1904-20
Frühe Inspirationen

 

1921
Naturwissenschaft als Herausforderung

 

1924-26
Europareise

 

1927-28
Studium in Paris

 

1928-29
Studium in München

 

1929-34
Wanderjahre

 

1934
Collegelehrer

 

1938
Heirat mit Jean Erdman

 

1942
Entscheidende Einflüsse

 

1944-49
Frühe Werke

 

1943-55
Herausgeber von Heinrich Zimmer

 

1953-54
Reisejahre

 

1958-68
Der Populist

 

1974-86
Späte Werke

 

1983-87
Später Ruhm

 

Biografische Notizen

Joseph Campbells Leben umfasst eine Zeitspanne, die von Buffalo Bill, über die große Depression von 1929 bis hin zu den Zeiten von Personal Computern und George Lucas' Star Wars - Filmen reicht.

1904 in New York geboren, zeigte Campbell von klein an großes Interesse für Mythen, Symbole und Rituale. Ein intensives Studium so unterschiedlicher Bereiche wie Philosophie, Biologie, Sanskrit und provenzalische Literatur ermöglicht ihm, die Erzeugnisse unterschiedlichster Kulturen gewissermaßen aus der Vogelperspektive zu sehen, wo Spezialistentum einerseits darauf angelegt ist, neue Erkenntnisse zutage zu fördern, andererseits allzuoft in einer Verengung des Blickwinkels endet. Beinahe vier Jahrzehnte als College-Lehrer tätig, erlangt Campbell erst in hohem Alter verdienten Ruhm.

Sein erstes eigenständiges Werk Der Heros in tausend Gestalten, anfänglich nur einem auserlesenen Publikum bekannt, wird zu einem der einflussreichsten und wichtigsten Bücher des 20. Jahrhunderts; Campbells Ideen beeinflussen Filmemacher wie George Lukas (Star Wars) genauso wie den Dichter Robert Bly oder die Rockband Grateful Dead; Die Fernsehreihe Joseph Campbell and the Power of Myth erreicht unmittelbar nach dem Tod des großen Mythologen 1987 ein Millionenpublikum. Campbells Versuche, die Wahrheit in Religion und Mythos, in der Tradition von C. G. Jung hinter den Worten und in den transzendenten Abgründen der Psyche zu suchen, wird zu einer der wichtigsten Geistesströmungen unserer Zeit.

 

1904 - 1920
Frühe Inspirationen

Geboren am 26. März 1904 in New York City, beginnt die Mythologie für den kleinen Joe sehr bald zum Faszinosum zu werden.

"Von sehr früh an - um die vier oder fünf Jahre alt - war ich fasziniert von den Indianern, und das wurde zu meinem wirklichen Studium. Ich ging zur Schule und hatte keine Probleme mit meinen Studien, aber meine eigene Begeisterung lag in diesem wunderbarem Bereich der indianischen Mythologie." (The Hero's Journey)

Campbell erhielt bald auf zweierlei Weise Gelegenheit, sein Bücherstudium durch erste kleine Exkursionen innerhalb des New Yorker Stadtlebens zu ergänzen. Im Museum of Natural History wurde ihm die Vergangenheit der indianischen Welt gegenwärtig, während ein Besuch von Buffalo Bill's Wild West Show im Madison Square Garden ein emotional einschneidendes Erlebnis einer ersterbenden, gleichwohl aber noch präsenten Kultur vermittelte. 

1913 zieht die Familie um nach New Rochelle, New York.

"Wir lebten in New Rochelle in diesen Jahren, gleich neben der öffentlichen Bibliothek. Als ich ungefähr elf war, hatte ich alle Bücher über indianische Mythologie in der Kinderbücherei gelesen und bekam sogar Zugang zu den Magazinen. Ich erinnere mich, wie ich mit Stapeln von Büchern nach Hause kam. Und ich denke das ist, wo mein Leben als Gelehrter begonnen hat."  (The Hero's Journey)

Seine Begeisterung für indianische Mythen wurde bald auch flankiert von einer handfesten Parteinahme für die Indianer. Im Alter von etwa zwölf Jahren wurde Campbell Zeuge der Überheblichkeit des "weißen" Amerika gegenüber den amerikanischen Ureinwohnern. Bei der Aufführung eines Wildwest-Films begann das Publikum einem Weißen Beifall zu spenden, der einen Indianer verfolgte. Der junge Campbell empörte sich darüber so sehr, dass er - zum Unmut seiner Mutter - aufstand und begann das Publikum anzuschreien: "Ihr würdet nicht jubeln, wenn Ihr wüsstet, was Ihr tut!" (A Fire in the Mind)

Wer in den zahlreichen existierenden Audiodokumenten Campbells unverblümte (und teils amüsante) Art, in Vorträgen Kritik zu üben, kennengelernt hat, der mag den Autoren der großen Campbell-Biografie A Fire in the Mind Recht geben, wenn sie diesen Vorfall als charakteristisch auch für den Stil des reifen Campbell bezeichnen. 

Vielleicht lässt sich auch zu Recht davon sprechen, dass Campbells irisches Blut eine Rolle gespielt haben mag. Sein Großvater väterlicherseits gehörte zu jenen Iren, die Mitte des 19. Jahrhunderts vor der Kartoffelpest nach Amerika geflohen waren. Und der Forscher selbst liebte es später, auf das streitlustige Temperament der Iren Bezug zu nehmen. Eine seiner favorisierten Redensarten: Ist das ein privater Kampf oder darf jeder mitmachen?  

Und Campbell Erklärung, warum die Tafelrunde von König Arthur ein Roundtable ist? - Ursprünglich eine irische Erfindung: Weil die Iren ständig darüber stritten, wer am Ende des Tisches Platz nehmen darf, blieb ihnen eines Tages nichts anderes übrig. als den Tisch rund zu machen! (unveröffentlichter Vortrag)

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1921
Naturwissenschaft als Herausforderung

Campbells katholische Erziehung wird auf die Prüfung gestellt, als er 1921 auf dem College Biologie und Mathematik zu studieren beginnt. In einem Interview, das im Rahmen der Aufnahmen für The Hero's Journey auf Hawaii entstand, erinnert sich der späte Campbell an die Verunsicherung des ihm anerzogenen Glaubens durch die Berührung mit biologisch-
wissenschaftlichen Fakten. Der Konflikt zwischen biblischer und biologischer Genesis scheint einer der Zündstoffe für die spätere Suche nach psychologisch-mystischen Wahrheiten gewesen zu sein, die sich mit dem wissenschaftlichen Weltbild unserer Zeit besser vereinbaren lassen.

Nicht ganz überraschend lassen sich auch für den Konflikt zwischen Glaube und Wissenschaft weiter in die Jugendzeit zurückreichende Erlebnisse aufzeigen. Bereits in der Schulzeit, erinnert sich Campbell in seinem Lebensrückblick, "war Biologie die Sache, die mich packte. Und heute sehe ich Mythologie als eine Funktion der Biologie, ein Ausdruck des Impulssystems von Körper und Organen. Nicht etwas, das aus dem Kopf hervorgegangen ist. Was durch den Kopf hervorgebracht wird ist eine Fiktion. Was aus [dem Herzen] kommt ist ein Mythos." (The Hero’s Journey)

Campbells biologische Deutung des Mythos öffnet den Weg für zahlreiche Missverständnisse, ist sie doch nicht als biologistischer Ansatz zu deuten, denn auch die biologische Deutung ist ein Produkt des Intellekts. Weiß man um Campbells Vorträge über die indische Vorstellung des Weisheitskörpers, des Bewusstseins der Organe, das die Lebensprozesse steuert, so wird deutlich, dass hier durchaus mystische Bereiche berührt werden.

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1924 - 26
Europareise

Die Geschäfte von Campbells Vater Charles W. Campbell führen die Familie für eine Weile nach Europa. Auf dem Schiff geschieht eines jener denkwürdigen Zusammentreffen, die mancher geneigt ist als das Ergebnis einer schicksalsprägenden Kraft anzusehen. Der junge Campbell lernt den indischen Philosophen Jiddu Krishnamurti kennen.. 

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1927 - 28
Studium in Paris

Ein Amerikaner in Paris: Joseph Campbell als Student 1938
Ein Amerikaner in Paris:
Joseph Campbell als
Student 1928
Campbell bleibt in Europa, um in Paris sein 1925 an der Columbia University begonnenes Studium fortzuführen. 

Der Student entdeckt außerhalb der akademischen Welt die aufregenden Entwicklungen in Kunst und Literatur: Picasso und
James Joyce gehören zu den prägenden Einflüssen aus dieser Zeit, auf die Campbell auch in hohem Alter immer wieder Bezug nehmen wird. 1971 wird er in einem Interview für Psychology Today neben Joyce als seine wichtigsten Lehrer Oswald Spengler, Leo Frobenius C. G. Jung und Thomas Mann anführen.

Warum nicht Sigmund Freud, der doch in Campbells berühmtestem Buch The Hero with a Thousand Faces, an dem er zwischen 1944 und 1949 gearbeitet hat, noch einen nicht übersehbaren Einfluss ausübt? 

"Freud ist eine Zeitlang für mich wichtig gewesen. Aber ich glaube nicht, dass er ein guter Führer auf dem Weg zum Mythos ist. Er zeigt, wie Mythologie pathologisch wird. Ein hysterischer oder neurotischer Mensch zum Beispiel versteht mythologische Symbole nur im Rahmen seines eigenen Zustandes. Freud beging den fundamentalen Fehler, die Situation der infantilen Krise und des familiären Verhaftetseins zur Interpretation der Kultur als ganzer heranzuziehen." (zit. nach: Sam Keen, Stimmen und Visionen)

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1928 - 29
Studium in München

Der Name eines weiteren wichtigen Lehrers scheint Campbell während des Interviews einfach nicht auf der Zunge gelegen zu haben.

Die Werke von Freud, Jung und Mann lernt er näher kennen, nachdem er (nach einem kurzen und intensiven Studium der deutschen Sprache) sein Studium an der Universität in München fortsetzt. Hier macht er auch die Bekanntschaft mit den Werken Johann Wolfgang von Goethes - ein Mann den der vergleichende Mythologe wegen der Tiefe seiner Einsicht in Mensch und Natur, wie auch wegen seiner Universalbegabung schätzt - ähnlich Leonardo da Vinci, der (neben Douglas Fairbanks) zu den Helden seiner Kindheit gezählt hatte.

Die Tradition deutscher Literatur von Goethe bis Mann lernt Campbell in seinen Münchener Jahren schätzen. Kontrapunktiert wird die Beschäftigung mit der europäischen Tradition nun von einem Studium von Sanskrit, das er später als "die spirituelle Sprache der Menschheit" bezeichnen wird. 

Der Wechsel von Paris nach München indes war notwendig geworden, da das akademische Umfeld jener Zeit an diesem Ort den Interessen und dem Entwicklungspotential des angehenden Autors eher gerecht zu werden schien. An der Universität von Paris hatte sich Campbell dem Studium von Altfranzösisch und Provenzalisch verschrieben, jedoch war dem späteren vergleichenden Mythologen bereits in seiner Studienzeit jede Form von Spezialistentum eher fremd. Zu viele Interessen lockten und zu viele Talente drängten auf Verwirklichung. 

Auch zeigte die Universität naturgemäß kein eingehenderes Interesse an den besonderen Lebens- und Lernbedingungen eines amerikanischen Studenten mit vielgestaltiger Begabung. Und während in Paris eher private Kontakte, als das kühle universitäre Umfeld eine tragende Rolle gespielt hatten, so lernte Campbell in München die Vorzüge deutscher Gelehrsamkeit kennen:

"Als ich als Student nach Europa ging, hatte ich Französisch praktisch von klein auf gelernt (tatsächlich jedoch kein Verständnis für die Sprache). Ich ging zur Alliance Francais und innerhalb von drei Monaten konnte ich Französisch sprechen und lesen und verstehen. Ich hatte nie deutsch studiert. Aber als ich erkannte, daß alles echte Lernen in Europa in Deutschland stattfand, schrieb ich an die Columbia [Universität], und fragte, ob sie mir ein Stipendium geben würden, um im nächsten Jahr nach Deutschland gehen zu können. Sie sagten: Ja, mach weiter! Also hatte ich deutsch zu lernen. 

In drei Monaten konnte ich deutsch lesen und sprechen. Wenn du am richtigen Ort bist, von Begeisterung getrieben, und es ist die Melodie deines Lebens, kommen die Sprachen von alleine durch. Als ich die Vorschule fürs College absolviert hatte, dachte ich, Gott, ich hoffe ich brauche nie wieder eine Fremdsprache zu lernen. Aber tiefer in diese Welt einzudringen, war ein Entzücken. Jede Sprache trägt einen ganzen Bereich von Erfahrungen in sich, die für sie eigentümlich sind." (The Hero's Journey)

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1929 - 34
Wanderjahre

Die Zeit der Neuentdeckungen findet ein jähes Ende; 1929 ist das Jahr des großen Börsencrashs, und zwei Wochen zuvor ist Campbell bereits in die USA zurückgekehrt. Campbell vermag der Zeit der großen Depression jedoch auch Positives abzugewinnen. Campbell lernt Autoren wie Oswald Spengler (Der Untergang des Abendlandes) kennen, die zu wichtigen Einflüssen werden. Die Folgejahre der Depression werden für den jungen Joe zu einer Zeit der inneren wie äußeren Reisen.

"Es war von 1929 bis 1934, fünf Jahre. In ging in eine kleine Hütte in Woodstock, New York, und habe mich einfach eingegraben. Alles was ich tat war lesen, lesen, lesen und Notizen machen. Das war während der Zeit der großen Depression." (Reflections)

Wähend der Zeit in Woodstock, entschließt sich Campbell, mit dem Auto seiner Eltern durch das Land zu streifen, auf dem Weg zu sich selbst und um die Seele Amerikas zu entdecken. Er lernt den Schriftsteller John Steinbeck und den Biologen Ed Ricket kennen, die weitere wichtige Einflüsse beisteuern.

"Jedes Detail aus dieser Zeit ist in meiner Erinnerung. In Goethes wunderbarem Buch Wilhelm Meisters Lehrjahre, und noch einmal in Wilhelm Meisters Wanderjahre, gibt es die Idee des Aufeinanderprallens mit Erfahrungen und Leuten, während man umherzieht. Auf diese Weise lernt man wirklich das Leben kennen. Nichts ist Routine, nichts wird als gegeben betrachtet. Alles steht für sich selbst, weil alles eine Möglichkeit darstellt; Alles ist ein Schlüssel, alles spricht zu dir." (Reflections)

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1934
College-Lehrer

Eine Empfehlung verschafft Campbell schließlich eine Lehrstelle als am New Yorker Sarah Lawrence College - eine Tätigkeit, die ihm die folgenden 38 Jahre Einkommensquelle und pädagogische Herausforderung zugleich sein wird.

"Durch meine weiblichen Studenten war ich gezwungen, das Material aus der Sichtweise der Frau zu betrachten. Und diese Sichtweise hatte zu tun mit: Was bedeutet das Material für das Leben? Was bedeutet es für mich?" (The Hero's Journey)

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1938
Heirat mit Jean Erdman

Frisch verheiratet: Joseph Campbell mit der Tänzerin und Choreographin Jean Erdman 1938


Frisch verheiratet: Mit der Tänzerin
und Choreographin Jean Erdman (1938)

Campbell heiratet mit Jean Erdman eine seiner Schülerinnen, die als Mitglied der Martha Graham Dance Company, und später mit eigenen Choreografien, zu einer wichtigen Persönlichkeit des zeitgenössischen Tanzes heranreift. Erdmans künstlerische Arbeit wirkt auch für Campbell befruchtend. Viele Jahre später (1974) wird er zusammen mit seiner Frau das Theater of the Open Eye in New York City gründen. 

Seine Vorträge darüber, was Kunst bedeutet und bedeuten kann, lässt der Mythologe gerne mit einem Zitat seiner Frau Jean beginnen: "Der Weg des Mystikers und der Weg des Künstlers sind verwandt, nur hat der Mystiker kein Handwerk." (Die Mitte ist überall)

Jean Erdman lebt noch heute auf Hawaii und ist Chair Emeritus der Joseph Campbell Foundation.

 


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1942
Entscheidende Einflüsse

Drei Jahre währt die Zusammenarbeit mit Swami Nikhilananda, dem Campbell bei der Übersetzung und Herausgabe der Upanischaden, sowie eines Buches über den indischen Mystiker Ramakrishna behilflich ist (The Gospel of Sri Ramakrishna, deutsch erschienen als: Das Evangelium des Sri Ramakrishna). 

Die Upanischaden hatten bereits vorher zu Campbells bedeutendsten Leseerfahrungen gezählt, wird in ihnen doch die Erfahrung des Göttlichen als eine innere Erfahrung gedeutet, die sich nur mystisch-psychologisch gewinnen lässt. Eine Sichtweise, die im Gegensatz zu einer Vorstellung steht, welche in den Volksreligionen in aller Welt populär ist, in besonderer Weise kennzeichnend jedoch für die monotheistischen Traditionen: Jene Vorstellung, die Metaphern mit historischen Fakten, anstatt mit inneren Wahrheiten gleichzusetzen versucht. Eine Denkweise, gegen die Campbell speziell in seinen späten Jahren angekämpft hat. 

Campbells Lektüre von Joyces Ein Portrait des Künstlers als junger Mann führt ihn an die Problematik seiner eigenen Kirche und damit seiner eigenen religiösen Erziehung heran:

"Das Problem besteht darin, wenn du tief in das System der Kirche verstrickt bist, und deinen Glauben verlierst - das ist kein Spaß. Ich meine, ich fing an Biologie zu studieren. Es gibt absolut keine Beziehung zwischen der biologischen Entwicklung der menschlichen Rasse, der Tiere und der Pflanzenwelt, und dem, was wir im Buch Genesis geliefert bekommen. [...] 

Die Sache, die mich rettete, waren die Upanischaden - Hinduismus, wo wir praktisch die gleiche Mythologie haben, nur dass sie intellektuell interpretiert worden ist. Das bedeutet, bereits im 9. Jahrhundert v. Chr. haben die Hindus erkannt, dass alle Götter Projektionen der psychischen Kräfte sind, und sie sind in einem, nicht da draußen. Sie sind auch dort draußen, in einer gewissen Weise - in einer mysteriösen Weise - aber ihr wirklicher Platz ist hier drinnen." (The Hero's Journey)

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1944 - 49
Frühe Werke

Nachdem er 1944 mit A Skeleton Key to Finnegans Wake, in Zusammenarbeit mit Henry Morton Robinson, einen Schlüssel zum Verständnis von Joyces berühmtem Werk veröffentlicht hat, beginnt Campbell mit seinem ersten eigenständigen Werk, das bis heute als sein zentrales Hauptwerk gilt: Hero with a thousand Faces (Der Heros in tausend Gestalten). Nach mehrjähriger Arbeit, die von Campbells Tätigkeit als Herausgeber unterbrochen wird, erscheint das Werk erstmals 1949.

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1943 - 1955
Herausgeber der Werke Heinrich Zimmers 

Campbell war erstmals 1941 mit dem deutschen Indologen Heinrich Zimmer zusammengetroffen. 1943 überraschend verstorben, befinden sich im Nachlaß des bedeutenden Indologen zahllose Aufzeichnungen in zum Teil ungeordneter Form, die auf Veröffentlichung warteten.

Zurück in Honolulu: Jean Erdman und Joseph Campbell 1946 in Jeans Heimat
Zurück in Honolulu: Jean und Joe 1946
in Jeans Heimat, die später für die
beiden zum Altersruhesitz werden wird

Während C. G. Jung in Deutschland Zimmers nachgelassenes Buch über den indischen Mystiker Sri Ramana Maharshi herausgibt (Der Weg zum Selbst), beginnt Campbell, auf die Bitte von dessen Witwe hin, die ungleich umfassenderen englischsprachigen Aufzeichnungen Zimmers editorisch aufzuarbeiten. 

Als Frucht dieser mehrjährigen Arbeit erscheint eine Reihe von Werken: 1946 Myths and Symbols in Indian Art and Civilization (Mythen und Symbole in indischer Kunst und Kultur), 1948 The King and the Corpse (Abenteuer und Fahrten der Seele), 1951 Philosophies of India (Philosophie und Religion Indiens), 1955 The Art of Indian Asia (bislang keine deutschsprachige Ausgabe) - allesamt Standardwerke eines neuen Verständnisses mythologisch-metaphysischer Überlieferung, auf vielfache Weise Wege aufzeigend, wie diese für den Westen geistig nutzbar gemacht werden könnte.

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1953 - 54
Reisejahre

Verschiedene Verpflichtungen, Einladungen und Interessen führen Campbell in die Ferne: 1953 in die Schweiz (wo er auf der Eranos-Konferenz in Ascona mit C. G. Jung, Mircea Eliade, und Daisetz T. Suzuki zusammentrifft); Im anschließenden Jahr stehen Indien, Ceylon, Thailand, Burma, Hong Hong und Japan auf dem Programm. Seine asiatischen Reiseaufzeichnungen (Asian Journals) sind zum Teil nachzulesen in zwei, von der [Joseph Campbell Foundation] herausgegebenen Publikationen: Baksheesh and Brahman, sowie Sati and Satori.

Campbell ist von Armut, Schmutz und Antiamerikanismus in Indien so stark berührt, dass er jegliche Illusionen hinsichtlich der indischen Kultur fahren lässt, um sich fortan stärker für die individualistische westliche Zivilisation zu engagieren.

"Im Orient bin ich für den Westen, im Westen für den Orient. In Honolulu bin ich für die Liberalen, in New York für das große Geschäft. Im Tempel bin ich für die Universität, in der Universität für den Tempel. Das Blut ist offensichtlich irisch." (Baksheesh and Brahman)

Prägende Eindrücke in Japan: Mit Christel und Mircea Eliade
Prägende Eindrücke in Japan:

Mit Christel und Mircea Eliade (links)

Campbell wird in seinen späten Jahren zunehmend zu einem begeisterten Vertreter der abendländischen Idee des Individualismus, der mit dem Aufruf Follow your bliss! - ein jeder möge entwickeln, was er an ureigensten Möglichkeiten in sich finde, anstatt sich einem wie auch immer gearteten Staat, einer Religion oder einer Ideologie unterzuordnen - im Potential des Einzelnen die einzige Möglichkeit einer geistigen Weiterentwicklung sieht. 

Insbesondere seine Indienreise wirkt sich maßgeblich auf das Selbstverständnis und die Arbeit des Mythologen aus.

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1958 - 68
Der "Populist"

Campbell arbeitet in diesen Jahren an seinem vierbändigen Werk The Masks of God (Die Masken Gottes), in dem die zentralen Themen des Mythos historisch und auf verschiedene Kulturräume bezogen aufgearbeitet werden. 

Campbells Vorträge und Schriften orientieren sich nun zunehmend an einem breiten Zielpublikum. Der Autor möchte nicht Bücher als einen Gegenstand akademischer Erörterung produzieren, sondern vielmehr die zentralen Einsichten aus den Mythologien der Welt bereitstellen, damit der Einzelne, darauf aufbauend, sein Leben in Harmonie mit Natur, Kosmos, Gesellschaft und Transzendenz zu gestalten lerne.

Ein solcher Lehrer, der es versteht, den Nerv der Zeit zu treffen, indem er es versteht, dem Einzelnen geistige Entwicklungsmöglichkeiten jenseits ideologischer Programme aufzuzeigen, zieht leicht eine Anhängerschaft nach sich. Campbell dagegen wollte nicht verehrt werden, sondern allein Wege und Mittel zu einer lebendigen Neuerfahrung der Symbole des Mythos aufzeigen, damit der Einzelne sich selbst zu helfen vermöge.

"Es geht nicht um mich, es geht um die Mythen." (The Hero's Journey)

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1974 - 1986
Späte Werke

Ein Buch über die Welt als Traum: Mit The Mythic Image versucht Campbell neue Wege zu gehen, indem er seinen Texten erstmals durchgehend Illustrationen gegenüberstellt: Reproduktionen von Kunstwerken unterschiedlichster Provenienz, von hinduistischer Tempelskulptur bis hin zu Jackson Pollocks Autumn Rhythm sollen den visionären Nerv des Lesers direkt ansprechen.

Im Angesicht des Buddha: Bei der Arbeit auf Hawaii 1985 - Buddha-Statue von Heinrich Zimmer
Im Angesicht des Buddha: Bei der Arbeit
auf Hawaii 1985. (Die Buddha-Statue -- rechte
obere Bildecke -- ist ein Geschenk der Witwe
von Heinrich Zimmer aus dessen Nachlass)

Campbell überträgt dabei die Praxis seiner Vortragsreihen, bei denen er gerne mit Lichtbildern arbeitet, auf das Printmedium.

1983 erscheint mit The Historical Atlas of Mythology: The Way of the Animal Powers der erste Band eines ehrgeizigen publizistischen Projekts, das versucht, die historische Ausbreitung mythologischer Motive historisch nachzuvollziehen.

1986 erscheint mit The Inner Reaches of Outer Space: Myth as Metaphor and Religion (Die Mitte ist überall) ein Versuch über Mythologie im Zeitalter der Raumfahrt.

Campbell, für den der Mondflug von Apollo 11 im Juli 1969 eines der einschneidenden Ereignisse des 20. Jahrhunderts darstellte, das in seiner Überzeugung nicht ohne maßgeblichen Einfluss auf das Selbstverständnis der Menschen bleiben konnte, erläutert leicht nachzuvollziehenden Sprache, wie Symbole auf eine Weise gelesen und erfahren werden können, die dem naturwissenschaftlich und technisch geprägten Wissen unserer Zeit angemessen ist.

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1983 - 87
Später Ruhm

Campbell pflegt einen regen Austausch mit Künstlerfreunden wie George Lucas oder dem Rockmusiker Mickey Lemmle von The Grateful Dead.

1987 feiert The Hero's Journey: The World of Joseph Campbell im Museum of Modern Art, New York, Premiere, ein Film, der die Lebensstationen des großen Mythologen anhand der entscheidenden Stationen in Campbells Modell des Heldenzyklus nachzuvollziehen versucht.

Campbell letzte große Vortragsreihe wird filmisch dokumentiert und erscheint schließlich als Fernsehreihe unter dem Titel Transformation of Myth through Time.

Im Dezember 1987 wird die Fernsehreihe The Power of Myth (Die Kraft der Mythen) mit Bill Moyers ausgestrahlt und erreicht ein Millionenpublikum, wodurch Campbell kurz nach seinem Tod eine ungeahnte Popularität erreicht. Campbell erlebt die Ausstrahlung des Programms und den Höhepunkt seines Ruhms nicht mehr. Am 30. Oktober 1987 stirbt der Mythologe auf Hawaii, Jeans ursprüngliche Heimat, die den Campbells als Altersruhesitz diente.

"Joseph Campbell stellte fest, dass er zum Hinduismus zurücktrieb, wie er Jean anvertraute. Er hatte all die Jahre den Buddhismus wertgeschätzt und über das Prinzip der grenzenlosen fruchtbaren Leere meditiert, die jenseits aller Erscheinungen liegt. Nun fand er, wie er sagte, mehr Trost in den Erscheinungen von Raum und Zeit - Samsara, eine Feier des Seins eher als Nirvana, Auslöschung - da doch beide schlichtweg Weisen der Verbildlichung des Ewigen Geistes waren." (Stephen and Robin Larsen, A Fire in the Mind)

 

           

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