Kleine Joseph Campbell Enzyklopädie der Mythologie

[Abendland- [Alter-  [Bewusstsein-  [Bücher-  [Buddha-  [Computer]  [Dualismus-  [Dürckheim, Karlfried]   [Eckhart, Meister[Ewigkeit]
[
Furcht-  [Frauen -  [Geld-  [Goethe, J.W. v.]  -  [Göttin-  [Gott-  [Gral]  [Heldenreise-  [Indien-  [Jesus-  [Joyce, James-  [Jung, C.G.]     [Katastrophen [Kathedralen-  [Kindheit-  [Kitsch-  [Kunst]
[Künstler
-  [Leben]
  -  [Mann, Thomas]  -  [Maya-  [Mitleid [Monotheismus]
[
Musik-  [Mystik-  [Mythologie-  [Natur-  [
Politik-  [Raumfahrt]
[Religion -  [Rituale-  [Schamanismus -  [Sinn [Sport -  [Stille]
[Symbole
-  [Tod-  [Traum-  [Wolfram von Eschenbach-  [Zen]

[Zimmer, Heinrich-  [Zukunft]

 

~ Buddha ~

"Eine der großen Versuchungen des Buddha war die Versuchung der Lust. Die andere Versuchung war die Angst vor dem Tod. [...] Das Leben bestürmt uns mit diesen Versuchungen, diesen Ablenkungen. Das Problem besteht darin, das unbewegte Zentrum in uns zu finden. Dann kann man alles überleben. Mythen helfen einem dabei."

(Joseph Campbell, Myths of Light)

Buddha - Tempelstatue mit sukhavati.de LogoDie beiden Cherubime, die unser eigener aus Nahost importierter Gott Jahwe, dem Bericht in der Genesis zufolge, am Eingang zum Garten Eden aufstellte, mit Flammenschwertern ausgestattet, um uns Menschen fortan den Zutritt zu verwehren, verglich Campbell gerne mit den Torwächtern, die so häufig den Eingang buddhistischer Tempel flankieren. Allein, der Unterschied bestehen darin, dass es im Buddhismus darauf ankommt, die Torwächter zu passieren. Im Tempel selbst wartet der Buddha, in Form einer Statue, die in versöhnlicher Geste signalisiert: Hab keine Angst! Die Torwächter der christlichen Religion dagegen sind ernstzunehmenderer Natur, dienen sie doch dazu, den Einzelnen an die alleinerlösende Institution Kirche zu binden und auf diese Weise die Kasse klingeln zu lassen. Torwächter müssen nicht aus Stein gehauen sein. Viel öfter bestehen sie aus Worten, die als Waffe eingesetzt werden. 

Könnte hierin ein Grund für den zunehmenden Erfolg des Buddhismus bei ernsthaft suchenden Menschen im Westen zu sehen sein? Stellt sich die buddhistische Lehre in ihrer psychologischen und auf innere Erfahrung und Transformation ausgerichteten Lehre nicht hilfreich dem Menschen an die Seite, wo die christliche Theologie dem Gläubigen  verwehrt, sein Heil anderswo als in in dem durch die Institution der Kirche verwalteten Bereich zu erlangen?

Die Torwächter buddhistischer Schreine — einer mit geschlossenem, der andere mit geöffnetem Mund — symbolisieren, wie Campbell erläutert, Furcht und Begehren. Ferngehalten von unserem inneren unbewegten Zentrum werden wir demzufolge nicht durch übermenschliche Wesen — die drohenden Statuen am Eingang des Tempels verkörpern vielmehr unsere eigenen inneren Dämonen.

Sollte eine Religion nicht versuchen, dem Menschen zu helfen, sich seiner eigenen inneren Dämonen zu entledigen, anstatt ihm weitere einzureden, um sein Verhalten im Sinne der kirchlich-sozialen Gemeinschaft zu steuern? Und ist die ursprüngliche Lehre Jesu nicht der buddhistischen Auffassung viel näher, in dem sie auf den "inneren Christus" zielt, anstatt das Heil der Menschen von ihrer Zugehörigkeit zu einer unvollkommenen Institution abhängig machen zu wollen?

Shakyamuni lautet der Name des Buddha. Muni bedeutet, wie Campbell in Myths of Light erläutert, der Stille, während Shakya den Namen seiner Sippe bezeichnet. Darum muss man kein Buddhist sein, um dem Beispiel des Buddha zu folgen. Oder, anders gesagt, man kann Buddhist sein, ohne eine Mönchsrobe überzuziehen und sich von der abendländischen Zivilisation und der Betriebsamkeit der heutigen Welt vollends zu verabschieden — solange man sich nicht abschneidet von der Stille, die jeder in sich trägt.

 

___________________________________

Quellen und weiterführende Literatur:

~ Myths of Light. Eastern Metaphors of the Eternal

~ Die Kraft der Mythen

~ Das bist Du

~ Reflections on the Art of Living. A Joseph Campbell Companion

 

Copyright 2004-2006 Sukhavati.de. All rights reserved