Alexander Horn
 

geb. in Bayern

Studium an der Freien Kunstakademie
Mannheim

Freier Künstler seit 2002

Mitbegründer der Produzentengalerie Peng!

Mitglied im Bundesverband Bildender
Künstlerinnen und Künstler BBK (Berufsverband)

Lebt und arbeitet in Mannheim
und Ludwigshafen

Alexander Horn verweigert sich bewusst dem auf dem Kunstmarkt vielfach immer noch eingeforderten Bekenntnis zu einem monolithischen Personalstil. Die Konsistenz seines künstlerischen Arbeitens lässt sich weniger formal bestimmen, als durch eine künstlerische Haltung, die in verschiedenen Schaffensphasen unterschiedliche bildnerische Mittel legitimiert, um das jeweils bestmögliche Medium für die zum Ausdruck drängenden Inhalte nutzbar zu machen.

Der Künstler präsentierte 2001 in den Räumen der Galerie Raum 2 eine Serie großformatiger Bilder mit organisch gewachsenen Farbfeldern in lasierten Grautönen, kontrastiert durch eine Großplastik aus Holz in Form einer schafottartigen Konstruktion: Monochrome Gegenstandslosigkeit tritt in kommunikativen Austausch mit einer formal daran anknüpfenden dreidimensionalen Umsetzung, durch die das anscheinend abstrakte Formenspiel eine raffinierte Umdeutung erfährt.

Wer den Künstler jedoch auf formale Experimente festlegen will, wird durch Bildserien überrascht, in denen Horn, als Gegenreaktion auf die vorherige farbliche und formale Reduktion, nun überraschend Vorlagen unterschiedlichster Herkunft, von Comics bis zu medizinischen Lehrmaterialien, in einem Blowup-Verfahren unter Verwendung von Primärfarben zur Bildtauglichkeit verhilft.

In seiner aktuellen Bildproduktion bevorzugt der Künstler dagegen eine Reduktion auf Fragmenthaftes, der die Beschränkung auf kleine Bildformate entspricht. Die Gemälde fallen durch eine zurückgenommene Farbigkeit auf, deren reiches Kolorit sich erst bei eingehenderem Hinsehen offenbart.

Ins Auge fällt insbesondere die Ausschnitthaftigkeit des Gezeigten: Personen, Maschinen, Eisberge und fragmenthafte Schriftzüge gehen in der ausgeklügelten Hängung überraschende Bezüge ein, um eine unerschöpfliche Vielfalt von Bedeutungszusammenhängen zu evozieren, die weit über künstlerisch Geplantes und Planbares hinausgehen. Die Motive verweigern sich weitgehend der Entschlüsselung ihrer Herkunft; Ihr Zusammenspiel im Sinne eines kaleidoskopartig wechselnden Bildkosmos findet im Kopf des Betrachters statt. In der Vielfalt möglicher Konnotationen unter Ausbleiben einer vorgegebenen Lesart spiegeln sich Pluralität und Unüberschaubarkeit heutiger Wahrnehmung von Welt.

Die Arbeiten von Alexander Horn gehen auf unterschiedlichste Bildquellen zurück, die gleichberechtigt, ohne Unterscheidung zwischen trivial oder bedeutsam, real oder medial erfahrene Umwelt, behandelt werden. Was zählt ist allein die Überführung in das Medium Kunst, indem Bildquellen nicht gedeutet, sondern in eine neue malerische Wirklichkeit überführt werden.

Ausführliche Infos und Ausstellungsverzeichnis unter alexanderhorn.eu

1. Die Klassiker

Mund 2 La Bascule Ohne Titel Ohne Titel Ohne Titel Bambus
(2005)
Öl / Lw.
145 x 150 cm
(2001)
Holz
(2004)
Öl / Lw.
145 x 145 cm
(2004)
Öl / Lw.
145 x 150 cm
(2006)
Öl / Nessel
32 x 24 cm
(2006)
Öl / Nessel
24 x 18 cm

 


Hoffnung auf ungebetene Gäste. Über die Bilder von Alexander Horn

von Martin Weyers

Anlässlich der Ausstellung HOaX6 im Kulturzentrum Alte Feuerwache vom 13. Juni bis 20. Juli 2007. Vernissage am Mittwoch, den 13. Juni, 19:00. Einführung in die Ausstellung: Stefanie Müller, Kunsthalle Mannheim; Bernd Böhlendorf, Berlin.

Jeder kennt das: Es gibt Melodien, die einem, meist ungebeten beschert, nicht wieder aus dem Kopf wollen. Im Fall von Alexander Horn war es ein Zitat des amerikanischen Transzendentalisten Henry Thoreau (Walden, oder: Leben in den Wäldern), das er, einmal aufgeschnappt, nicht wieder los wurde.

Woher ich das weiß? Nicht weil ein Bildtitel mich auf die Fährte gebracht, nicht weil ein Bildmotiv zur Hinterfragung herausgefordert hätte; Alexander Horn arbeitet im Atelier nebenan, und bei einem Glas Wein erfahrt man im Laufe der Zeit Vieles, was sich in den Bildern spiegelt, ohne dass es ein unbefangener Betrachter fertig brächte, zurückzuspiegeln, was sich als malerisches Sediment niedergeschlagen haben mag, dem aufmerksamen Atelierkollegen gerade noch gegenwärtig.

Als Alexander mich vor ein paar Tagen bat, einen Text für seine kommende Ausstellung in den Räumen des BBK Mannheim zu verfassen, sah ich mich vor ein Problem gestellt: Es gab keine Bildauswahl, die der Kollege zu präsentieren gedachte, nicht einmal eine Idee oder auch nur einen Ausstellungstitel. Dafür sah ich große und kleine Bilder im Zeitraffertempo wachsen und erblühen. Sobald ich mich jedoch an die Arbeit machen wollte, um über eine bestimmte Arbeit nachzudenken, wurde ich nach einer Zange gefragt, mit deren Hilfe der Künstler gedachte, die soeben vollendeten und fast im selben Moment vor dem Auge des Malers durchgefallenen Bilder vom Keilrahmen wiederabzuspannen. (Selbstverständlich verweigerte ich die Herausgabe des Werkzeugs.)

Give me a wildness no civilization can endure (Gib mir eine Wildheit, die von keiner Zivilisation ertragen werden kann) lautet das Thoreau-Zitat, das die einzige Konstante im jüngsten Schaffen von Alexander Horn zu bilden scheint. Wird sie spürbar vor den Bildern, die mit der vorgeblichen Beliebigkeit eines assoziativ arbeitenden Geistes Unvereinbares durcheinandermengen?

Wie ist der Ausspruch überhaupt zu verstehen? Als Sehnsucht des Zivilisationsmenschen nach Ursprünglichkeit? – Eine unstillbare Sehnsucht, wären wir Zivilisationsblüten, der nackten Natur ausgesetzt, doch gar nicht überlebensfähig.

Ich muss an Klaus Kinski der denken, der in Werner Herzogs Dokumentarfilm Mein liebster Feind für den Fotografen als Dschungelheld posiert, um dann, sobald der Auslöser geklickt hat, vor lauter Angst vor einem Schlangenbiss Zuflucht im Lager zu suchen. Alexander Horn bewundert Ausnahmemenschen wie den Bergsteiger Hermann Buhl, der als erster Tiroler den deutschen Schicksalsberg Nanga Parbat bestieg. 186 erfolgreichen Besteigungen stehen 61 Todesfälle gegenüber.

Ein bisschen Wildheit in die Zivilisation hinüberretten: Keine leichte Aufgabe. Ist es die Aufgabe des Künstlers?

Nun hat die Ausstellung doch noch Bilder, und sogar einen Titel erhalten: HOaX6 – ein Wortspiel, das die zumeist mit spöttischem Hintergedanken verbreiteten Falschmeldungen der Massenmedien (Hoax) mit einem von der neueren Forschung vermuteten Gen namens Hox 6 verbindet. Das so bezeichnete genetische Programm wird für Mutationen verantwortlich gemacht, die vielleicht doch nicht so zufällig auftreten, wie Darwin einst vermutete.

Zivilisation und Wildnis; populäre Fakes, die als erfolgreiche Meme unsere Medien und unser Bewusstsein durchspülen; genetische Wirkmechanismen, die sich hinter Naturprozessen verbergen, deren Ablauf möglicherweise nur scheinbar Zufall und Willkür unterworfen ist: Welchen Bedeutungsverschiebungen unterliegen malerische Motive vor einem solchen Hintergrund?

Ikonographisch vorbelastete Sujets werden in Alexander Horns Bildern isoliert, und damit ihres traditionellen symbolhaften Kontexts beraubt. So etwa der (hier in schreckhafter Unschärfe auf den Punkt gebrachte, ganz und gar nicht Dürer-hafte) Hase, dessen erotische Energie ihm in der Vergangenheit bildnerische Relevanz verlieh, genauso wie sein Dasein auf Messers Schneide, als einer der immer auf der Flucht ist, und dessen Lebenszweck sich darin zu erschöpfen scheint, schnellstmöglich für Nachwuchs zu sorgen. Gib mir eine Wildnis, die keine Zivilisation ertragen kann – wollen wir das wirklich?

Manchmal wird der Prozess der künstlerischen Mutation umgekehrt. Ein Bild auf 100 x 80 cm zeigt in exquisitem Kolorit und verblüffender Plastizität, ausschnitthaft auf den Rumpf konzentriert, zwei Mädchen, die Dank dem malerischen Können ihres Befreiers der Künstlichkeit einer Modefotografie entronnen sind. Eine Szene, die so schön wie trivial ist. Im Gemälde von Alexander Horn transformiert das Modefoto zu einem Stück Malerei, das der Stofflichkeit der Kleider das Blau des Himmels innewohnen lässt; ein Blau, das nicht nur die obere Bildmitte dominiert, sondern an mehreren Stellen innerhalb der figürlichen Motive kreuzförmig durchscheint.

Was zunächst nur als formales Spiel erscheint, stellt sich bei weiterem Nachfragen als kunsthistorische Anspielung heraus. Bei der Wahl des Motivs hatte der Künstler sich von der Idee einer Himmelfahrt inspirieren lassen. Maria und Elisabeth (die Mutter Johannes des Täufers) sind es, die in einer mittelalterlichen Fiktion eine Vision vom gewaltsamen Tod ihrer Söhne teilen. Transformieren hier Hochglanzmodels zu religiösen Sinnträgern?

Nicht ganz, denn der Himmel, in dem die beiden Figuren aufgehen, ist kein transzendentes Anderswo. Den ausgestreckten entblößten Arm, im Originalfoto eine mädchenhaft ausgelassene Geste, möchte man in seiner exponierten Verletzlichkeit unwillkürlich nach Einstichen einer Nadel absuchen. Malerei will hier nicht Heilsversprechen sein, ist vielmehr eigenwilliger Reflex von Erlebtem und Erlerntem, das sich im alchemistischen Prozess der Malerei wie auch immer zu Neuem verbinden vermag – Hauptsache es kommt kein Gold dabei heraus.

Zum Wesen eines Experiments gehört die Ungewissheit seines Ausgangs. Für Alexander Horn wäre Malerei eine langweilige, wenn nicht sinnlose Tätigkeit, stünde das Ergebnis von Vornherein fest. Ganz gleich, ob es sich um sorgfältig gemalte Ölbilder handelt, oder um die frechen und chaotischen Grafiken aus der Hirnschwitzen-Serie: Innenbilder und Medienbilder treten gleichrangig nebeneinander, durchdringen einander. Sich selbst überraschen zu wollen im meditativen Prozess des Malens, nennt der Künstler seinen Antrieb, immer neue Bilder zu schaffen. Deren Inhalte unterliegen keinem ideologischen Ordnungsprozess. Sie sind wie ungebetene Gäste, die das Haus füllen und lebendig machen. Man sieht ihrem Treiben gerne zu.

(MW, 8.06.2007)

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