell weist in seinem 1949 erstmals erschienenen Werk (Originaltitel: The Hero with a thousand Faces) nach, dass bestimmte Grundsituationen und archetypische Figuren in Mythen und Geschichten aus aller Welt auftauchen. Ihre Gemeinsamkeit beruht auf der Allgemeingültigkeit bestimmter psychologischer Grundsituationen. Zwischen Geburt und Tod durchläuft der Mensch verschiedene Phasen, deren Bewältigung durch Initiation und psychologische Transformation geleistet wird - oder scheitern muss. Für den jungen Menschen gilt es Leben, für den alten, Sterben zu lernen. Damit erstreckt sich die Psychologie der Heldenfahrt auch auf spirituelle und transzendente Bereiche, obgleich sie auch im Hinblick auf die Bewältigung handfester psychologischer Grundsituationen von Relevanz ist.

Der besondere Wert von Campbells Modell des Monomythos, wie der Autor den in allen aufgeführten Geschichten identischen Kerngehalt nennt, liegt in der psychologischen Relevanz von Campbells weitgehend tiefenpsychologisch gewonnenen Erkenntnissen. Die Heldenfahrt, wie sie sich im Weltgeschichtlichen und in der epischen Erzählung im Großen vollzieht, spielt sich in verkleinertem Maßstab auch im Leben des modernen Individuums ab, dem Campbells ideenreiche mythologische Untersuchung somit als Orientierungshilfe jenseits fragwürdiger therapeutischer oder esoterischer Moden dienen kann.

Jene Hollywoodfilme, auf die eingangs angespielt wurde, beruhen im Übrigen tatsächlich häufig auf dem von Campbell vorgestellten Modell psychologisch wirksamer Geschichten, das sich eben nicht nur für psychologische und spirituelle, sondern auch für dramaturgische Zwecke nutzbar machen lässt. Das berühmteste Beispiel einer filmdramaturgischen Umsetzung von Campbells Ideen stellen nach wie vor George Lucas' Star Wars - Filme dar.

Dem Anfänger sei, bevor er sich auf die Lektüre des umfassenden und anspruchsvollen Werkes einläßt, vom selben Autor zur Einführung Die Kraft der Mythen, sowie ferner Das bist Du empfohlen.

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Das bist Du 
(Thou art That)
Die Zukunft des Christentums in der Mystik 

Galt sein Hauptaugenmerk in dem Klassiker Der Heros in tausend Gestalten dem Heldenmythos, der sich durch bestimmte Grundmuster auszeichnet, die sich ohne weiteres auf verschiedene, allgemein erfahrene Lebensabschnitte übertragen lassen (Psychologische Funktion), widmet sich Das bist Du vor allem der Frage nach dem transzendenten Grund der Erfahrungswelt (Mystische Funktion). Campbell versucht dabei, grundlegenden mystischen Einsichten, wie sie sich in fernöstlichen Kulturen bewahrt haben, seiner Darstellung zufolge jedoch im jüdisch-christlichen Kulturkreis eher unterdrückt wurden, zu neuer Wirksamkeit zu verhelfen.

Ein Buch mit dem Titel Das bist Du (in der amerikanischen Originalausgabe: Thou art That) hat Campbell nie geschrieben. Was verbirgt sich hinter dem verwirrend schlichten Titel?

Das Buch gehört zu einer Reihe von posthum erscheinenden Veröffentlichungen, die von der [Joseph Campbell Foundation] herausgegeben werden. Neben vergriffenen Titeln, die somit erneut zugänglich gemacht werden, gehören hierzu Bücher, in denen verschiedene Vorträge Campbells zu einem zusammenhängenden umfassenderen Text verwoben werden.

Dem Herausgeber Eugene Kennedy ist es gelungen, aus einer Reihe von populärwissenschaftlichen Vorträgen, die Campbell in seinen letzten Lebensjahren mit Vorliebe gehalten hat, ein überzeugendes Buch zu entwickeln, in dem der zentrale mystische Gehalt jüdisch-christlicher Symbole herausgearbeitet wird. (Allein die etwas simpel wirkende Sprache von Das bist Du wirkt zuweilen leicht störend; Ein verzeihliches Manko, wenn man weiß, dass der Text den frei gehaltenen Vorträgen Campbells folgt. Zudem ist das Buch gerade aufgrund des schlichten Tonfalls gut lesbar und von hoher Allgemeinverständlichkeit.)

Thou art That - Das bist Du - spricht, in der indischen Chandogya-Upanishad der Weise Aruni zu seinem Sohn Shvetaketu: Der Mensch soll sich von seinem Ego lösen und seine letztliche Identität mit dem Kosmos erfahren. In dieser mystischen Erkenntnis sieht Campbell den zentralen Gedanken auch der Lehre Jesu, wie er sich etwa in dem gnostischen Thomas-Evangelium äußert. Die Zukunft jüdisch-christlicher Religiosität liegt dementsprechend in einer Abwendung von der von den Kirchen eingeforderten Identifikation des Einzelnen mit der Gemeinschaft, an deren Stelle die mythische Identifikation mit der Dimension der erfahrbaren Ewigkeit des Hier und Jetzt.

Das bist Du spiegelt die mystische Erfahrung des Einssein von allem Sein, und bedeutet, wenn man diese Erkenntnis zuende denkt, das alles heilig, alles Ausdruck von Transzendenz ist. (Goethes Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis). Wenn man diese zentrale Einsicht verinnerlicht hat, die für mich den Kern von Religiosität schlechthin bedeutet, braucht man keine übernatürlichen Wunder mehr, um religiös zu sein. Die Lösung für eine zeitgemäße Religion besteht daher in der Mystik

Der Verlagstext auf dem Umschlag von Das bist Du deutet den Titel übrigens anders, nämlich nicht als eine Identität von Ich und Welt, Subjekt und Objekt, sondern als eine Identität von abendländischem Individuum und biblischer Tradition. Gerade dies jedoch bezeichnet Campbell als soziale Identifikation, welche die soziale Stammes- oder Religionszugehörigkeit über die mythische Identifikation stellt und damit dem Einzelnen den Weg in das Paradies versperrt, welches Campbell nicht geschichtlich am Anfang einer Religion des Exils oder am Ende einer Heilsgeschichte angesiedelt sehen will, sondern im Inneren unserer selbst. Mythische Identifikation dagegen läuft letztendlich auf eine mystische Identifikation hinaus, wie sie in Arunis Worten Ausdruck findet.

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Die Masken Gottes
(The Masks of God)
Eine Weltgeschichte mythischer Bilder

Wo Der Heros in tausend Gestalten vorwiegend psychologisch orientiert war, und das zu untersuchende Material ohne Rücksicht auf Chronologie und kulturelle Unterschiede dem Modell des Heldenzyklus einverleibte, stellt Die Masken Gottes Campbells großangelegten Versuch dar, die Entwicklung der Mythen durch unterschiedliche Kultur- und Zeiträume zu verfolgen, immer dabei den "Glauben an die Einheit der ganzen Menschheit, nicht nur in ihrer biologischen Beschaffenheit, sondern auch in ihrer Seelengeschichte" (Campbell) im Blick behaltend. 

"Diese Geschichte", so Campbell, "hat sich überall in der Art einer einzigen Symphonie entfaltet, deren Themen angekündigt, entwickelt, ausgemalt und umgekehrt, verzerrt und wiedergefunden werden und heute in einem großartigen Fortissimo aller zusammenklingenden Teile unaufhaltsam auf einen gewaltigen Höhepunkt zutreiben, aus dem die nächste große Bewegung hervorgehen wird. Und ich sehe keinen Grund, weshalb irgend jemand meinen sollte, dieselben bereits vernommenen Motive würden in der Zukunft nicht immer noch fortklingen - durchaus in neuen Verbindungen, aber beständig dieselben Motive." Eben diese Motive werden kaum irgendwo verständiger vorgestellt und erläutert, als in den vier Bänden der Masken Gottes.

Dabei gelingt es dem Mythologen, unter Bezugnahme der Entdeckungen in Biologie, Vor- und Frühgeschichte, Querverbindungen zwischen mythologischen Entwicklungen aufzuzeigen, ohne sich dabei auf ein alleiniges Erklärungsmodell zu versteifen. Durchaus maßgeblich beeinflusst von Tiefenpsychologie und Archetypenlehre eines Carl Gustav Jung, zeigt Campbell sich zugleich an der Diffusionstheorie interessiert: Parallele Entwicklungen werden zum Teil auf biologische Grundmuster unseres Verhaltens zurückgeführt, zum Teil lassen sie sich jedoch auch mit Wanderbewegungen erklären, die bereits in der Frühzeit zu einem kulturellen Austausch geführt haben, der weit über das gemeinhin Angenommene hinausgeht. 

Will man Die Masken Gottes zu dem vorangegangenen Hauptwerk Der Heros in tausend Gestalten in Beziehung setzen, so könnte man formulieren, dass, wo das Buch über die Heldenfahrt eine archetypische Grundstruktur der Mythen anhand von Beispielen mannigfacher Herkunft ableitet, in den Masken Gottes dagegen versucht wird, die historische Entwicklung mythologischer Systeme in verschiedenen Kulturräumen aufzuzeigen. In beiden Werken finden psychologische wie historische Herangehensweisen, jedoch zeigt sich Campbell hier weitaus tiefer an historischen Erklärungsmustern interessiert. Die systematische Aufarbeitung mythologischer Erfahrungsweisen, wie sie sich hier vollzieht, bildet den seriösen Hintergrund und damit ein sicheres Fundament für die in stärkerem Maße auf populäre Breitenwirkung zielenden Vorträge und Veröffentlichungen des späten Campbell. 

Der erste, Mythologie der Urvölker betitelte Band beginnt bei den ersten Spuren kulturellen Verhaltens, und versucht (zum Zeitpunkt seines ersten Erscheinens, 1959, zum Teil noch neue) wissenschaftliche Erkenntnisse aus Biologie und Archäologie einzubeziehen. In Band 2 und 3 werden die Mythologie des Ostens und Mythologie des Westens einander gegenübergestellt. Band 3 schließlich ist ganz der besonderen Situation der Neuzeit gewidmet: Die alten Götter sind verschwunden, an ihren Platz Ideologien, Weltverneinung und künstlerisches Suchen getreten. 

Eben jenes Suchen bezeichnet der Verfasser als Schöpferische Mythologie - individuelle Variationen und Neuerfindungen mythischer Themata in Literatur und bildender Kunst. Eingehende Betrachtung finden die Romane von Joyce, aber auch Thomas Manns Zauberberg. Auch die Artusgeschichten des europäischen Mittelalters (von denen die Gralsgeschichten nur einen Zweig bilden) und die Malerei eines Picasso werden ausgiebig unter dem Gesichtspunkt zeitgemäßer mythisch-künstlerischer Neuformulierung besprochen. 

Die Quintessenz der Masken Gottes knüpft an Heinrich Zimmers "Alle Götter in uns" an, und so lautet das vorletzte Unterkapitel des abschließenden Bandes: "Alle Götter sind in dir!" - Jene mystische Weisheit, die Jahre zuvor bereits in den Upanischaden zu Ausdruck und höchster Blüte kam, dass nämlich Götter und Dämonen nicht als faktische Wirklichkeiten, sondern Projektionen der geheimnisvollen Kräfte unserer Psyche zu verstehen seien, wird mit den Mitteln tiefenpsychologischer Symboldeutung für unsere Zeit wiederentdeckt.

Was Mircea Eliades Geschichte der Religionen für die Religionswissenschaft bedeutet, verkörpert Die Masken Gottes im Bereich der vergleichenden Mythologie: Ein Standardwerk, das Maßstäbe gesetzt hat, und zu dem viele spätere Werke desselben Autors erfindungsreiche und unterhaltsame Fußnoten bilden.

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Mythen der Menschheit
(Transformation of Myth through Time)
Sinnbilder im Wandel der Zeit

Joseph Campbell pflegte seine Vorträge, die er stets ohne Skript hielt, auf Band aufzuzeichnen, um später, das auf diese Weise gewonnene Audiomaterial zu schriftliche Werke zusammenzustricken. Auf einer seiner letzten Vortragsreihen wurde ihm die Arbeit am Aufnahmegerät von einem Fernsehteam abgenommen. Daraus entstand die Videoreihe  Transformation of Myth through Time (später neu editiert als Mythos). 

Das vorliegende Buch ist allerdings keine Bearbeitung, die den mündlichen Vortrag dem Medium des gedruckten Buchs anzupassen versucht, indem der lockere Redefluss von Campbells mehr oder minder improvisierten Vorträgen in Schriftsprache verwandelt wird, vielmehr handelt es sich um eine wörtliche Transkription einzelner Vorträge, die aus dem umfassenden Ton- und Bildmaterial ausgewählt wurden.

Inhaltlich versteht sich Mythen der Menschheit als eine rasante Kurzfassung von Die Masken Gottes - ein Spaziergang durch Zeiten und Kulturen, der den unterschiedlichen Erscheinungsformen des Ewigen im Gewand von Kunst, Ritual und Religion nachzuspüren versucht, dabei, wie für Campbell typisch, mehr das Gemeinsame als das Unterscheidende hervorhebend.

Campbells Einführung in die Psychologie des Mythos, wie sie in der ersten Folge von Mythos zu finden ist, in der vor allem Carl Gustav Jungs tiefenpsychologische Konzepte, und ferner Adolph Bastians Elementargedanken und Völkergedanken, thematisiert werden, ist in Mythen der Menschheit leider nicht berücksichtigt worden. Daher beginnt das Buch etwas unvermittelt mit den biologischen Ursprüngen von Mythos und Ritualverhalten, und endet mit der mittelalterlichen Symbolwelt, wie sie sich in den zahlreichen Gralsgeschichten und Artuslegenden findet (welche wiederum in Mythos fehlen). Zwischendurch wird am Beispiel der Sandbilder der Navaho-Indianer veranschaulicht, was einen lebendigen Mythos ausmacht; Wir werden in die Psychologie der Chakren eingeführt, erhalten einen Schnellkurs in Yoga, Buddhismus, neolithischem Göttinnenkult und paläolithischer Höhlenmalerei.

Mythen der Menschheit bietet einen leicht lesbaren Schnellkurs durch die verschiedenen Gebiete der Mythologie, und zeigt sich dabei, wie zuvor schon (allerdings weitaus detaillierter) Die Masken Gottes, mehr historisch orientiert. Psychologische Hintergründe und lebendige Bezugnahme auf die heutige Welt kommen allerdings auch in diesem Werk keineswegs zu kurz, wenngleich sich die Entscheidung der Herausgeber, auf die einen psychologischen Bezugsrahmen bildende einführende Lektion zu verzichten, schmerzlich bemerkbar macht.

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Die Mitte ist überall
(The inner Reaches of outer Space)
Mythologie im Raumfahrtzeitalter

Welche Bilder sind es, die unser heutiges Weltbild neu definieren helfen und, und die, wenn schon nicht als mythische Bilder anzusehen sind, so doch an der Schwelle zur Mythologisierung stehen? Für Campbell war eines der für ein zeitgemäßes Selbstverständnis des Menschen gewichtigsten Bilder jenes von der Erde, das von der Oberfläche des Mondes aufgenommen wurde.

The inner Reaches of outer Space - der amerikanische Originaltitel ergäbe, wörtlich übersetzt, einen etwas sperrigen Buchtitel, worin wohl der Grund zu sehen ist, weshalb bei der deutschen Ausgabe gar nicht erst versucht wurde, eine sinngemäße Entsprechung zu finden. Die inneren Bereiche des äußeren Raumes - das sind die in jüngerer Zeit (zum Zeitpunkt, da Campbell die dem Buch zugrundeliegenden Texte schrieb, hochaktuell) mittels Raumfahrt zugänglich gemachten Bereiche des Weltraums, die, obgleich in unmittelbarer Erdnähe, eine völlig neue Sichtweise unseres Daseins auf dem blauen Planeten anschaulich zu machen geeignet sind. 

Gerne zitierte Campbell die Worte des Astronauten Rusty Schweickhart, dem angesichts des Sublimen die Worte versagten, welche er im Nachhinein umso eindrucksvoller formulierte; Aufgrund einer technischen Verzögerung einige Minuten ohne Ablenkung durch ein eng terminiertes Arbeitsprogramm, geriet dem Raumfahrer plötzlich die schimmernde Erdkugel ins Visier: "Ich fragte mich selbst, was ich jemals getan hatte, um diese Erfahrung zu verdienen."

Die neue Erfahrung des Himmels, der dem Menschen früherer Zeitalter als Ort der Transzendenz gegolten hatte, als leerer Raum zwischen den Sternen dürfte für jene, welche die Reise außerhalb der Erdatmosphäre gemacht haben eine einschneidende Erfahrung, wenn nicht eine grundlegende psychische Verwandlung bedeuten. Was den übrigen Menschen bleibt, sind die überwältigenden Fotografien, welche die Erdkugel als eine blaue Perle in einem unermesslichen schwarzen Abgrund zeigen - Ein Bild das, wie Campbell glaubte, geeignet sei als Symbol für das neues Zeitalter einer global agierenden Menschheit, die ihre Aggressionen nicht länger auf andere soziale Gruppen lenken kann. Eine zeitgemäße Mythologie, so Campbell, müsse sich auf die ganze globale Menschheit beziehen. Denn, wie zahlreiche Astronauten und Kosmonauten trefflich feststellten, aus dem All betrachtet sind keine Landesgrenzen sichtbar; Die Erde erscheint als Heimat der ganzen Menschheit, unabhängig von Glaube, Herkunft und politischer Überzeugung. (Das Logo dieser Website geht genau auf diesen Gedanken zurück: Eine grünende Erdkugel, die uns Europa als unsere eigene Heimat zuwendet, eine Heimat jedoch, die nicht abgegrenzt erscheint vom Rest der bekannten belebten Welt)

Sollte dieses neue Bild von der Erde, das auf hinlänglich bekannten wissenschaftlichen Fundamenten beruht, jedoch erst durch die angesprochenen Fotografien einer breiten Öffentlichkeit anschaulich gemacht werden konnte, nicht als Anstoß zu verstehen sein, manch überkommene Glaubensvorstellung, die auf einem vor- oder zumindest frühwissenschaftlichen Weltbild beruht, zu den Akten zu legen? Imagine, there is no heaven, above us only sky - ironischerweise legt gerade der Blick aus den "eroberten" benachbarten Bereichen des Kosmos die Einsicht nahe, wer Transzendentes erfahren wolle, möge lieber in den Abgründen seiner Psyche, als in dem Raum zwischen den Sternen suchen. 

Die Mitte ist überall - so verschieden der Titel von dem der Originalausgabe sein mag, bezeichnet treffend, die sich aus moderner Kosmologie und Kantischer Philosophie ergebenden Einsicht, dass die Welt eine Einheit, und das himmlische Jerusalem nicht in einem Staat namens Israel zu finden ist. Die mystische Einsicht der inneren Erfahrung als dem allein möglichen direkten Zugang zur transzendenten Welterfahrung findet sich poetisch verdichtet in der Vision eines Schamanen aus dem Stamm der Sioux. In einer Vision hatte der Medizinmann in seiner Jugend sich selbst auf dem zentralen Weltberg erschaut, den er mit einer lokalen Erdhebung namens Harney Peak identifizierte. Zugleich jedoch erkannte der kluge alte Mann, dem offenbar eine Vision beschieden war, die dem Raumfahrtzeitalter gerecht zu wird, dass zugleich die Mitte nirgends anders als überall zu finden sei.

Das Buch, dessen deutscher Titel sich der Vision eines Schamanen verdankt, jedoch ebenso eines Mystikers jedweder Herkunft würdig wäre, bildet neben der modernen Kosmologie den Ausgangspunkt für Campbells gedankliche Reisen durch die Bereiche der mythischen Imagination und der religiösen Sinnbilder, sowie der Kunst als einer Bildsprache, die Transzendentes sinnlich erfahrbar zu machen verhilft. Dem anspruchsvollen Gehalt des schmalen Bandes steht eine Sprache gegenüber, die so schlicht und präzise ist, dass es dem Mythologen gelingt, selbst Kants Prolegomena zu einer jeden künftigen Metaphysik auf wenigen Seiten darzustellen, und dies auf eine Weise, die selbst jenen einen Zugang ermöglichen dürfte, denen der Name Kant bislang als Inbegriff einschüchternder philosophischer Gelehrsamkeit erschien.

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Der Flug der Wildgans
(Flight of the wild Gander)
Essays über Sinnbilder und Bilder ohne Sinn

Der Flug der Wildgans, das ist die Seelenreise des Schamanen, dem sich, häufig in ein Vogelkostüm gekleidet, Seelenbereiche erschließen, welche die gesellschaftlich vereinbarten Bedeutungen religiöser Symbole weit hinter sich lässt. Das gleichnamige Buch stellt jedoch keineswegs die Rituale und Visionen der Schamanen in den Mittelpunkt; Vielmehr handelt es sich um einen Streifzug durch die Welt der Symbole in Märchen, Mythen und Religionen, wobei (typisch für den Autor) der Bezug zur Welt der Gegenwart niemals aus den Augen verloren wird.

Das Symbol ohne Sinn (The Symbol without Meaning) lautet das zweite Kapitel dieses aus Essays und Vorträgen komponierten Buches. Vielleicht hätte man besser mit Symbol ohne Bedeutung übersetzen sollen, denn nicht um Sinnleere, sondern um Transzendierung gedachter, lehr- und lernbarer Bedeutungen geht es in diesem zentralen Abschnitt. 

Daneben finden sich Kapitel u. a. über die Symbolsprache der Volksmärchen, die Campbell tiefenpsychologisch als eine "Fibel der Bildersprache der Seele" deutet, sowie eine kurzgefasste Weltgeschichte der Mythologie, die ursprünglich als Konzept für das umfassende vierbändige Hauptwerk Die Masken Gottes konzipiert worden war.

Campbell unterscheidet Mythologien der Bindung und Mythologien der Entbindung. Zur ersten Kategorie zählen symbolische Ordnungen, in denen ein Weg vorgegeben wird, der sich gesellschaftlich bewährt hat, und folglich dem Individuum sichere Orientierung gewährt. Dies ist die Welt der religiösen Glaubenssysteme, deren Werte und Vorstellungsweisen im Bewusstsein der Gläubigen unangetastet bleiben. Demgegenüber steht die Erfahrung des Schamanen und des Künstlers, aus deren Visionen die Bildkultur einer Gesellschaft gespeist wird, und die letztlich auf Erfahrungen jenseits aller Bilder und Kategorien deutet. Ein aus dieser Erfahrung hervorgehendes und zugleich auf sie deutendes Symbol fordert keineswegs zur Bestätigung und Vertiefung bestimmter Vorstellungen auf, das Symbol ist vielmehr auf Transzendenz gerichtet. 

So aufgefasst, wollen die Sinnbilder der Mythologie in ihrer letzten Bedeutung nicht verstanden, sondern transzendiert werden, um letztlich selbst zu verschwinden und den Blick freizumachen für die transzendente Leerheit jenseits aller Phänomene und Sinnzuschreibungen, auf die sich alle echte Religion bezieht. Der höchste Sinn mythologischer Bilder läge somit jenseits des Sinn- und Bildhaften, im Erfahren oder zumindest Erahnen der Transzendenz, die durch das Bild in die Welt scheint um letztlich auch und gerade in den Phänomenen der Alltagswelt erfahren zu werden. Keineswegs im Widerspruch also zur bilderlosen Tradition des Zen stehend, wird auch in der mythischen Symbolisierung eine psychologische Transformation anvisiert, durch welche die Sinneswelt zunächst aufgelöst und durchdrungen wird, um anschließend auf neue und tiefere Weise erfahren zu werden.

Woran es dem der westlichen Denken mangelt, und schließlich worin der besondere Wert der abendländischen Kultur besteht, wird in den beiden abschließenden Kapiteln ausgezeigt. 

In Die Säkularisierung des Heiligen tritt der Autor für die Religionen der Identität ein, in denen eine mystische Erfahrung und Identifikation mit der göttlichen Wirklichkeit angestrebt wird. Demgegenüber stehen die monotheistischen Traditionen des Wüstengottes Jahwe, welche aus dem Mittleren Osten nach Europa gebracht wurden. In diesen Religionen des Bezuges ist der Einzelne aufgerufen, sich mit den Autoritäten und Gesetzen der Gesellschaft zu identifizieren. Der Bezug zu Gott wird über die Priesterkaste hergestellt, wohingegen eine Identifikation mit Gott tabuisiert wird. Es handelt sich dabei um eine Tradition der sozialen Identifikation, die letztlich auf die Stammesgesetze der Wüstenreligionen zurückgeht.

Die eigentliche europäische Urtradition liegt verborgen unter den allgegenwärtigen Sinnbildern der christlich-monotheistischen Auffassung. Ihre Bilder und Kulte reichen zurück bis in die neolithischen Höhlenbilder. Im Hochmittelalter des 12. Jahrhunderts brechen ihre Vorstellungen durch die Oberfläche der christlichen Kultur und finden Ausdruck in den Legenden um König Arthur und die Gralssuche

Die einzigartigen Entdeckungen Europas liegen in der Wertschätzung des Individuums und im Ideal der persönlichen Liebe - Amor - die von den Troubadours besungen wird und ihren Platz neben den unpersönlichen Formen Agape (Nächstenliebe) und Eros (laut Campbells Definition der Drang der Organe zueinander) erobert. So schließt das Buch mit einer Reminiszenz an jene, die sich in bester europäischer Tradition um Erfahrung bemühen, wo andere sich allzu bereit zeigen, den Ideologien und Autoritäten der Zeit Gefolge zu leisten:

"Denn es ist in der Tat in den stillen Winkeln dieser Welt viel tiefes geistiges Suchen und Finden im Gange, außerhalb der heiliggesprochenen sozialen Zentren, jenseits ihres Gesichtskreises und ihrer Kontrolle: In kleinen Gruppen hier und dort und (wie jeder, der sich einmal umschaut feststellen kann) häufiger und typischer noch bei Einzelnen und Paaren. Sie dringen an den Stellen, die sie sich selbst ausgesucht haben, in den Wald ein, dort, wo er sie am finstersten dünkt und wo es keinen gebahnten Weg noch Steg gibt." 

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Lebendiger Mythos
(Myths to live by)
Voraussetzungen einer zeitgemäßen globalen Mythologie

"Wir leben heute in einer Endmoräne solcher überlebten Mythen und mythischen Symbole, großer und kleiner Bruchstücke von Traditionen, die früher einmal Kulturen stifteten und trugen. Die jetzt im Entstehen begriffene globale Zivilisation hat jedoch bislang due geistigen Metaphern ihrer eigenen Mythen und Riten noch nicht hervorgebracht: Die alten Götter liegen im Sterben, aber die neuen sind noch nicht geboren." (Lebendiger Mythos)

Die einzelnen Kapitel von Lebendiger Mythos sind aus einer populären Vorlesungsreihe entstanden, die Campbell zwischen 1958 und 1971 vor einem großen Auditorium gehalten hat. Die Themen reichen von der Bedeutsamkeit von Riten und dem Ost/West-Konflikt bis hin zur Mythologie der Liebe und des Krieges. So unterschiedlich die Ausgangspunkte sein mögen, die der Autor gewählt hat, um daraus ein zusammenhängendes mythologisches Netz zu knüpfen, vollzieht sich dieser Rundgang durch Mythologie, Kunst und Religion gleichwohl durchgehend vor demselben Hintergrund der aktuellen wissenschaftlichen Entdeckungen und Ereignisse ihrer Zeit. 

Dabei ist zum einen die Mondlandung zu nennen, welche Campbell zu seinem Spätwerk Die Mitte ist überall inspirierte. Wo mancher Wissenschaftler skeptisch im Hinblick auf die dadurch zutage geförderten wissenschaftliche Kenntnisse reagieren, und womöglich auf die Mondlandung als ein politisches Instrument der Machtdemonstration verweisen mag, sieht Campbell über solche kritischen Einwände gerne hinweg, um in der Wirkkraft des daraus hervorgegangenen Symbols der Erde als blauer Perle, wie sie von der Oberfläche des Erdtrabanten aus sichtbar wird, das Potential zu erblicken, stammesbezogene Mythen unzeitgemäß zu machen und die Vorstellung einer globalen Gemeinschaft wachzurufen. 

Eine weitere Reise, aus der Campbells Betrachtungen ihren Elan beziehen, ist eine innere; Die Rede ist von den durch LSD oder Schizophrenie hervorgerufenen visionären, zuweilen auch alptraumhaften Erfahrungen. Campbell, der in Träumen und Visionen, wie sie von besonders sensibilisierten Individuen, Schamanen und Künstlern den Ursprung mythologischer Systeme sieht, zeigt sich von den Forschungen des Psychiaters John Weir Perry fasziniert, und versteht es, auf überzeugendes Weise Erkenntnisse aus der Erfahrung des Psychotikers zu beziehen, die für ein tieferes Mythenverständnis relevant sind, ohne dabei je in Gefahr zu geraten, den Mythos zu pathologisieren, wie er es einmal Freud vorgeworfen hat, der all seine Erkenntnisse auf diesem Feld aus der Arbeit mit seinen Patienten bezogen hatte.

Ähnlich wie schon Der Flug der Wildgans klingt auch Lebendiger Mythos aus mit einer Betrachtung der heutigen Situation, nachdem, mythologisch wie geographisch gesprochen, alle Horizonte verschwunden sind. Der Kern aller Religionen ist derselbe, die mystische Erfahrung der Einheit allen Seins. Alle Religionen sind im Wesentlichen als lokale Ausdrucksformen dieser einen zentralen Wahrheit zu verstehen, die lediglich in eine Gestalt gekleidet wird, die den besonderen Lebensbedingungen einer Gemeinschaft entspricht und aus diesen hervorwächst. Heute, im Zeitalter des globalen Dorfes, in dem Grenzen für den Verkehr von Geld, Personen, Ideen und Idealen zusehends geschwunden sind, bedürfen wir laut Campbell einer Metaphernsprache, welche die ewige Philosophie auf eine Weise anschaulich macht, die den besonderen sozialen, politischen, ökonomischen und psychologischen Bedingungen unseres Zeitalters gerecht wird. Wie eine solche Mythologie des globalen Zeitalters auszusehen hat wird indes kaum angesprochen.

"Vielleicht müssen wir (da denn die Mühlen der Götter langsam mahlen) noch ein weiteres Jahrhundert oder gar noch zwei auf die Herausbildung oder Offenbarung einer Mythologie warten, die den Anliegen und dem Wohl nicht etwa dieses oder jenes besonderen Volkes, sondern der Menschheit als einem einzigen Leib angemessen sein wird. Der Einzelne kann jedoch nicht auf dieses gemeinschaftsbildende Ereignis warten und muß unterdessen selbst den Schotter dieser durchaus sehr interessanten Endmoräne nach solchen Signaturen des Geistes durchsuchen, die ihn auf seiner eigenen kurzen Abenteuerfahrt durch die Zeit vorwärtsbringen und zur Erfüllung führen können." (Lebendiger Mythos)

Ganz gleich, ob man das Heraufdämmern neuer Götter und Mythen für wahrscheinlich oder auch nur für wünschenswert hält, Lebendiger Mythos bietet einen unschätzbaren Leitfaden, für jeden, der es als hilfreich oder innerlich notwendig ansieht, aus den Scherben mythologischer Überbleibsel ein persönliches, brauchbares und zeitgemäßes spirituelles Weltbild zu zimmern.

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