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Buddha ~
"Eine der großen
Versuchungen des Buddha war die Versuchung der Lust. Die andere
Versuchung war die Angst vor dem Tod. [...] Das Leben bestürmt
uns mit diesen Versuchungen, diesen Ablenkungen. Das
Problem besteht darin, das unbewegte Zentrum in uns zu finden.
Dann kann man alles überleben. Mythen helfen einem dabei."
(Joseph
Campbell,
Myths of Light)
Die beiden Cherubime, die unser eigener
aus Nahost importierter
Gott Jahwe,
dem Bericht in der Genesis zufolge, am Eingang zum Garten Eden
aufstellte, mit Flammenschwertern ausgestattet, um uns Menschen
fortan den Zutritt zu verwehren, verglich Campbell gerne mit den
Torwächtern, die so häufig den Eingang buddhistischer Tempel
flankieren. Allein, der Unterschied bestehen
darin, dass es im Buddhismus darauf ankommt, die Torwächter zu passieren. Im Tempel selbst wartet der Buddha,
in
Form einer Statue, die in versöhnlicher Geste signalisiert: Hab
keine Angst! Die Torwächter der christlichen Religion dagegen
sind ernstzunehmenderer Natur, dienen sie doch dazu, den Einzelnen
an die alleinerlösende Institution Kirche zu binden und auf diese
Weise die Kasse klingeln zu lassen. Torwächter müssen nicht aus
Stein gehauen sein. Viel öfter bestehen sie aus Worten, die als
Waffe eingesetzt werden.
Könnte hierin ein Grund für den zunehmenden Erfolg des Buddhismus
bei ernsthaft suchenden Menschen im
Westen zu sehen sein? Stellt sich die buddhistische Lehre in ihrer
psychologischen
und auf innere Erfahrung
und Transformation ausgerichteten
Lehre nicht hilfreich dem Menschen an die Seite, wo die
christliche Theologie dem Gläubigen verwehrt, sein Heil
anderswo als in in dem durch die Institution der Kirche
verwalteten Bereich zu erlangen?
Die Torwächter buddhistischer Schreine
— einer mit
geschlossenem,
der andere mit geöffnetem Mund — symbolisieren, wie Campbell
erläutert, Furcht und Begehren. Ferngehalten von unserem inneren
unbewegten Zentrum werden wir demzufolge nicht durch übermenschliche
Wesen — die drohenden Statuen am Eingang des Tempels verkörpern
vielmehr unsere eigenen inneren Dämonen.
Sollte eine Religion
nicht versuchen, dem Menschen zu helfen, sich seiner
eigenen inneren Dämonen zu entledigen, anstatt ihm weitere
einzureden, um sein Verhalten im Sinne der kirchlich-sozialen Gemeinschaft zu steuern? Und ist die ursprüngliche Lehre
Jesu
nicht der buddhistischen Auffassung viel näher,
in dem sie auf den "inneren Christus" zielt, anstatt das
Heil der Menschen von ihrer Zugehörigkeit zu einer unvollkommenen
Institution abhängig machen zu wollen?
Shakyamuni lautet der Name des Buddha. Muni
bedeutet, wie Campbell in Myths of Light erläutert, der
Stille, während Shakya den Namen seiner Sippe
bezeichnet. Darum muss man kein Buddhist sein, um dem Beispiel des
Buddha zu folgen. Oder, anders gesagt, man kann Buddhist sein,
ohne eine Mönchsrobe überzuziehen und sich von der abendländischen
Zivilisation und der Betriebsamkeit der heutigen Welt vollends zu
verabschieden — solange man sich nicht abschneidet von der Stille,
die jeder in sich trägt.
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Quellen und weiterführende
Literatur:
~ Myths of Light. Eastern Metaphors of the Eternal
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Die Kraft der Mythen
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Das bist Du
~ Reflections on the Art of
Living. A Joseph Campbell Companion
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