Die Gemälde und Grafiken von Martin Weyers spielen mit archetypischen Symbolen, die, in eine neue und innovative Formsprache gekleidet, unmittelbarer Ausdruck unserer Zeit sind, und doch zugleich Zeitlosigkeit ausstrahlen.
Die ersten Zeichnungen entstanden 1983, inspiriert durch Francis Bacons
'Three Studies for Figures at the Base of a Crucifixion' (1944).
In einem
Gespräch mit David Sylvester erwähnt Bacon den Bereich organischer
Form, welcher – obgleich angedeutet von Picasso – in der Welt der
modernen Malerei weitgehend unerforscht geblieben sei.
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Foto:
Annette Mück, 2003 |
In
Weyers'
Gemälden, Zeichnungen und Radierungen erscheint die Figur als
organische oder anthropomorphe Form, getaucht in einen Raum aus Licht und Farbe.
Wiederholt auftretende Motive wie Spirale oder Labyrinth in unterschiedlichsten
Erscheinungsformen lassen eine Atmosphäre des Geheimnisvollen entstehen und
erweitern den reichen assoziativen Spielraum des Bildgeschehens. Wo Bacon in
seinen Bildern Terror und Orientierungsverlust des modernen Lebens zu einem
zeitgemäßen Ausdruck verhalf, sucht Weyers nach einer
metaphorisch-symbolischen Bildsprache, welche tief in die mystische Dimension
der Realität eindringt.
1988
begann Weyers ein Studium der Kunstgeschichte, Philosophie und Psychologie in
Heidelberg, mit der Absicht, durch die Beschäftigung mit Kunst, Metaphysik,
Naturphilosophie und Mystik - und somit vor einem tieferen
geistesgeschichtlichen Hintergrund - einen Beitrag zu einer neuen, den
Gegebenheiten des wissenschaftlichen Zeitalters angemessenen Mythologie zu
leisten.
Beeinflusst
von Philosophen wie Carl-Friedrich von Weizsäcker, die in ihren Werken die
Verbindungspunkte zwischen Naturwissenschaften, Metaphysik und mystischer
Erfahrung untersuchen, begann Weyers 1989 über die Beziehungen zwischen
Mythologie, Kunst und naturwissenschaftlichem Weltbild zu schreiben.
Ein
fehlendes Glied fand er 1999 in den Arbeiten des amerikanischen Mythenforschers
Joseph Campbell. In der Tradition von Carl Gustav Jung behandelte dieser Autor
Mythen als Projektionen der Psyche. Hier war ein moderner Interpretationsansatz
gefunden, der die Symbole des Mythos ernstnimmt und zugleich in Übereinstimmung
mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen unserer Zeit steht.
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