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Letztes Update:
16.02.2012

"Mythos ist die geheime Öffnung,
durch welche die Energien des Kosmos
in die menschliche kulturelle
Manifestation strömen."

Joseph Campbell,  Der Heros in tausend Gestalten

 

"Ein mythisches Symbol bezieht sich
nicht auf etwas Bekanntes
oder auf rationale Weise Erkennbares.
Es bezieht sich auf eine spirituelle Kraft,
die im Leben wirksam ist,
und nur durch ihre Wirkung bekannt ist."

The Way of Myth

 

"Das Ziel besteht darin,
mit der Haltung eines Gottes zu leben,
auf dem reißenden Strom der Energie,
wie Dionysos auf dem Leopard reitend,
ohne dabei in Stücke gerissen zu werden."

Reflections on the Art of Living

Sukhavati.de hat sich, als deutschsprachige Joseph Campbell Website, zur Aufgabe gemacht, die Wirkung des bedeutenden amerikanischen Mythenforschers im deutschen Sprachraum zu fördern.

Sukhavati.de möchte dem mythisch-symbolischen Denken in der Tradition von Carl Gustav Jung, Mircea Eliade, Heinrich Zimmer und Joseph Campbell ein Forum bieten, sowie durch einen Austausch zwischen Kunst, Wissenschaft, Mystik und transpersonaler Psychologie, auf eigene Weise zur Verwirklichung eines "reinen Landes im Westen" beitragen.

Sukhavati.de ist eine private, nichtkommerzielle und unabhängige Website.

Sukhavati ist, der buddhistischen Mythologie zufolge, das "reine Land im Westen", Idealvorstellung und metaphysische Vision eines Lebens auf höchster Bewusstseinsstufe, Utopie, Paradiesvorstellung, Gesellschaftsentwurf und psychologisches Sinnbild zugleich.

 

Willkommen!

Wozu Symbole?

Wer war Joseph Campbell?

Was ist Tiefenpsychologie?

Was ist Transzendenz?

Heldenreise

Was sind Mythen?

Wozu Mythen?

Was ist Mystik?

Hier und Jetzt

 

Mythological RoundTable® Gruppe Heidelberg

Seit über zehn Jahren trifft sich die Heidelberger Mythologie-Studiengruppe der Joseph Campbell Foundation im Rhein-Neckar-Raum, um in informellem Rahmen über Mythologie, Symbole, Kunst, Spiritualität, Filme etc. zu diskutieren.

Im Laufe der Jahre konnten wir dabei zahlreiche prominente Gäste begrüßen, darunter Robert Walter, den Präsidenten der Joseph Campbell Foundation (JCF) sowie enger Freund und Mitarbeiter von Campbell, Steve und Robin Larsen, von denen die große Joseph Campbell Biographie A Fire in the Mind stammt, sowie Rebecca Armstrong, die ebenfalls mit Campbell befreundet war und viele Jahre lang bei unserer Stiftung das JCF Mythological RoundTable® Programm betreut hat.

Seit 2008 werden die MRT-Gruppen von Martin Weyers betreut, Leiter des MRT Heidelberg, daher könnt Ihr uns bei allen Fragen zu dem weltumspannenden Netzwerk von circa 50 offiziell Lokalgruppen der Joseph Campbell Stiftung kontaktieren.

In Deutschland gibt es mittlerweile fünf offizielle lokale Studiengruppen der JCF. Neben Heidelberg freuen sich folgende Lokalgruppen über euren Besuch oder eure Kontaktaufnahme:

Essen

Berlin (deutschsprachige Gruppe)

Berlin (englischsprachige Gruppe)

München


Kleine Joseph Campbell Enzyklopädie

Mythologie einmal anders: Nicht von A wie Armageddon bis Z wie Zeus, sondern von Alter über Göttin und Traum bis Zukunft. Dem Mythologen Joseph Campbell war es ein lebenslanges Anliegen, die Symbole der Mythen und Religionen nicht den Theologen und Altertumsforschern allein zu überlassen, sondern im Hier und Heute erfahrbar zu machen.

Die Texte unter den einzelnen Stichworten wollen kein lexikalisches Basiswissen liefern, sondern verstehen sich als "interaktive" Einführung in das Denken von Joseph Campbell.  

Abendland

Alter

Bewusstsein

Bücher

Buddha

Computer

Dualismus

Dürckheim, Karlfried

Eckhart, Meister

Ewigkeit

Frauen

Furcht

Geld

Goethe, Johann Wolfgang von

Göttin

Gott

Gral

Heldenreise

Indien

Jesus

Joyce, James

Jung, C. G.

Katastrophen

Kathedralen

Kindheit

Kitsch

Kunst

Künstler

Leben

Mann, Thomas

Maya

Mitleid

Monotheismus

Musik

Mystik 

Mythologie

Natur

Raumfahrt

Religion

Rituale

Schamanismus

Sinn

Sport

Stille 

Symbole

Tod

Transzendenz

Traum

Wissenschaft

Wolfram von Eschenbach

Zeitungen

Zen

Zimmer, Heinrich

Zukunft

 

"Was der Mythos für Sie leistet,
besteht darin, über die phenomenale Welt
hinweg auf das Transzendente
zu verweisen. Eine mythische Figur
ist wie ein Kompass, mit einem Bein
im Feld der Zeit, und mit dem anderen
im Ewigen. Das Bild eines Gottes
mag aussehen wie eine menschliche
oder tierische Gestalt,
aber es bezieht sich
auf etwas, das diese durchdringt."

Joseph Campbell, Pathways of Bliss

 

"Ewigkeit ist keine lange Zeit;
Eher handelt es sich um eine andere
Dimension. Es ist diese Dimension,
von der uns das Zeitdenken ausschließt. Und so hat es nie eine Schöpfung gegeben. Vielmehr findet ein kontinuierliches Erschaffen statt.
Diese Energie strömt
in jede Zelle unseres Daseins,
eben jetzt
gerade,
in jede Wand und jeden Ziegel
des Gebäudes in dem wir uns aufhalten,
in jedes Sandkorn und jede Windböe."

Joseph Campbell, Myths of Light

 

"Das ewige Prinzip, das niemals geboren wurde, niemals sterben wird: Es ist in allen Dingen, es ist in Ihnen, eben jetzt gerade.
Sie sind eine Welle auf der Oberfläche des Ozeans. Wenn die Welle vergangen ist,
ist etwa das Wasser vergangen?
Ist irgendetwas geschehen?
Nichts ist geschehen.
Es ist ein Spiel, ein Tanz.
"

Joseph Campbell, Baksheesh & Brahman

 

"Ewigkeit ist weder Zukunft
noch Vergangenheit.
Ewigkeit ist eine Dimension des Jetzt.
Es handelt sich um eine Dimension
des menschlichen Geistes
- der ewig ist. Finden Sie diese Dimension
in Ihnen selbst und Sie werden
förmlich durch die Zeit reiten,
und zwar den ganzen Tag lang."

Joseph Campbell, Pathways of Bliss

"In Japan gelten alle Dinge
als Buddha-Dinge. Alle Dinge sind
in sich selbst wirklich. Der flüssige Aspekt
der Unbeständigkeit ist selbst
der absolute Zustand.
"

Joseph Campbell, Sake & Satori

"Mach deinen Gott transparent
für die Transzendenz, und es spielt
keine Rolle, wie sein Name lautet.
"

Joseph Campbell, Pathways of Bliss

 

"Metaphern scheinen nur die äußere Welt
aus Zeit und Raum zu beschreiben.
Ihr wirkliches Universum ist
der spirituelle Bereich des inneren Lebens.
Das Königreich Gottes ist in Ihnen.
"

Joseph Campbell, Thou Art That

 

"So wie sie von den Astronauten
vom Mond aus gesehen wird,
fehlen der Erde die Linien
soziopolitischer Abtrennung,
die auf Landkarten so prominent
erscheinen. Und so wie es hier unten
aussieht, ist das Netz verflochtener
sozioökonomischer Wechselwirkungen,
das nun den Planeten umfasst,
von ein und demselben Leben.
Alles was nötig ist, ist ein allgemeiner
Wandel der Sichtweise,
um mit diesen zeitgenössischen
Fakten in Einklang zu kommen.
"

Joseph Campbell, The Inner Reaches
of Outer Space

 

"Wir befinden uns in einem freien Fall
in die Zukunft. Wir wissen nicht,
wohin wir gehen. Die Dinge ändern
sich zu schnell. Und wie immer,
wenn man durch einen langen Tunnel geht,
macht sich Angst breit.
Alles was Sie zu tun haben,
um Ihre Hölle in ein Paradies
zu verwandeln, ist, Ihr Fallen
in einen Willensakt zu verwandeln.
Ich meine, dabei handelt es sich
um einen sehr interessanten
Perspektivwechsel, und das ist schon alles.
Freudvolle Teilnahme
an den Sorgen [der Welt],
und alles ändert sich."

Joseph Campbell, Sukhavati - Place of Bliss

"Mythologien werden nicht erfunden;
sie werden gefunden.
Sie können genausowenig vorhersagen,
wie Ihr Traum heute Nacht aussehen wird,
wie man einen Mythos erfinden kann.
Mythen kommen aus dem mystischen
Bereich wesenhafter Erfahrung."

Joseph Campbell, Myths of Light

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Wozu Symbole und Mythologie?

Unter Mythologie verstehen die meisten heute Göttergeschichten, das heißt Geschichten mit deren Hilfe sich die Menschen in grauer Vorzeit die Kräfte der Natur zu erklären versuchten. Mythologie als ein Relikt aus vorrationaler Zeit zu deuten, das dem modernen rationalen Weltbild oder dem der Weltreligionen unterlegen ist, bedeutet jedoch gründlich misszuverstehen, was sich hinter der Symbolwelt der Mythen verbirgt.  Mythologie ist eine Bildsprache der Seele.

Mehr noch als äußere Beobachtungen spiegeln sich in Mythen die Kräfte unserer Psyche. Mythen sind Spiegelbilder der Seele, in denen psychische und, tiefer noch, metaphysische Wirklichkeiten Ausdruck finden, die uns normalerweise verschlossen bleiben. Die Symbole der Mythen wollen nicht rational gedeutet werden. Sie liefern keine Ideologien, obgleich sie als Ideologien missbraucht werden können. Sie sind nicht irrational, obwohl sie faktisch zu deuten ein Ausdruck von Aberglaube wäre. Sie als historische Wahrheiten anzusehen bedeutet Aberglauben. Sie selbst als Aberglauben abzutun führt zu Rationalismus, und damit zu einer eingeschränkten Weltsicht, in der nur Platz für das Logische, Messbare, Prüfbare ist. Ihre Wahrheiten sind subtiler Natur.

Als innere Wahrheiten verstanden, öffnen sich in den Sinnbildern der Mythologie Wahrheiten, die weit über unser gewöhnliches Verstehen hinausgehen. Begegnet man diesen Sinnbildern mit kontemplativer und assoziativ offener Haltung, anstatt sie rational deuten und damit fixieren zu wollen, so führen sie uns in einen Bereich, der jenseits begrifflichen Verständnisses liegt. Versteht man Gott, Götter und Dämonen als Metaphern für ein nicht verbal erfassbares transzendentes Geheimnis hinter den sichtbaren Dingen, dann eröffnet sich in ihnen ein Weg zu einem umfassenden, die vorgegebenen Denkstrukturen unseres Gehirns transzendierenden Weltsicht.

Der Weg des mythischen Denkens führt letztlich zu einer universellen spirituellen Welterfahrung, die der des bilderlosen Weges der Mystik nahesteht und mit dem modernen Weltbild der Naturwissenschaften durchaus vereinbar ist.

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Wer war Joseph Campbell?

Zahlreiche Gelehrte des zwanzigsten und ausgehenden neunzehnten Jahrhunderts haben dazu beigetragen, in den Symbolen des Mythos innere Wahrheiten zu erblicken, anstatt sie als primitive vorwissenschaftliche Weltbilder fehlzudeuten. Dazu gehören Autoren wie der Psychologe Carl Gustav Jung, der Religionswissenschaftler Mircea Eliade, der Indologe Heinrich Zimmer und der Amerikaner Joseph Campbell, der als vergleichender Mythologe seine Aufgabe und Berufung vor allem darin sah, Gemeinsamkeiten und archetypische Parallelen in den Mythologien und Religionen der Welt aufzuspüren, die uns weit hinter die lokalen Glaubensformen führen. Letztere begriff Campbell als kulturell bedingte Ausdrucksformen ein und derselben psychologischen und metaphysischen Wahrheit. 

Der Mythenforscher Joseph Campbell, in den USA durch die Fernsehreihe Joseph Campbell and the Power of Myth längst einem Millionenpublikum bekannt, hat im deutschen Sprachraum noch nicht die ihm gebührende Anerkennung erfahren. Seine Arbeit im Bereich der vergleichenden Mythologie erhebt ihn in den Rang eines Mircea Eliade, wenngleich sich Campbell von dem berühmten Religionswissenschaftler durch einen persönlicheren Stil und einem zuweilen eher künstlerischen Umgang mit den Symbolen des Mythos unterscheidet. Campbells Ansatz ist zugleich universaler und gegenwartsbezogener, indem er naturwissenschaftliche Erkenntnisse sowie Kunst und Literatur des zwanzigsten Jahrhunderts (James Joyce, Thomas Mann) einbezieht, um die Gegenwärtigkeit der Kraft des Mythos auch in unserer Zeit aufzuzeigen und ihrer Wirksamkeit zu erhöhen.

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Tiefenpsychologie: "alle Götter in uns"

... lautet ein Kapitel von Heinrich Zimmers' Philosophie und Religion Indiens. Der Indologe Zimmer, dessen Maßstäbe setzende Werke aus dem Nachlass von Campbell herausgegeben wurden, gehört zu den wichtigen Inspirationen des amerikanischen Mythenforschers. Darüberhinaus angeregt durch die Studien eines C. G. Jung, aber auch beeinflusst durch die Werke von James Joyce und Thomas Mann, entwickelte Campbell eine zeitgemäße Mytheninterpretation, die sich vor allem an tiefenpsychologischen Grundmustern interessiert zeigt. 

Campbell spürt in den Mythen der Menschheit allgemeingültigen Metaphern nach, mit denen der Mensch seit Urzeiten seine Position im Kosmos bestimmt hat. Dabei zeigt sich der Autor weniger an kulturellen Besonderheiten oder gar Abgrenzungsversuchen interessiert; Das Hauptaugenmerk gilt vielmehr der Aufspürung von Archetypen (C. G. Jung) oder Elementargedanken (Adolph Bastian) Grundkonstanten symbolischer Welterfahrung also, die Mythen und religiöse Symbole aus allen Zeiten und Kulturen miteinander verbinden.

Die Formulierungen von Mythos und Religion stellen jedoch keine absoluten Wahrheiten dar, sondern können als Projektionen unserer tiefsten psychischen Kräfte verstanden werden. Das bedeutet keineswegs, sie zu trivialisieren. Das eigentliche Geheimnis jedoch, so Campbell, liegt in uns selbst, nicht in irgendwelchen angeblich historischen Ereignissen einer fernen Vergangenheit. Die Sinnbilder des Mythos und der Religion sind nicht als historisch-faktische Wahrheiten zu verstehen, sondern als metaphorische Annährungen an ein Mysterium, das sich letztlich allen Versuchen einer sinnlichen Beschreibung oder intellektuellen Begreifbarmachung entziehen muss.

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Jenseits von Ideologien: Transzendenz

Zu Ende seines vierbändigen Hauptwerks Die Masken Gottes kommt Campbell zu dem Schluss, dass heute keiner Religion, keiner Sekte, keiner Ideologie der Vorzug zu geben sei. Alle Lehren und Vorstellungen von einer transzendenten Ursache hinter den sinnlich-empirisch erfahrbaren Formen der phänomenalen Welt sind lediglich als Maskierungen eines Mysteriums zu verstehen, dass sich jeder Verbildlichung und Sprechbarmachung entzieht. "Gott ist eine Metapher für ein Geheimnis, das alle Kategorien der Vorstellung und des Denkens transzendiert sogar die Kategorien von Sein und Nichtsein." (Joseph Campbell, The Hero's Journey)

Transzendenz weist in diesem Sinne nicht auf eine ontologisch andere Welt. Diesseits und Jenseits beides sind Teile ein und derselben Welt. "Diesseitig" und trivial ist zuweilen lediglich unsere Wahrnehmung. "Jenseits" bedeutet jenseits von Ideologien, Kategorien, Konzepten, konditionierten Verhaltensweisen und eingefahrenen Denkmustern. Es gilt also, unser Bewusstsein zu verändern, um das Transzendente im Hier und Jetzt zu erkennen. Dabei helfen Exerzitien, wie sie von Mystikern vollzogen werden. Ein anderer Weg besteht in der Auseinandersetzung mit den Symbolen des Mythos.

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Heldenreise

Die Aufgabe des Helden, wie sie sich in der Heldenreise der Mythen darstellt, besteht darin, für sich selbst und die Gesellschaft ein verlorenes Gut wiederzubeschaffen. Dieser verlorene Schatz kann beispielsweise als Gral (Parzival) oder Zauberring (Herr der Ringe) Gestalt annehmen.

Dabei handelt es sich jedoch nur um ein Bild; Das Ziel der Suche besteht eigentlich in der Wiederherstellung eines umfassenderen, transzendenten Bewusstseins. Die Reise des Helden durch die Unterwelt oder im Bauch eines Wals, wie sie in den Mythen vollzogen wird, ist letztlich eine Reise in die eigenen Innenwelten: Der Held wird aus seinem tiefsten Unbewussten heraus wiedergeboren, und mit ihm die Gesellschaft, aus der er hervorgegangen ist.

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Was sind Mythen?

Einem weitverbreiteten Missverständnis zufolge handelt es sich bei Mythen um Unwahrheiten, die bei zahlreichen Menschen nicht als solche erkannt werden. Mythen werden oft mit Aberglauben oder Legenden verwechselt. Tatsächlich bestehen Mythen aus phantastischen Geschichten und Sinnbildern, deren Wahrheit nicht eine historisch-faktische ist, sondern vielmehr eine innerlich-mystische.

Oft halten wir die eigenen Mythen für Fakten, die Mythen anderer Kulturen dagegen für Ausgeburten einer irrationalen oder vorwissenschaftlichen Phantasie, die lediglich nicht imstande ist, die harten Fakten der Realität zu entziffern. Jedoch: Was ist real? Das was wir mit den beschränkten Mitteln unseres Gehirns und seiner Sinnesorgane wahrnehmen? Oder ist die Realität nicht vielmehr etwas, das sich allem rationalen Verständnis und aller Wahrnehmung entzieht?

Mythen versuchen, Unsichtbares sichtbar zu machen durch das Sichtbare, Undenkbares denkbar zu machen durch das Denken, Unnennbares sprechbar zu machen durch Geschichten. Götter, Engel und Dämonen sind letztlich nur Bilder für Realitätsbereiche und kosmische Kräfte, die sich von unserem Verstand nicht erfassen lassen.

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Wozu Mythen?

... wird in unserer rationalistischen Zeit, in der lebendige Auseinandersetzung häufig intellektuelle Rechtfertigungszwänge nach sich zieht, gerne gefragt. Campbell zeigt auf, dass ein gesellschaftstragender Mythos vier Funktionen erfüllt:

Mythen verweisen auf einen transzendenten Grund, auf dem die sichtbare Welt beruht (Mystische Funktion); Sie helfen dem Individuum, ein positives Verhältnis zu dem Kosmos, in dem es sich vorfindet, zu entwickeln (Kosmologische Funktion) und helfen darüberhinaus, das Verhältnis zwischen dem Einzelnen und der Gesellschaft zu harmonisieren (Soziologische Funktion); Schließlich dienen die Sinnbilder des Mythos im Zusammenhang mit geeigneten Ritualen - die erforderlichen entwicklungspsychologischen Umstellungen im Angesicht neuer Lebensstufen zu meistern (Pädagogische oder Psychologische Funktion). 

Während Kirchen, Sekten und andere ideologische Gruppierungen das Gewicht in der Regel auf soziale Identifikation legen, tut dem Menschen des 21. Jahrhunderts eine Wiederherstellung der psychologischen Wirkungsmacht des Mythos Not, vermochte dieser doch einst, ihn durch Rituale und Sinnbilder sicher durch die verschiedenen Lebensphasen bis hin zum Angesicht des Todes zu leiten.

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Psychologie und Mystik

Während sich Campbell in seinen letzten Lebensjahren in Form von Vorträgen und Seminaren (insbesondere am Esalen Institut in Kalifornien) um die Vermittlung mythisch-symbolischer Erfahrung auf breiter populärer Basis bemühte, zielten die beiden ersten Hauptwerke, Der Heros in tausend Gestalten (1949) und Die Masken Gottes (1959-68) auf die Herauskristallisierung eines psychologischen und metaphysischen Kerngehalts maßgeblicher mythologischer Überlieferung unterschiedlichster Provenienz. Dabei werden die grundlegende Bedeutung sowohl der mystischen, wie der psychologischen Funktion von Mythen hervorgehoben. 

Nicht jenseits der Welt ist Gott zu finden, sondern in den Abgründen unserer Psyche. Transzendenz bedeutet letztlich nicht ein Außerhalb des Kosmos, sondern ein Außerhalb der Grenzen unserer Begriffe, Wahrnehmungen und Weltbilder. Zu transzendieren ist nicht die Natur, sondern der Horizont unseres Wahrnehmungsapparates, der von der Evolution hervorgebracht wurde und uns Orientierung und Überleben ermöglicht, nicht aber geschaffen wurde, um Gott oder die Welt als Ganzes zu erkennen. 

Nicht historisch gedeutet sein wollen heilige Symbole wie die des Paradieses oder des himmlischen Jerusalem, sie wollen, als tief in unserer Psyche schlummernde geistige Möglichkeiten, erfahren werden. Damit stellt sich Campbell im Grunde, obgleich unausgesprochen, in die Tradition der Mystik, die Gott nicht als ein absolut Anderes, und nicht einmal als ein Gegenüber ansieht, sondern in den Abgründen unseres Innern erfährt, nicht als Teil unserer Selbst, sondern als das Ganze, als dessen Teil unser reflektierendes Tagesbewusstsein zu betrachten ist.

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Ewigkeit als eine
"Dimension des Hier und Jetzt"

"Eternity is a dimension of here and now" lautet eine der zentralen Einsichten Campbells. Spiritualität bedeutet demnach nicht Konzentration auf eine Heilserwartung, die sich auf ein Jenseitiges richtet, sondern eine tiefere Erfahrung der nur vermeintlich trivialen Alltagswelt, in der sich das Ewige zum Ausdruck bringt. Dazu beitragen können die Symbole des Mythos und, wie zu hoffen ist, vielleicht auch sukhavati.de die deutschsprachige Joseph Campbell Website.

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Sukhavati - Place of Bliss ist der Titel eines 80 Minuten langen Films, der in die Welt von
Joseph Campbell einführt, und als Inspiration für den Namen dieser Website diente.

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